Away They Went: Kreative Pause bei Isenseven

Erschienen in
Christian Öfner

Away They Went: Kreative Pause bei Isenseven

Isenseven wird im Herbst 2014 keinen neuen Film präsentieren. Eine Pause, das Ende oder ein Neuanfang? Wir haben uns mit Produzent Alex Schiller über die Hintergründe unterhalten und einige sehr ehrliche Antworten bekommen. Hier findet ihr das äußerst ausführliche Interview zur Überraschung des Tages.

Hey Alex. Bevor wir hier lang um den heißen Brei reden – gleich mal raus mit der schlechten Nachricht. Kurz und knackig bitte.

Na dann: Es wird dieses Jahr keinen Isenseven-Film geben.

Warum?

[Lange Pause] Es gibt sehr viele Gründe – manche davon schwerwiegend, andere nebensächlich. In erster Linie, weil der Film – bei dem Qualitätsanspruch, den Isenseven an sich selbst hat – nicht finanzierbar ist; zweitens weil es nicht genügend Leute gibt, die bereit sind, 100 Prozent für das Projekt zu geben; und letztendlich, bedingt durch die erwähnten Umstände: meine fehlende Motivation.

Kein Film heißt: In der kommenden Saison kein Film oder überhaupt keine Isenseven-Filme mehr?

Das heißt, dass dieses Jahr definitiv kein Full Movie erscheinen wird, wie man das aus den letzten zwölf Jahren gewohnt war. Es gab im Laufe der letzten Monate mehrere Überlegungen, was man Neues bzw. Alternatives machen kann. Ich hasse das Wort „Webisodes“ – aber es gab Pläne für ein webbasiertes Projekt. Etwas, das ohne komplette DVD auskommt. Ein „rider driven project“ mit Stephan Mu Maurer, David Bertschinger Karg und Alex Tank nicht nur als Fahrer, sondern auch als Produzenten, denen ich aus dem Hintergrund unter die Arme gegriffen hätte. Wir haben uns im Herbst zusammengesetzt und versucht, an allen Zügeln zu ziehen ... musste aber Anfang Januar feststellt, dass es nicht möglich sein wird, mit so wenig Geld, etwas abzuliefern, das unseren Qualitätsvorstellungen gerecht wird.

Isenseven ist keine Firma, die verschwinden kann - in erster Linie sind wir eine Crew.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine Pause häufig mit einem Ende gleichzusetzen ist. Warum wird das bei Isenseven nicht der Fall sein?

Isenseven ist keine Firma, die verschwinden kann - in erster Linie sind wir eine Crew. Eine Crew von Jungs, die sich 1999 zusammengeschlossen haben. Klar verbinden viele Leute damit auch die Produktion, aber nur weil wir 2014 keinen Film auf den Markt bringen, heißt das nicht, dass wir vom Erdboden verschwinden. 
Wir wollen uns offen halten, in Zukunft wieder etwas zu machen, ohne zu garantieren, dass 2015 der nächste Full Movie kommt. Lass uns dieses Jahr als kreative Pause bezeichnen.

Welche der von dir genannten Gründe müssen sich ändern und welche können sich realistisch ändern, damit es wieder einen Film geben kann?

Es steht und fällt mit der Finanzierung. So ein Film, wie wir ihn machen, kostet unglaublich viel Geld. Das ist ein Grund ... und wenn man ehrlich ist, vielleicht auch schon mal der wichtigste. Dazu kommen die richtigen Leute, die mit mir zusammen an dem Projekt arbeiten. Als Vincent Urban, Felix Urbauer und ich noch zusammen an den Filmen gearbeitet haben, fand ein pausenloser Austausch statt – das war in meinen Augen auch der Höhepunkt unserer Filme. Das hat sich 2010 geändert und ich habe den Film dann mehr oder weniger im Alleingang durchgeboxt. Damit hatte ich immer wieder Schwierigkeiten, weil ich keine Mitstreiter hatte, die ebenfalls 100 Prozent reingesteckt haben.

Ich erinnere mich an den letzten Stopp der „A Way We Go“-Tour in Stuttgart, als du feierlich verkündest hast, dass es auf jeden Fall weitergeht. Was hat sich zwischen November und jetzt getan, dass es nun doch keinen Film gibt?

Die Gerüchteküche brodelt seit weit über einem Jahr und immer wieder wurde ich von Leuten aus der Industrie damit konfrontiert, dass „sie was gehört haben, bla bla, usw.“ Ich war mir zu dem Zeitpunkt nie so ganz sicher, wie es weitergehen soll, aber während der Tour hat mich dann die Euphorie gepackt und ich wollte den Leute nach der geilen Premierentour Hoffnung machen. Zumal ich damals im regen Austausch mit Mu, DBK, Tank sowie Marco Smolla und den Straussen stand und die Situation gar nicht so schlecht ausgesehen hat.

