Between the Lines: Sina Candrian

Erschienen in
Eileen Broadhead

Between the Lines: Sina Candrian

Sie ist seit 2004 an Contests mit dabei und startete auch dieses Jahr wieder an den Laax Open im Slopestyle. Zwei Olympiaden hat sie schon hinter sich und ans Aufhören denkt sie auch nicht. Auf dem Bänkli vor der atemberaubenden schweizer Alpenkulisse in Laax haben wir uns über Olympiaden, das Kuratieren von Kunstausstellungen und das Coachen des Nachwuchses unterhalten.  

Wie gefällt dir der Slopestyle Course hier an den Laax Open, verglichen mit letztem Jahr?

Gefallen tut es mir auf jeden Fall sehr. Ich bin hier zu Hause und das Schönste ist es ja immer, in der Heimat Snowboarden zu gehen. Man kennt die Leute und fühlt sich geborgen, das sind natürlich super Voraussetzungen für einen guten Contest. Außerdem sieht es so aus als hätten die Shaper dieses Jahr noch mal richtig eins draufgesetzt, der Course ist perfekt.


Du bist in Flims geboren und aufgewachsen. Hast du deiner Meinung nach einen Vorteil, wenn der Contest direkt in deiner Backyard stattfindet?

Ja, das könnte man schon meinen (lacht). Es ist sicher entspannter für mich, ich kann bei mir zu Hause schlafen und mich viel eher mal zurückziehen und ein bisschen entspannen. Andererseits spüre ich auch mehr Druck, wenn ich in der Heimat antrete, das macht es auf jeden Fall nicht einfacher. Es gibt also viele Positive und ein paar negative Seiten, aber grundsätzlich geniesse ich es sehr, hier in meiner Heimat zu starten. 

Laax

Du nimmst ja schon relativ lange an Contests teil. Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Ich denke die krasseste Veränderung ist, dass die Rider sich heutzutage meistens auf eine Disziplin beschränken, also nur Pipe oder nur Slopestyle fahren. Ich weiss noch, als ich angefangen habe, war es gar keine Frage, in welcher Disziplin man mitfährt. Da haben sowieso alle alles gemacht. Ich finde es echt schade, denn ich kenne so viele Slopestyle-Fahrer, die in der Pipe richtig stylisch sind und umgekehrt. Aber es ist wohl einfach viel professioneller geworden, man muss sich auf etwas konzentrieren, damit man überhaupt mithalten kann. Ausserdem ist mit dem FIS-Format der Contests heute beides gleichzeitig zu machen auch fast nicht mehr möglich. Mit Qualis, Semis und den Finals hättest du dann sechs Wettkämpfe in einer Woche...viel Spaß dabei (lacht).


Und wie sieht dein Plan aus, hast du vor an der Olympiade 2022 teilzunehmen?

In meinem zarten Alter ist es schwierig zu sagen, wie lange ich noch Contests fahren will. Das habe ich aber 2010 auch schon gesagt, als bekanntgegeben wurde, dass Slopestyle eine olympische Disziplin wird. Da dachte ich mir auch ‚keine Ahnung, ob ich in den drei Jahren überhaupt noch antrete’. Mittlerweile bin ich zwei Olympiaden mitgefahren und Snowboarden gefällt mir immer noch so gut, da sehe ich auch keinen Grund aufzuhören. Ich werde einfach so lange fahren, wie’s mir Spaß macht und lass’ es einfach auf mich zukommen, ob ich noch mal eine Olympiade mitmachen werde, oder nicht.

Stefan Götschl

Du sagst, du lässt es auf dich zukommen. Trotzdem will ich ganz allgemein fragen; hast du schon Pläne in welche Richtung du in Zukunft gehen willst und was nach den Contests kommt?

Ich habe eigentlich eine Ausbildung zur Primarlehrerin gemacht und habe auch gerade eine Ausstellung im Gelben Haus in Flims kuratiert und werde auch weiterhin dort arbeiten. Also könnte ich mir gut was in Richtung Kunstpädagogik vorstellen. Außerdem finde ich den Gedanken schön, nach meiner Snowboard Karriere mein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Ein Traum von mir ist es, eine Schule zu eröffnen, die den Kids mehr Möglichkeiten bietet, parallel zum Unterricht Snowboarden zu gehen. Bis auf eine Schule in Ilanz, fehlt mir das hier in der Region. Momentan sehe ich mehr Zürcher als Flimser Kids auf dem Berg. Ich hab’ natürlich nichts gegen Zürcher, aber das kann doch irgendwie nicht sein (lacht). 


Also so in Richtung Snowboard-Coach meets Lehrperson?

Ja genau. Ich denke da nicht unbedingt an ein Sportgymnasium, aber diese Coach-Lehrer Kombination fände ich schon spannend. Das Verständnis für einen Sport und die Erfahrungen, die man als Profisportler sammelt, kann man nicht einfach lernen, das muss man schon selbst miterlebt haben. So ein wenig an Erfahrungen weiterzugeben, wäre sicher toll. 

Von dir gibt es einen richtig geilen Shot, der an den Audi Nines entstanden ist, wie war es so, das Set-Up dort zu fahren?

Die Nines sind sicher ein sehr spezieller Anlass, weil das Set-Up schon so gebaut wird, dass man crazy Tricks drauf ausprobieren kann. Trotzdem ist es auch ein Format, das nicht nur technische Tricks pusht. Es geht auch hauptsächlich um’s Filmen, um schöne Aufnahmen und darum, die Ästhetik des Snowboardens zu zeigen. Da sind dann Drohnenfilmer dabei, die so abartig crazy fliegen, dass sieht man sonst fast nirgends. Außerdem wird der Event von den Ridern eifach mega geschätzt, das spührt man auch. Der Zeitpunkt ist perfekt, die Wettkampfsaison ist vorbei, niemand hat Powder-Stress und alle sind super gut eingefahren. 

Danach warst du in Zermatt mit jungen Kids shredden?

Genau, das ist ein Girlscamp, das ich organisiere. Dieses Jahr hatten wir 32 Kids und sind sogar international geworden, da bin ich sehr stolz drauf (lacht). Es macht so Spaß, die ganzen Kids Fahren zu sehen. Bevor sie überhaupt ihre Tricks gelandet sind, haben sie schon einen riesen Smile im Gesicht. 
 

Ist dir das ein Anliegen, vor allem junge Mädchen zu pushen?

Ich persönlich war immer gern mit Jungs unterwegs und lasse mich auch jetzt eher von Jungs pushen, dass hat sich irgendwie so ergeben. Ich denke nicht, dass man das Ganze grundsätzlich so getrennt sehen soll. Aber es ist sicher wichtig, dass es ein Gefäß für Mädchen gibt. Dass ein Mädchen sich von selbst an einem Wettkampf anmeldet, braucht glaube ich noch etwas mehr Überzeugungskraft von den Eltern oder vom Coach. Dann ist es cool zu sehen, wenn sie sich untereinander anfreunden und zusammen zu Contests fahren. Außerdem müssen wir ja unsere Nachfolge sichern (lacht). In letzter Zeit sieht man extrem wenig neue Girls an Contests teilnehmen, da muss sich schon was ändern.

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Mehr "Between the Lines" gibts jede Woche hier auf pleasuremag.com. Mehr von Sina findet ihr hier. Und falls ihr die Resultate der Laax Open verpasst habt, könnt ihr die hier in unseren Recap-Artikel nachlesen.

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Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.