Interview: Max Zebe & Maxi Preissinger

Erschienen in
Stefan Götschl

Interview: Max Zebe & Maxi Preissinger

Max Zebe, 19 Jahre alt, steuert mit jeder Menge Style einer erfolgreichen Filmkarriere entgegen. Maxi Preissinger, 17 Jahre alt, ist Teil der Air + Style-Tour und konnte vor wenigen Tagen den ersten deutschen Triple landen. Sie beide gehören zu einer neuen Snowboard-Generation. Einer Generation, die – aller Befürchtungen zum Trotz – immer noch Bier trinkt, feiert und am liebsten mit den Kumpels einfach shredden geht. Den perfekten Ort dazu gab's während der letzten Woche beim Absolut Park Spring Battle, wo uns die beiden Freunde zwischen jeder Menge Park-Laps auch die ein oder andere Frage beantworteten.

Hey Max!

Max Zebe: Hey Max!
Maxi Preissinger: Servus!

Wir sitzen gerade im Chill House des Absolut Parks. Draußen scheint die Sonne und ein Rudel Snowboarder zerlegt im Minutentakt den Park. Läuft soweit beim Spring Battle, oder?

Max Zebe: Ist schon ganz okay, ja (lacht).
Maxi Preissinger: Ich kann mich nicht beschweren.

Seit Jahren seid ihre beide Stammgast bei diesem Event. Was ist das besondere am Spring Battle?

Max Zebe: Maxi, du fängst an!
Maxi Preissinger: War klar. Grundsätzlich kann man das relativ leicht beschreiben: Das Format des „Contests“ ist einfach mega locker. Im normalen Slopestyle-Contest hast du meist ein paar Trainings-Laps und dann zwei Runs, von denen der beste zählt. Das ist in der Regel nicht allzu entspannt. Hier hast du stattdessen eine Woche lang Zeit und kannst jeden Tag versuchen, die beste Line zu filmen, die du auf Lager hast.

Eine Mischung aus Film- und Contest-Session.

Max Zebe: Richtig. Deshalb ist es auch perfekt für Fahrer wie mich, die sonst eigentlich nicht oft bei Contests am Start sind. Ich verbringe einen Großteil des Winters damit, für Filmprojekte zu shooten. Da ist das Spring Battle natürlich optimal. Du kommst hier her, hast einen perfekten Park, triffst bekannte und neue Gesichter, gehst zusammen Shredden und hast am Ende des Tages auch immer Footage. Hinzu kommt, dass das Level hier während der Woche auch immer krass ist. Trotzdem fühle ich mich als jemand, der eigentlich eher Jibber ist, nie wirklich unwohl oder eingeschüchtert. Ich denk mir dann immer: „Ja, cool, ich mach halt dann einfach ein paar 10er“ …
Maxi Preissinger: Ein paar 10er … easy (lacht)!
Max Zebe: Du weißt, was ich meine (lacht)! Wenn du hier gewinnen willst, musst du sowieso 12er oder 14er auspacken. Wenn du es aber schaffst, zum Beispiel Back-to-Back 1080s in deiner Line zu sticken, schaffst du es vielleicht auch schon auf die vorderen Plätze. Zudem kommt eben die entspannte Atmosphäre, die vielen Fahrern schon im vornherein den Druck nimmt, der sie sonst von Contests fernhält.

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In diesem Jahr ist auch der Kurs noch kreativer geworden. Rails, Transitions, Kicker. All das macht das Ganze auch noch mal interessanter, oder?

Maxi Preissinger: Absolut. Ich finde die kreative Entwicklung von Slopestyle-Contests in den letzten Jahren sowieso super. Was Transitions angeht, sollte es aber für jeden Fahrer gleich schwierig sein. Falls die Wall zum Abspringen beispielsweise immer nur auf einer Seite wäre, ist es für manche Snowboarder schwieriger als für andere. Wenn du aber wie hier zwei Absprünge – Frontside und Backside – dabei hast, ist es optimal. Zum Glück ist das mittlerweile bei den meisten Contests auch der Fall. Abgesehen davon sind kreative Set-Ups natürlich immer gut. Für Fahrer und Zuschauer ist es abwechslungsreicher und nicht immer der gleiche Standard.

Head-Judge Andy Lehmann sagt das Gleiche: Wenn du von der Norm abweichen willst und etwas anderes, geiles ausprobieren willst, nur zu. Kreativität soll und muss auch belohnt werden.

Max Preissinger: Richtig! Das ist auch extrem wichtig.
Max Zebe: Immerhin gibt es auch viele Snowboarder, die ausschließlich ihre Triples können. Damit kommst du hier nicht weit. Du musst dich an die verschiedenen Obstacles anpassen …

Ihr hattet beide einen ziemlich erfolgreichen Winter. Wie waren eure Erwartungen vor der Saison?