Die Filme haben stagniert, es gab kaum noch Innovatives ...

Der Titel des letzten Werks „A Way We Go“ lässt ziemlich viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Vom „besonderen“ Weg, den Isenseven immer schon gegangen ist – bis eben hin zu „away we go“ – wir gehen weg. Habt ihr mit den Gedanken bereits im Frühsommer des letzten Jahres gespielt, als ihr den letzten Film geschnitten habt?

Mir war schon zu Beginn von AWWG bewusst, dass es der letzte normale Film von Isenseven wird. Es musste sich auf jeden Fall etwas ändern. Sei es am Konzept oder was auch immer. Die Filme haben stagniert, es gab kaum noch Innovatives ... als Filmemacher habe ich das Bedürfnis, mich weiterzuentwickeln, weshalb es an der Zeit für etwas Neues war. Dass die Veränderung darin besteht, dass es gar keinen Film gibt, war so aber nicht abzusehen. 

Du sagst, dass es an der Finanzierung gescheitert ist. Wie viel Geld ist notwendig, um einen Isenseven-Film zu produzieren?

Jetzt wird sich jeder gleich denken: „Spinnt der eigentlich! Warum braucht man dafür bitte so viel Kohle?“ Wir haben unseren Qualitätsanspruch so hoch gesetzt, dass man jetzt nicht mehr davon abweichen kann. Ohne eine gewisse Zahl X konnten wir nicht weitermachen. Und einen Film zu veröffentlichen, der budgetbedingt schlechter ist, war nie eine Option. Und lass mich noch erläutern: Wenn ich von „Qualität“ spreche, meine ich nicht nur die Qualität der Aufnahmen bedingt durch gute Kameras. Ich spreche von der gesamten Produktionsqualität was Filmen, Reisen, Musik, Schnitt, Effekte usw. beinhaltet. Zu Hochzeiten hatten wir ein Budget von knapp 100.000 Euro, das in den letzten Jahren stetig kleiner geworden ist. Bedingt durch Wirtschaftskrise, einer teils schwächelnden Snowboard-Industrie und anderen Gründen wurden Budgets knapper und wir mussten bei unseren Sponsoren regelrecht darum betteln. Für AWWG hatten wir insgesamt circa 80.000 Euro zur Verfügung, wovon wir jeden Cent ausgegeben haben. Das ging aber noch. Für den aktuellen Film wären wir nicht über 40.000 Euro gekommen. Und das ging dann eben nicht mehr. Zumindest nicht, wenn er gut genug sein soll.

Klingt nach einem ordentlichen Batzen Kohle. Für was geht das ganze Geld drauf?

Das meiste wird dafür verwendet, die Leute zu bezahlen, die daran arbeiten. Seit 2010 wurde ich mehr und mehr in die Produzentenrolle gesteckt, weshalb ich weniger in den Bergen zum Filmen unterwegs war. Das heißt wiederum, dass ich ein Team von Filmern benötige, die für mich rausgehen und den Part übernehmen. Nachdem die auch von etwas leben und ihr Equipment bezahlen müssen, kostet das richtig viel Geld. Dazu kommen Ausgaben für Reisen. Eine der Maxime von Isenseven war es immer, dass man abgefahrene Sachen macht und eine geile Story erzählt. Einfach nur an den Arlberg oder nach Helsinki zu fahren, um wie verrückt Tricks zu sammeln, hat für uns nicht gereicht. Bleibt zu guter Letzt das Thema Musikrechte. Wir wollen uns auf gar keinen Fall auf irgendeine kostenlose Musik-Library im Internet verlassen, sondern wollen die geilste Musik verwenden – und das kostet viel Geld.
 

Entscheidend ist, dass man Lust darauf hat und nicht, ob man damit Geld verdient.

Und wie geht’s deinem neuen Audi A6?

Bestens. Zumindest als Produkt meines Geistes. Wieso? [lacht] Nein. Ganz im Ernst. Wenn man so einen Film macht (und nicht Travis Rice oder Brainfarm heißt), kann man damit nicht viel Geld verdienen, sondern muss davon ausgehen, Abstriche machen zu müssen. Entscheidend ist, dass man Lust darauf hat und nicht, ob man damit Geld verdient.

