Between the Lines: Moritz Thönen

Erschienen in
Eileen Broadhead

Between the Lines: Moritz Thönen

Moritz Thönen ist einer dieser zurückhaltenden jungen Schweizer, die kein großes Getöse darum machen, wie gut sie auf dem Snowboard unterwegs sind und sieht man sie dann fahren, fallen die Kinnladen.
Wir haben uns mit dem jungen Mann während der Laax Open getroffen und mit ihm über Contests, Heimat und entspannte Sponsoren gesprochen.

Letztes Jahr an den Laax Open hast du den dritten Platz belegt, wie hat sich das so angefühlt?

Letztes Jahr war echt sick! Ich hatte überhaupt nicht erwartet, es auf’s Podest zu schaffen. Das war nice, vor allem hier in Laax, wo ich ein paar Leute kenne. Meine Eltern waren auch da und haben zugeschaut. Ich sag ihnen immer sie dürfen die Qualis nicht schauen kommen. Wenn ich die nicht schaffe, dann gibt es nichts zu sehen. Sie dürfen also immer erst ab dem Halbfinale kommen und zuschauen (lacht).
 

Und jetzt, wie fühlt es sich an wieder da zu sein? Spürst du mehr Druck, es wieder auf’s Podest zu schaffen?

Ja, das mit dem Podest höre ich schon öfter. Aber selbst habe ich keine Erwartungen. Ich versuch’ einfach in den Semis easy zu fahren und ein paar Tricks zu stehen (lacht). Es ist einfach allgemein nice, hier zu sein und den Anderen zuzuschauen. Alle gehen voll ab und das Level ist echt crazy!

Laax

Sind Contests allgemein ein großer Stressfaktor für dich? Ist es anstrengend, an einen neuen Ort zu kommen und innerhalb kürzester Zeit auf einem neuen Kurs zu performen?

Es kommt ein bisschen drauf an, ob ich gerade einen guten Lauf habe, oder nicht. Wenn es im Training nicht so gut läuft, ist man natürlich für den Rest des Contests nervöser. Aber ich denke, ich kann mich ganz gut und schnell an eine neue Umgebung anpassen. Während den Qualis ist es für mich auf jeden Fall am schlimmsten, da will ich einfach unbedingt durchkommen.
 

Also bist du am Abend vor ’nem Contest mehr so der ‚noch n’ Bier bitte’ oder der ‚muss noch stretchen gehen’ Typ?

Hm, ich bin mehr der ‚ich will jetzt allein chillen’ Typ (lacht). 

Beschreib mal den ersten Moment auf dem Snowboard, als du wusstest "das ist der Shit"!

Ich habe vergleichsweise spät angefangen, da war ich dreizehn. Schon am ersten Tag war ich mega stoked. Vorher hatte ich eigentlich gar keine Lust mehr ständig in die Berge zu fahren. Aber als ich dann mit dem Snowboarden angefangen habe, bin ich jedes Wochenende mit meinen Freunden zum Shredden in die Berge gefahren. 
 

Warst du vorher, typisch schweizerisch, mit der Family oft in den Bergen?

Ja, meine Eltern haben schon lange eine Ferienwohnung in Grindelwald, das ist auch sozusagen mein Homeresort. Sie haben mich auch schon früh auf die Ski gestellt, aber das ist mir irgendwann zu langweilig geworden. Dann ging das mit dem Snowboarden los. Ich hatte auch nie vor, das professionell zu machen oder so. Das kam alles einfach mit dem Flow. 

Gab es auch einen Moment, in dem du realisiert hast, dass man aus dem Snowboarden eine Karriere machen kann?

Eigentlich nicht. Als ich fünfzehn war fragte mich mein Vater, ob ich nicht auf eine Sportschule wollte. Da war ich erst nicht sicher, ob ich gut genug bin, aber schlussendlich bin ich hin und es war sick! Danach hat sich dann alles so langsam entwickelt. 
 

Ist es dir lieber, zu einem Contest zu fahren oder sonst irgendwo hin zu reisen, oder danach wieder zu Hause shredden zu gehen?

Naja, ist beides geil (lacht). Aber zu Hause ist es doch immer am schönsten. Dort sind meine Freunde und der ganze Vibe ist mega gemütlich. Da kann man dann einfach machen, was man will.

Du fährst für die norwegische Brand Vimana, wie kam es dazu?

Mein früherer Klamotten-Sponsort hat auch Vimana in der Schweiz vertrieben. Weil ich mit den Boards, die ich damals gefahren bin, nicht so zufrieden war, hat er mir eins von Vimana zum Testen gegeben. Ich fand es von Anfang an super und fahre seit dem Vimana. Den Sommer darauf haben sie mich dann zur Team-Week nach Norwegen mitgenommen, das war mega nice! Die Typen sind total gechillt und da die Brand eher klein ist, herrscht auch voll die familiäre Stimmung.

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Und zu guter letzt, wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich würde echt gern mal richtig Powder filmen. Momentan habe ich ein bisschen das Verlangen, aus dem Park rauszukommen und mal was anderes zu machen. Die Welt ist schliesslich so viel grösser, als ein Slopestyle-Course (lacht).

Mehr "Between the Lines" gibts jede Woche hier auf pleasuremag.com. Mehr von Moritz findet ihr hier. Und falls ihr die Resultate der Laax Open verpasst habt, könnt ihr die hier in unseren Recap-Artikel nachlesen.

Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.