Max Zebe: Vor dem Winter hatte ich eigentlich sehr geringe Erwartungen. Zwar haben mich einige Produktionen angesprochen, aber da ich in meinem letzten Schuljahr bin und auch ein gutes Abitur machen möchte, war ich mir nicht sicher, das alles unter einen Hut zu bekommen. Hinzu kamen natürlich die schwierigen Schneebedingungen. Vor Dezember hatte ich gerade mal zwei Street-Shots … also wesentlich weniger, als in den letzten Jahren.

Und dann kam Japan …

Max Zebe: Ganz genau. An vielen Street-Spots hatten wir in Japan zwar große Probleme mit der Polizei, aber die Shots, die wir in den Kasten brachten, waren alle der Hammer. Außerdem waren wir auch Powdern, was in Japan natürlich immer der Wahnsinn ist. Kurz nach Japan ging es weiter nach Schweden – das komplette Gegenteil zu Japan. Egal ob Nachts oder Tags, überall halfen uns die Leute. Teilweise sogar mit Bagger. Nach insgesamt neun Shooting-Tagen bin ich mit einigen A-Shots nach Hause gekommen, worüber ich natürlich mega stoked war. Ich kann mich also definitiv nicht beschweren!

Maxi, beschweren kannst du dich auch nicht, oder?

Maxi Preissinger: Nicht wirklich! Bei mir lief die Saison auch ziemlich überraschend. Auch ich schreibe in diesem Jahr mein Abitur und hatte vor der Saison deshalb keine allzu großen Erwartungen. Große Events wie das Spring Battle oder die Laax Open standen zwar auf meiner Liste, aber viel mehr war nicht geplant. Plötzlich hielt ich dann eine Backup-Einladung für den Air + Style in Peking in der Hand und durfte den Contest letztendlich sogar mitfahren. Mein erster Big-Air-Contest überhaupt … und dann auch noch beim Air + Style und in so einem massiven Stadion. Eine super Erfahrung, auch wenn ich am Drop-In echt nervös war (lacht). Bei den Laax Open lief es anschließend auch echt gut. Dort konnte ich meinen Run clean landen und kam bis ins Semifinale. Dort war ich dann mit Mark McMorris, Ståle Sandbech, Alek Oestreng und Yuki Kadono in einem Heat. Als ich vor dem Semifinale also einen Blick auf die Liste warf, musste ich erst einmal kurz lachen. Aber was soll's: Für mich war es eine super Platzierung bei einem der größten Events überhaupt. Zudem war ich erstmals in einem Livestream zu sehen … was auch ganz gut in der Schule angekommen ist (lacht).
Max Zebe: Und dann noch kurz nach Los Angeles cruisen …
Maxi Preissinger: Naja. In den darauffolgenden Ferien habe ich mir in Mayrhofen erst mal eine anständige Gehirnerschütterung abgeholt. Wenige Tage darauf kam dann die Einladung für den Air + Style Los Angeles. Ich habe also alles schnell mit dem Arzt und der Schule abgecheckt und kurze Zeit später stand ich in L.A.

Für euch beide ist es in diesem Jahr das letzte Schuljahr. Die Schulsysteme, für die ihr euch entschieden habt, sind jedoch ziemlich unterschiedlich. Max, was sind die Vorteile eines Snowboard- bzw. Skigymnasiums?

Max Zebe: Im Vergleich zu einer normalen Schule ist der größte Vorteil wahrscheinlich, dass du im Winter sehr oft auf dem Snowboard stehst. In Stams haben wir im Winter am Vormittag Dienstags, Mittwochs und Donnerstags Training. Das heißt wir gehen zusammen meist in Kühtai oder Ehrwald snowboarden. Auch das Programm im Herbst ist ziemlich cool. Dann hast du eine Woche Schule und in der Woche darauf geht es vier Tage auf den Gletscher. Das wiederholt sich dann bis zum Winter. Dafür sind natürlich der Frühling und Sommer stressiger. In dieser Zeit hast du wesentlich länger Schule – teilweise bis 22:00 Uhr – und musst auch am Samstag in die Schule. Allerdings gibt in dieser Zeit auch das Trockentraining. Wir gehen zwei mal die Woche pumpen und zwei mal trainieren wir freestyle-spezifisch: Skaten, Trampolin springen oder teilweise sogar Surfen. Für junge Leute ist es daher definitiv cool. Allerdings nur, wenn du genügend Disziplin hast und weißt, was du willst. Geschenkt bekommst du nichts.

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Versteht die Schule es, wenn du zum Beispiel eine Befreiung für einen Film-Trip brauchst?

Max Zebe: Das ist nicht immer ganz leicht. Im Skifahren ist es so, dass du eine bestimmte Anzahl an Rennen hast. Wenn diese nicht laufen, bist du weg. In dieser Hinsicht kann man der Schule auch keinen Vorwurf machen, das ist eben einfach so. Der Weg, den ich gehe, ist aber etwas anders. Ich habe also vor allem am Anfang der Saison versucht, möglichst viele Railjams mitzufahren und dort auch gute Ergebnisse erzielt. Ich glaube, dass ich auch dadurch mittlerweile mehr Freiheiten habe. Wenn du etwas vorweisen kannst, egal ob Videopart oder Contest-Ergebnis, hat die Schule schon ein gewisses Verständnis dafür, dass auch der Weg, den ich gehe, ein erfolgreicher sein kann.