Als Filmemacher will man sich immer weiterentwickeln und dementsprechend auch immer bessere Filme produzieren. Besser ist häufig mit einem höheren Budget verbunden. Wurde das notwendige Budget irgendwann zu groß, als dass es sich für Snowboard Firmen überhaupt noch rentiert?

Ein Problem, das die Industrie mit Isenseven immer schon hatte, war dass wir uns zwar weiterentwickelt haben, aber nicht in der gleichen Weise, wie sie eine Progression erwartet haben. Wir haben schon vor Jahren Angebote bekommen, mit großen Pros zu filmen, nach Amerika zu gehen und den nächsten Schritt zu machen. Aber Isenseven kann das nicht. Wir wollten mit Euros filmen, die auch Freunde sind. Leute, mit denen man sich identifizieren kann. Fahrer wie Mark McMorris hat für seinen Sponsor einen ganz anderen Marktwert als Simon Gruber – also wollen sie natürlich auch die Leute pushen, die für sie „wichtiger“ sind. Nur ist das nicht, was wir bieten – so wirklich verstanden hat das die Snowboard-Industrie nie.

Wie wird ein Snowboard-Film finanziert?

Früher war das relativ einfach. Damals sind Vincent und ich zu einer Firma gegangen und haben denen gesagt: „Wir wollen einen Film machen und die drei Fahrer von dir sollen darin zu sehen sein.“ Die Sponsoren bezahlen dann quasi den Part ihres Teamfahrers. Das ist seit über 15 Jahren der übliche Weg, wie alle Snowboard-Videos entstehen und finanziert werden. Wenngleich immer wieder von einigen Fans vermutet, ist es nicht so, dass Isenseven die Fahrer bezahlen muss, damit sie mit uns Filmen. Jeder Sponsor kauft seinen Fahrer in den Film rein. Die Fahrer bekommen meist ein Travelbudget, ihren Lohn und darüber hinaus finanziert ihnen der Sponsor einen Videopart. Im Gegenzug dazu bekommen die Firmen einen Part, Product Placement, ein Logo im Film und die Aufnahmen des Fahrers, die sie dann ebenfalls verwenden dürfen. Allerdings ist dieses Konzept etwas veraltet. Das haben nicht nur wir, sondern auch die Firmen verstanden. Nur gibt es keine wirklichen Alternativen. Dass die Industrie wenig glücklich damit ist, erkennt man auch daran, dass immer mehr Team-Videos auf den Markt kommen.

Welche Rolle spielen die DVD-Verkäufe?

Eine sehr geringe. Isenseven ist zwar ein wenig zu spät auf den iTunes-Zug aufgesprungen, doch seit zwei Jahren kann man unsere Filme dort kaufen. Was gut ist, denn das ist ohne jeden Zweifel die Zukunft. Die DVD als solche sehen wir eher als Sammlerobjekt. Wirklich reich wird man durch den Verkauf nicht. Zumindest ist es nichts, womit man planen kann.

Heißt das im Umkehrschluss, dass dir Raubkopien egal sind?

Isenseven ging es immer darum, möglichst viele Leute mit unseren Filmen anzusprechen. Schon früher war es uns wichtig, dass die Filme maximal 20 Euro kosten – immerhin fast die Hälfte von dem, was ein Mack Dawg Film damals gekostet hat. Raubkopien sind mir insofern egal, weil ich will, dass möglichst viele Menschen unsere Filme sehen. Russland ist das beste Beispiel überhaupt. Da haben wir eine extreme Fanbase, die auf den Premieren komplett durchdreht – wir wissen aber nicht, woher die kommt. Weder haben wir dort einen Vertrieb noch sind die iTunes-Käufe von dort sonderlich hoch. Auf der Premiere angesprochen, gestehen sie ganz ehrlich, alles auf Piratebay heruntergeladen zu haben. Nur durch diese Raubkopien sind wir überhaupt erst nach Russland gekommen.

Ist es der Filmemacher in dir, der gerade spricht, oder der Produzent, der so einen Film auch finanzieren sollte?

Naja. Als Produzent und quasi Eigentümer von Isenseven müsste ich etwas anders sagen. Da hast du natürlich Recht. Doch haben Regisseure, Produzenten und Filmemacher aus allen Branchen unterschiedlichste Auffassungen. Auch für Bands gibt es teils sehr konträre Ansatzpunkte ...

Anders gefragt: Würde es dieses Jahr einen Film geben, wenn alle sich im Umlauf befindenden Kopien legal gekauft worden wären?

