Between the Lines: Jan Scherrer

Erschienen in
Eileen Broadhead

Between the Lines: Jan Scherrer

Für unsere zweite Edition an "Between (the) Lines"-Interviews waren wir an den Laax Open 2020 vor Ort. Dort haben wir unseren Blick in Richtung Snowboarden aus Deutschland und der Schweiz gerichtet. 

Der 25 jährige Jan Scherrer ist schon seit 2005 an Contests mit dabei und denkt auch nicht an's Aufhören. Wir haben uns nach den Halfpipe-Semis an den Laax Open mit ihm über steile Pipes, das Toggenburg und seine Zukunftspläne unterhalten.

Laax

Hi Jan, wie geht’s dir? Bist du ready für die Laax-Open?

Ja ich bin ready. Wir trainieren jetzt schon seit etwa drei Wochen hier, also kann es echt mal los gehen (lacht).


Unterscheidet sich dein Riding in der Pipe in Laax, verglichen mit anderen Halfpipes auf der Welt?

Wenn man von Contests spricht, ist die Pipe in Laax sicher eine der steilsten, die es gibt. Dadurch hat man auch extrem viel Speed, was das Ganze schon ein bisschen anspruchsvoller macht. Allerdings ist sie auch immer so zur totalen Perfektion geshaped, dass sich das mit der Grösse und Neigung wieder aufhebt. Grundsätzlich denke ich schon, dass das Niveau der Rider hier an den Laax-Open einen Höhepunkt erreicht.

Laax

Vor den Laax Open warst du in Colorado am ersten Weltcup-Contest der Saison. Kannst du zwischen europäischen und amerikanischen Contests einen Unterschied erkennen?

Natürlich ist es überall anders. An dem Contest, den du angesprochen hast, war beispielsweise überhaupt kein geiler Vibe. Man merkt doch schnell, wenn ein Event nicht von Snowboardern organisiert, oder nur für die TV-Übertragung designt wurde. Andere Contests, wie das US Open, sind wiederum richtig nice und von der Stimmung her ähnlich wie die Laax Open. Diese zwei sind auch definitiv meine Favoriten.
 

Und allgemein wie war der Vibe so beim Shredden in den USA?

Zu aller erst war es natürlich nice, dass die Pipe dort schon im Dezember ready ist. Für mich war der letzte Trip allgemein speziell, weil es der erste der Saison war. Da muss man sich erst mal wider ein bisschen einfahren und weiss erst mal nicht so richtig, wo man steht. Aber es ist sicher immer eine gute Vorbereitung für die kommende Saison und die grossen Contests, die noch anstehen.

Du kommst ursprünglich aus dem Toggeburg in der Schweiz und bist immer noch regelmässig dort unterwegs. Was zieht dich immer wieder an deinen Heimatort zurück?

Vor allem Familie und Freunde, die ich dort habe. Shredden gehen, kann ich dort während der Saison nicht oft. Dann finde ich es um so gemütlicher, im Frühling mehr Zeit dort zu verbringen. Ausserdem laufen echt viele geile Events dort, die meiner Meinung nach etwas unterschätzt werden. Es gibt viele Leute, die dort arbeiten und zum Beispiel kleine Parks zur Spring Session bauen, ohne grosse finanzielle Mittel oder Unterstützung, dafür aber mit um so viel mehr Leidenschaft. Dort checkt man dann immer wieder, das es auf dieser Welt halt nicht nur das perfekt geshapte Laax gibt (lacht). 
 

Kannst du mir eine wilde Stroy von der Nitro Team-Week in Laax erzählen, die im  „Offline“ Movie zu sehen ist?

Also da gab es ja verschiedene Challenges, die wir alle machen mussten. Eine davon ist nicht im Film zu sehen. Da ging es darum, am Ende des Tages vom Ende der P60 bis runter zur Talstation zu racen. Du kannst dir ja vorstellen, wie das war, zu zwanzigst im Frühling diese total verfahrene Piste runter zu jagen. Ich bin mir nicht sicher, wieso sie den Teil aus dem Film geschnitten haben. Entweder wraen die Bails zu heftig, ein paar Jungs hat es echt übel verschnätzlet, oder es war ihnen zu heikel zu zeigen, wie wir durch die ganzen Touris gebrettert  sind. Besonders safe war das auf jeden Fall nicht, aber zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert (lacht).

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Du bist ja viel in Laax und auch sonst in der Schweiz unterwegs. Gibt es eine Traumdestination auf der Welt, wo du unbedingt mal hin willst?

Ich würde echt gern mal nach Südamerika. Am liebsten Heli-Boarden, das hab ich noch nie gemacht. Ich mag es allgemein, Orte zu besuchen, an denen ich vorher noch nie war. Und ich würde es sicher begrüssen, mal wohin zu kommen, wo zum Beispiel Spanisch geredet wird und nicht immer nur Englisch.
 

Ganz allgemein, wie sehen deine Zukunftspläne aus? Bleibst du bei den Contests, oder hast du auch Lust, mal was anderes zu machen?

Ich möchte gerne mal was Neues ausprobieren, aber weiss noch nicht genau, wann das passieren wird. Momentan läuft es bei den Contests relativ gut und ich habe immer noch viel Spass dabei. So lang das so bleibt, sehe ich keinen Grund dazu, aufzuhören. Ich finde es nur schade, dass man als Contest-Fahrer wenig Platz für Spontanität im Leben hat. Man weiss anfangs Jahr schon ziemlich genau, wann man wo sein wird. Leute, die keine Contests fahren, haben die Freiheit, dem Schnee nach zu rennen. Da entstehen dann viel spontane und zum Teil weirde Trips. Auf so was hätte ich schon auch mal Bock.

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Mehr "Between (the) Lines" gibts jede Woche hier auf pleasuremag.com. Mehr von Jan findet ihr hier, oder ihr schaut euch gleich noch das "Tweakers" Video an. Und falls ihr die Resultate der Laax Open verpasst habt, könnt ihr die hier in unseren Recap-Artikel nachlesen.

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Eigentlich müsste dieses Pleasure Powder Special reißenden Absatz finden. Sofern es als Powder Special erkannt wird. Aufgrund amerikanischer Anwaltskanzleien mit erschreckendem Halbwissen, aber enormen Wadlbeißer-Qualitäten, ziert nämlich im Gegensatz zu den vergangenen Jahren der beliebte „Pleasure“-Schriftzug wieder das Cover, um jegliche mit haarsträubenden Argumenten heraufbeschworene Verwechslungsgefahr mit einem nordamerikanischen Ski-Magazin zu vermeiden. Halleluja, soweit kommt’s noch.