Maxi, bei dir sieht das Ganze wiederum anders aus. Du gehst auf eine normale Schule und ziehst dein eigenes Ding durch.

Maxi Preissinger: Das mit der normalen Schule stimmt. Das mit dem „eigenen Ding“ nur noch so halb. Mittlerweile bin ich wieder Teil des Weltcup-Teams von Snowboard Germany. Die Jungs helfen mir in vielen Bereichen und ich werde auch im nächsten Jahr die Olympia-Quali zusammen mit dem Team von Snowboard Germany absolvieren.

Geschenkt wird aber auch dir vermutlich nichts.

Maxi Preissinger: Die nötige Portion Ehrgeiz gehört einfach dazu. Vor allem, wenn du neben dem Snowboarden noch in eine normale Schule gehst. Die Befreiungen musst du dir da oft erkämpfen. Wenn ich Abfahrtsskiläufer wäre, würde das jeder sofort verstehen. Wenn ich aber zu den Lehrern gehe und sage, dass ich nach Los Angeles zum Air + Style fliegen will, fragt jeder erst einmal, von was ich gerade rede. Wenn dann meine Antwort ist, dass ich über ein paar Schanzen springe und zudem noch ein, zwei Geländer rutsche, hilft das meistens wenig. Das darf man aber auch keinem Übel nehmen, denn das kann sich der „normale“ Mensch oft nicht bildlich vorstellen. Hier hilft dann zum Beispiel der Livestream aus Laax und die Mitgliedschaft im Weltcup-Team von Snowboard Germany. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass meine Schulleitung in vielen Fällen oft sehr nett und kulant reagiert.

Wie steht ihr zum Thema Snowboard-Trainer?

Max Zebe: Schwieriges Thema. Erst einmal ist es nicht leicht, den richtigen Trainer für dich zu finden. In Stams hatten wir zum Beispiel in den letzten Jahren einige Trainerwechsel. Einer von ihnen war auch Steve Grumser, eine Innsbrucker Szenegröße und ein absoluter Core-Snowboarder. Für mich persönlich war Steve super. Ich mochte ihn sehr gern und er verstand immer genau, was ich kann und was ich will. Trotzdem wollte er aber auch selbst Snowboarden gehen. Daher ist es immer schwer, einen Trainer zu finden, der A) gut als Trainer ist, B) ein sehr guter Snowboarder ist und C) auch wirklich ein Trainer sein will. Denn wenn du einen Trainer hast, der auch wirklich Trainer sein will, aber kein guter Snowboarder ist, wird es auch schwierig.
Maxi Preissinger: Richtig. Wenn du zum Beispiel bei einem Trick nicht weiterkommst und nicht weißt, woran es liegt. In dieser Situation Tipps von jemanden zu bekommen, der selbst nie wirklich Tricks auf einem Snowboard gemacht hat, ist für mich schwierig. Wesentlich leichter ist es, wenn die Tipps von Buddies wie Max, Clemens Millauer oder Seppl Ramsbacher kommen. Oder auch von Andy Lehmann. Er war selbst Pro und hat selbst viele Tricks gemacht. Wenn ich von ihm Tipps bekomme, ist das einfach authentischer.
Max Zebe: In den letzten Jahren ist es auch so eine Art „Mode“ geworden. Wer ist der beste Coach, was ist das beste Team, welches Team hat den besten Coach …
Maxi Preissinger: Total. Und dann gibt es Events, da hängen alle Teams nur noch untereinander ab. Vielleicht wird noch auf der Party zusammen gefeiert, aber sonst gibt es nur noch einzelne Grüppchen. Das Zusammensein geht dadurch fast komplett verloren.
Max Zebe: Dabei machen es doch auch die gemeinsamen Sessions wie hier beim Spring Battle aus. Verschiedene Menschen kommen zusammen, finden eine Sache geil und verstehen sich dadurch automatisch. Man pusht sich gegenseitig und hat eine super Zeit. Wenn es nur noch nach Teams geht, sind auch oft auch alle einfach nur gleich.

Der Unterschied zwischen alpinem Abfahrtslauf und Snowboard-Contest.

Maxi Preissinger: Außerdem geht sonst auch irgendwie das Individuelle verloren. Mir ist es eben auch wichtig, dass mich die Leute nicht nur als Bestandteil eines bestimmten Teams kennen. Ich will, dass man mich als Maxi Preissinger kennt. Als Typen, der verdammt gerne Snowboard fährt. Wegen meinem persönlichen Stil. In welchem Team ich dann bin, ist prinzipiell erst einmal zweitrangig.

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