Sustainability Spotlight No.5

Erschienen in
Eileen Broadhead

Sustainability Spotlight No.5

 

Stellt euch mal vor ihr seid wieder 16 und hockt im Geografieunterricht. Nur dieses Mal vegetiert ihr nicht stoned in der hintersten Reihe vor euch hin, sondern hört aufmerksam zu, denn Frau Müller erzählt euch jetzt was über die Auswirkungen der Klimaerwärmung.

Die Gletscher

Wenn die allgemeinen Temperaturen auf der Erde steigen, sind offensichtlich sehr schnell die schnee- und eisbedeckten Gebiete weltweit betroffen. Natürlich gab es immer Klima- und Temperaturschwankungen auf der Erde, doch ungefähr seit den 70ern sind die beschleunigten Temperaturanstiege durch die vom Menschen verstärkte Klimaerwärmung entstanden. Das Volumen der Aplengletscher hat sich  zum Beispiel zwischen 1901 und 2011 fast halbiert. Das muss man sich mal vorstellen. 100 Jahre sind im Vergleich zur gesamten Erdgeschichte nichtmal eine Hunderttausendstel-Millisekunde. Da kann niemand mehr leugnen, dass das keine natürlichen Vorgänge sind.

Angefangen hat es aber schon früher, ca. 1850. Während dieser Zeit hat das sogenannte „Albedo“, also das Rückstrahlvermögen, der Gletscher durch die während der Industrialisierung freigesetzten Rußpartikel stark abgenommen.

Somit wird die Hitze der Sonneneinstrahlung nicht mehr in den Weltraum zurückreflektiert, sondern vom Erdboden aufgenommen, was das Ganze dann noch schlimmer macht. Auch beim Schmelzen der Polarkappen gibt es solche Rückkopplungen, die die Erderwärmung immer mehr beschleunigen. Auch hier wird ein Grossteil der eingestrahlten Sonnenenergie reflektiert. Wenn grosse Teile der Eisdecke jedoch verschwinden und die dunklere Erdoberfläche darunter freilegen, wird diese Energie absorbiert, was wiederum zu einem Temperaturanstieg führt, der das Schmelzen weiter verstärkt und so weiter und so fort...von den freigesetzten Treibhausgasen mal ganz abgesehen.


Der Permafrostboden

Permafrostboden ist Boden, Sediment oder Gestein, das ununterbrochen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt vorweist. Permafrost kommt unter Anderem in polar- und hochalpinen Gebieten, sowie in verschiedenen Teilen des Meeresbodens vor. Bei einem allgemeinen Temperaturanstieg tauen diese Böden auf, was sie instabil macht und das Absacken oder Auseinanderbrechen des Grundes oder Gesteins zur Folge hat. Ausserdem werden während diesem Prozess des Auftauens Treibhausgase wie Kohlenstoff, Methan und Lachgas in die Atmospähre freigesetzt. Diese Stoffe sind in so grossen Mengen in Permafrostböden gespeichert, dass deren Freisetztung eine gewaltige Auswirkug auf die Klimaerwärmung haben wird. Wie schon bei den Gletschern werden hier die Folgen des Problems zu weiteren Ursachen desselben. In flachen Gebieten wie dem Norden Russlands verursacht der Temperaturanstieg ein plötzliches Absinken der Böden, was wiederum Überschwemmungen in küstennahen Gebieten mit sich bringt.

In Teilen Kanadas ist der Boden schon so stark aufgetaut, wie es bei einer globalen Erwärmung von 1,1 bis 2,6 Grad Celsius erst für das Jahr 2090 vorausgesagt war.

 

Das Ganze ist ziemlich gruselig, und je mehr man sich damit beschäftigt, desto schlimmer wird es. Deshalb dürft ihr euch für den Rest der Unterrichtsstunde an ein paar guten Nachrichten erfreuen.

 

Solarenergiebetriebene Skilifte 

Ja, sowas gibt es tatsächlich schon. Und zwar in Tenna, einem kleinen Dorf im Schweizer Kanton Graubünden mit ca. 110(!) Einwohnern und einem einzelnen 450 Meter langen Schlepplift, der seit 2018 mit Solarenergie betrieben wird.

 „Wie geil ist das denn?“ würdet ihr dazu in die Runde rufen.

Und es kommt noch besser, der Lift produziert ungefähr 13 Mal mehr Strom, als er verbraucht, da die Solarpanels beweglich sind und immer im perfekten Winkel zur Sonne stehen. Stellt euch mal vor, wie viel sauberen Strom wir mit dieser Technik in einem riesigen Skigebiet produzieren könnte. Denn besonders in gletschernahen und hochalpinen Gebieten ist es wichtig, die lokale Luftverschmutzung auf ein Minimum zu reduzieren, um das oben erwähne Schmelzen und Tauen so gut wie möglich zu verhindern.
 

Gebot Autofrei 

Eine weitere sehr effektive Massname zum Schutz der Natur ist die autofreie Zone. Vor allem in grossen Wintersportgbieten mit Unmengen an Touris, die denken, sie müssten jedes Wochenende mit ihren Suffs (SUV’s) angedüst kommen und die Skigebiete verdrecken. Ganz weit entfernt hört man sie noch leise vor sich hin fluchen, wie sie denn ohne Suff überhaupt von A nach B kommen sollten, wenn man in Zermatt oder Saas-Fee durch die Sträßchen schlendert, und nur ab und zu einem Elektrobüssli ausweichen muss. Leider ist die Liste an autofreien Zonen im deutschsprachigen Raum noch etwas dürftig. Deutschland und Österreich könnten sich hier an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Und irgendwann checkt auch der letzte Touri noch, dass es auch so etwas wie öffentliche Verkehrsmittel gibt.

So, die Stunde ist beendet. Falls ihr’s noch nicht gemacht habt, lest ihr als Hausaufgabe bitte die letzten vier Sustainability Spotlights durch und macht euch Gedanken dazu, was ihr so im Alltag alles beitragen könnt, um unserem Planeten ein bisschen unter die Arme zu greifen.

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