Between the Lines: Leon Gütl

Erschienen in
Eileen Broadhead

Between the Lines: Leon Gütl

Leon Gütl, der Österreicher, der für's Deutsche Nationalteam fährt, hat sich als Kind zwischen Rennskifahren und Snowboarden zum Glück für die richtige Seite entschieden. Auch er war an den Laax Open letzten Januar dabei und hat, between Qualis und P60-Runs, mit uns über dies und das geplaudert.

So Leon, erzähl mal ganz von Anfang an. Gab es einen spezifischen Moment beim Snowboarden, in dem du wusstest ‚das ist der Shit’?

Ja, eigentlich seit den ersten paar Tagen, an denen ich mit einem ausgeliehenen Snowboard unterwegs war. Da dachte ich mir schon, dass ich das für immer machen will. Ich war sofort verliebt (lacht).
 

Und davor bist du Ski gefahren?

Mit zwei Jahren hab ich Skifahren angefangen bin dann später auch ein paar kleine Rennen gefahren. Aber ich dachte mir immer, das Snowboarden cooler aussieht (lacht). Mit acht bin ich dann also umgestiegen. 

Johannes Jank

Mittlerweile bist du im deutschen Nationalteam. Wie muss man sich dein Training für die Contest-Season vorstellen?

Das beste Training ist definitiv sau viel Spaß dran zu haben und die Liebe für’s Snowboarden zu haben und auszuleben. So, dass man jeden Tag den ganzen Tag auf dem Berg ist, zusammen mit Leuten, die genauso motiviert sind. Meiner Meinung nach kommt dann die Progression von alleine. Natürlich ist das mit im Nationalteam etwas anders. Da gibt’s dann im Sommer schon auch Trampolin-Sessions und Krafttraining...


Wirst du grundsätzlich nervös vor großen Contests? 

Minimal bin ich schon nervös, muss man auch sein, damit man sich auch zammreißt. Aber ich tue mich da sicher leichter als viele Andere. 


Also bist du am Abend vor ’nem Contest mehr so der ‚noch n’ Bier bitte’ oder der ‚muss noch Strechen gehen’ Typ?

Naja, meistens bin ich gleich drauf wie an jedem andren Tag auch (lacht). Wenn ich vorher drei Wochen durchgefahren bin, dann gibt es schon noch ‚ne Strecing-Session, aber sonst wird gechillt wie immer. Außer bei gemütlicheren Events wie ‚nem Rail-Jam, da geht’s dann ganz anders zu (lacht).

Zum Klassiker: Filmen vs. Contests. Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied zwischen den beiden? Hast du Präferenzen?

Der größte Unterschied für mich ist sicher, dass man beim Filmen viel mehr Zeit hat und mit einer Crew unterwegs ist, die man kennt und mit der man sich wohlfühlt. Das ist also meistens eher entspannt. Beim Contest zielst du natürlich drauf, alles beim ersten Versuch zu landen, was mehr Stress bedeutet. Heutzutage sind das leider zwei komplett verschiedene Disziplinen. Früher ist ja jeder Contest-Fahrer auch Filmen gegangen, aber mittlerweile hat sich das in zwei verschiedene Richtungen entwickelt. Ich find’s aber immer noch am geilsten, wenn man beides macht. 
 

Du filmst und schneidest auch selbst eigene Edits, die noch den geilen Selfmade-Look haben. Ist dir das wichtig, selbst soche kleinen Projekte am Laufen zu haben?

Ja genau, das ist halt ein cooler Prozess. Du filmst eine Weile, mit Leuten, die du dir selbst aussuchst und danach hast du auch beim Schneiden noch mal total die kreative Freiheit. Entspannte Selbstverwirklichung sozusagen (lacht).

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Stell dir mal vor, Snowaboarden wäre nie ein Thema in deinem Leben gewesen. Was denkst du, würdest du jetzt machen?

Ich hab ehrlich gesagt gar keine Ahnung. Snowboarden ist so früh in mein Leben gekommen, da hab ich noch über gar nichts wirklich nachgedacht. 
 

Also kein Bedürfnis zu Studieren, oder irgend etwas Anderes zu machen?

Naja, irgendwann wird bestimmt der Punkt kommen, an dem man vom Snowboarden nicht mehr leben kann. Aber da will ich mir jetzt noch keine Gedanken drum machen. Ich bin echt glücklich damit, wie es gerade läuft und möchte das voll und ganz geniessen.

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Mehr "Between the Lines" gibts jede Woche hier auf pleasuremag.com. Mehr von Leon findet ihr hier, oder ihr schaut euch gleich noch den obigen "Sunday in the Park" Edit an. Und falls ihr die Resultate der Laax Open verpasst habt, könnt ihr die hier in unseren Recap-Artikel nachlesen.

Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.