Sustainability Spotlight No.2

Erschienen in
Eileen Broadhead

Sustainability Spotlight No.2

Nachhaltigkeit ist wichtig, Punkt. Wer, wie, wo aber genau dafür verantwortlich ist, da gehen die Meinungen auseinader. Für viele ist das Thema eine totale Überforderung und vorwerfen kann man das niemandem. Fakt ist aber, jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Vor Allem jetzt, da der Beginn der nächsten Wintersaison schon gar nicht mehr so weit entfernt scheint und man von allen Seiten mit Werbung für die neusten Teile der Winterkollektionen beballert wird, ist es um so wichitger, sich beim Einkaufen ein wenig mehr Gedanken zu machen. Für diejenigen, die sich schon ausmalen, was für geile neue Gear für die nächste Saison besorgt wird, folgt hier ein kurzer Guide zum nachhaltigeren Konsumieren von Outdoor- und Snowboardbekleidung.

Der aufmerksame Konsument

Manchmal muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen. Und die erste Frage, die sich jeder Konsument bei allem immer stellen sollte ist: „Brauch ich das wirklich?“. Denn öfter, als man denkt, lautet die Antwort NEIN. Es gibt viele verschiedene Arten von Leuten, die aus vielen verschiedenen Gründen meinen, sie müssten es mit dem Konsum übertreiben. Brauchst du die neuen Bindungen, obwohl du deine erst letztes Jahr gekauft hast? Musst du dir unbedingt die neuen Goggles kaufen, weil der Rider XY die auf Instagram beworben hat? Brauchst du die Drei-Lagen-Membran Jacke mit Wassersäule 40‘000 für die paar Wochenenden im Jahr, die du auf dem Brett stehst?

Bevor man sich im bodenlosen schwarzen Loch von Informationen zu nachhaltigen Materialien, Herstellungsweisen, Fair- und Öko-Labeln verliert, und dann aus Frust gleich ganz das Öko-Handtuch wirft, kann man mit einfacheren Methoden anfangen. Qualität, Reparatur, Second-Hand und Rental sind da super Stichworte. Und wer davon nicht so ganz überzeugt ist, soll sich mal überlegen, wie viel Geld man damit spart, falls das mit der Umwelt noch nicht Argument genug ist.

 

Materialkunde 101

Natürlich hat man dann vielleicht doch mal einen guten Grund, etwas neu von der Stange zu kaufen. Und bevor man sich wegen des erwähnten schwarzen Lochs nicht einfach irgendwas greift, gibt es ein paar einfache Punkte, an denen man sich entlanghangeln kann, wenn es um Materialien und deren Nachhaltigkeit geht.
 

Naturfasern

Natürliche Fasern wie Baumwolle, Wolle oder Daunen sind grundsätzlich leichter zu entsorgen als synthetisch hergestellte oder chemisch behandelte Textilien. Ausserdem wird bei der Verarbeitung solcher Fasern weniger Chemieabfall produziert. Besonders bei der Unterwäsche im Outdoor- und Sportbereich ist zum Beispiel Merinowolle synthetischen Textilien etwa drei Nasenlängen voraus. Merino isoliert gegen Wärme und Kälte auch in nassem Zustand, lädt sich nicht elektrostatisch auf, ist biologisch abbaubar und stinkt nicht nach einem Powderrun schon zum Himmel. Was wichtig ist, denn viele Synthetikfasern müssen gegen Geruch chemisch behandelt werden, wobei oft Stoffe wie Nano-Silber, das als toxisch für Mensch und Umwelt gilt, verwendet werden. Bevor man sich aber zu früh freut, muss man immer noch bedenken, beim Kauf von Bekleidung aus Naturfasern auf ökologischen Anbau und artgerechte Tierhaltung zu achten.
 

Monomaterialien

Als Monomaterialien im textilen Bereich werden Stoffe bezeichnet, die aus nur einer Art von Faser bestehen. Monomaterialien sind grundsätzlich einfacher zu recyclen. Die meisten Mischfasern können noch nicht getrennt werden und taugen daher zum Recycling nicht, da bleibt nur Verbrennen. Beim Einkaufen kann man daher darauf achten, Teile aus reinem Polyester, Wolle etc. zu kaufen. Viele Outdoor-Brands, die sich was aus Nachhaltigkeit machen, arbeiten schon mit bis zu 100% recyceltem Polyester, teilweise aus PET-Flaschen, was bei der Herstellung weniger Energie verbraucht, weniger CO2 ausstößt und einfacher wiederzuverwenden ist.
 

Per- und Polyfluorierte Chemikalien (PFC) 

Keine Angst, wir werden hier nicht so tun, als hätten wir von Chemie besonders viel Ahnung. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Substanzen der Stoffgruppe PFC besonders schädlich für Mensch und Umwelt sind (sie landen im Blut und im Gehirn). PFC wird häufig als Imprägnierung für Outdoor-Textilien und -Schuhe verwendet, dank seiner schmutz-, fett- und wasserabweisenden Eigenschaften. Grundsätzlich sollte man davon aber die Finger lassen, denn diese Chemikalien gelangen meist schon während der Herstellung als Abfallprodukte in die Umwelt, wo sie sich weitläufig verbreiten und nicht biologisch abgebaut werden können. Viele Marken werben mit „PFC-frei“, was einem das Identifizieren leicht macht. Dein Einweg-Kaffeebecher ist übrigens meistens auch PFC beschichtet, weshalb du gut daran tust, deinen eigenen zum Coffee Shop zu tragen… Ausserdem ist PFC auch in vielen Ski- und Snowboardwachsprodukten enthalten, und landet dabei direkt auf dem Berg, was fast am schlimmsten ist. Bei solchen Produkten ist der PFC-Verzicht also wirklich zu empfehlen.
 

So, hiermit haben wir offiziell mal an der Oberfläche herumgekratzt, aber um der erwähnten Überforderung vorzubeugen, werden wir uns Woche für Woche langsam weiter vorantasten. Also, stay tuned für mehr Wissenswertes zum Thema Nachhaltigkeit hier auf pleasuremag.com.

 

Wenn wir euch angefixt haben, und ihr euch selbst noch ein wenig weiterbilden wollt, könnt ihr euch viele gute Info bei greenroomvoice.com abholen. Verschiedene Marken haben hier ein Profil über ihre Strategie zur Nachhaltigkeit angelegt, so dass man als Konsument genau bescheid weiss, wer was zu welchem Aspekt genau unternimmt. GreenroomVoice ist auf die Kommunikation­­­ von Nachhaltigkeitspraxis in der Outdoor Community spezialisiert. Die Sprache ist faktenbasiert und die Themenfelder klar zugeordnet, was jedem Interessierten einen Überblick verschafft.

 

Weitere Artikel zum Thema

Transitions – das sind die Übergänge zwischen Zuständen und Momenten, die sich aneinanderreihen zu Eindrücken und Ereignissen, die zu Erinnerungen werden und zu Erfahrungen kumulieren. Transitions – das sind die Wege, auf denen sich Veränderungen abspielen. Pleasure Ausgabe 132 widmet sich eben jenen Transitions. Viel Spaß damit.