Basti Rittig: Weltrekord!

Erschienen in
Christian Öfner

Basti Rittig: Weltrekord!

Wer hätte es gedacht. Aber Basti Rittig hat am 10. Juni 2015 Geschichte geschrieben. Vielleicht auch nur ein Geschichtchen. Aber immerhin. Auf jeden Fall darf der Nitro-Teamfahrer ab sofort behaupten, auf dem Dachstein den längsten jemals dokumentierten Railslide getätigt zu haben. 84 Meter. Und nachdem der Videobeweis noch fehlt, hier ein Vergleich: der geübte Snowboarder würde ab einer Länge von knapp acht Metern von "lang" sprechen. Wem das zu sexuell ist: geht Dolce-Vita-Basti-Bavarese die Strecke zu Fuß ab, braucht er dafür in etwa 99 Sekunden. Und das auch nur, wenn er weder Handy noch Boots am Ausgangpunkt vergessen hat. Das ist aber eine andere Geschichte.

Snowboarden braucht keine Weltrekorde ...
... aber Typen wie Basti Rittig

Zurück zur eigentlichen Geschichte: der Weltrekord. Ob der Snowboarden in Zukunft maßgeblich verändern wird? Sehr wahrscheinlich nicht. Letztendlich darf die Aktion als gelungener Marketing-Gag von Nitro Snowboards verstanden werden. Nitro freut sich, weil die Marke dank des Teamfahrers in aller Munde ist. Und Basti freut sich über Freibier. Und über Likes auf Facebook.

Und Pleasure berichtet trotz der fehlenden Tragweite ausführlich darüber? Klingt nach Sommerloch. Von wegen. Auch wenn es bereits Juni ist. Pleasure erfreut sich vor allem an jeder Gelegenheit, über Basti Rittig zu philosophieren. Dass wir einen erfolgreichen Weltrekord-Versuch zum Anlass nehmen werden, hätten wir selbst nicht erwartet. Nicht, dass wir Basti Rittig keine Weltrekord zugetraut hätten. Aber irgendwie hätten wir ihn an andere Stelle erwartet. Zum Beispiel an der Bar. Oder noch eher beim Um-die-Wette-blöd-daherreden. Wäre die Disziplin olympisch, Basti wäre seit Jahren unantastbar.

Aber viel wichtiger: So wenig ein Weltrekordversuch den Grundwerten der Snowboardwelt gerecht wird (was auch immer man darunter verstehen will), so sehr werden diese von Basti verkörpert. Jemand, der Snowboarden liebt und lebt. Und dafür auch mal hart arbeiten muss.

Der 28-Jährige spiegelt jene unaufgeregte Snowboardwelt wieder, die fernab der X Games und als Snowboard-Videos getarnter Helikopter-Pornos besteht. Weniger Rampenlicht – mehr Authentizität. Eine Welt, in der Basti seinem Job im Blue Tomato Store in München nachgehen muss, um sich seinen anderen Job als Pro-Snowboarder leisten zu können. Eine Welt, in der schwere und langwierige Verletzungen nicht Teil einer medial romantisierten ESPN-Comeback-Story sind, sondern sind, was sie eben sind: Scheiße! Und eine Welt, in der fehlende finanzielle Sicherheit und zu viele Besuche in zu vielen Krankenhäusern billigend in Kauf genommen werden, weil sie – zumindest in Bastis Fall – scheinbar Notwendigkeit sind, um dem nachzugehen, was er eigentlich will: mehr Zeit auf dem Snowboard zu verbringen. Das ist nicht nur aller Ehren wert, sondern auch nachvollziehbar. Soll Travis Rice weiterhin im Heli zum Hypernatural fliegen und Shaun White mit Modelfreundin und Sportwagen durch Hollywood brettern – das ist nicht nur deren gutes Recht, sondern bestimmt auch ziemlich geil – wir freuen uns trotzdem darauf, mit Basti an der Bar zu stehen und Bier zu trinken. Und Um-die-Wette-blöd-daherzureden. Basti Rittig, der People’s Champion. Einer wie wir. Nur, dass wir keine 20-Meter-Kicker springen. Und Weltrekord halten wir schon erst recht nicht.

Video Embed Media

Transitions – das sind die Übergänge zwischen Zuständen und Momenten, die sich aneinanderreihen zu Eindrücken und Ereignissen, die zu Erinnerungen werden und zu Erfahrungen kumulieren. Transitions – das sind die Wege, auf denen sich Veränderungen abspielen. Pleasure Ausgabe 132 widmet sich eben jenen Transitions. Viel Spaß damit.