Nein. Ich glaube nicht, dass das so ausschlaggebend ist. [Kurze Pause] Ich glaube ... [eine etwas längere Pause ... dann heftig intervenierend] ... was nicht heißt, dass ich will, dass sich die Leute den Film auf Piratebay herunterladen sollen. Wer den Film kauft ... dessen Geld geht schon in die richtige Tasche.

Hat man auch über andere Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht?

Ja. Ab dem Zeitpunkt als klar war, dass der Film nicht mehr zu 100 Prozent aus der Snowboard-Industrie finanzierbar sein wird, haben wir uns mit dem Gedanken sogar sehr häufig befasst. Wir standen bereits in Gesprächen mit einem großen Getränkehersteller, der Interesse gezeigt hat, den Film sogar komplett zu finanzieren. Das hat allerdings aus unterschiedlichen Gründen – auf die ich nicht zwingend näher eingehen muss – nicht geklappt.

Dass ein potenzieller Film 2015 durch Crowd Funding finanziert wird, ist allerdings durchaus im Bereich des Möglichen.

Stichwort Crowd Funding?

Isenseven hat die wohl größte Fanbase aller Snowboard-Produktionen, weshalb das zumindest eine Überlegung wert ist. Das Problem von Crowd Funding ist, dass man richtig viel Zeit in Planung, Konzept und Präsentation stecken muss und wir lange von einem auf den anderen Tag gearbeitet haben. Für diese Saison waren wir damit einfach zu spät dran. Dass ein potenzieller Film 2015 durch Crowd Funding finanziert wird, ist allerdings durchaus im Bereich des Möglichen.

Wie du sagst: Ihr seid eine – wenn nicht die beliebteste – Videocrew überhaupt. Sollte das nicht Grund genug sein, dass man mit euch arbeiten will?

Da muss ich die Industrie schon wieder ein wenig negativ darstellen. Ich glaube nicht, dass die Snowboard-Firmen das Potenzial jemals gesehen haben, das in Isenseven steckt. Isenseven ist nicht nur ein Film, in dem coole Typen durchs Bild springen, sondern – hört sich abgedroschen an – ein Lifestyle. Wir haben so viele Leute motiviert, mit dem Snowboarden anzufangen oder sich eine Kamera zu kaufen. Im Grunde muss man nur unsere Premierentour besuchen. So etwas hast du noch nicht gesehen. Egal ob Deutschland, Russland, Schweiz, Österreich oder sonst wo ... immer volles Haus, immer ausverkauft. Das habe ich so noch bei keiner anderen Produktion gesehen. Darum bleibt es mir ein Rätsel, warum die Industrie nicht sieht, was für ein Following und eine Fanbase wir haben, und diese für sich nutzen will.

Hat man in der Vergangenheit neidisch auf andere Produktionen geschaut, die mehr Geld und Support der Industrie bekommen haben?

Neidisch war ich nicht. Klar waren Absinthe und Standard Films zumindest früher finanziell deutlich höher angesiedelt als wir, aber die haben auch viel Zeit in AK verbracht, hatten die größten US-Super-Pros ... insofern war das schon verständlich. In dem Zusammenhang gilt es auch die Pirates zu erwähnen. Nicht aus Neid, sondern aus Respekt und Bewunderung. Ich weiß, dass die sich in einem ähnlichen finanziellen Rahmen bewegen wie wir – plus, minus whatever. Die haben es geschafft, ihr Ding durchzuziehen: Krasse Fahrer, aber keine internationalen Superpros und das allerallerallerbeste Filmen was es gibt. Außer Brainfarm kommt niemand an die Filmqualität der Pirates ran. Auch für sie war die Situation bestimmt schon mal leichter – aber ich habe mich neulich mit Basti Balser (Produzent der Pirates; d. Red.) unterhalten und der sagt klipp und klar: „Wir machen weiter, egal was komme!“ Das ist der Unterschied – ich konnte mich unter unseren Umständen nicht mehr motivieren – sie schon.

Der Trend geht zum Team-Video. Warum?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leute im Marketing, die unseren Film unterstützen sollten, fast immer Bock darauf hatten, sich daran zu beteiligen. Allerdings haben diese Leute Chefs bzw. einen Vorgesetzten, bei dem sie so eine Entscheidung rechtfertigen müssen. Fließt das Geld durch eine Team-Video in die eigene Tasche, fällt das natürlich viel einfacher. Für uns wurde stets die „höhere“ Ebene zum Problem, die unsere Argumente nicht sehen konnten oder wollten. Für die sind wir nicht international genug, haben keine renommierten Pros, keine fette US-Premiere-Tour ...

Mit jedem Jahr wurden es noch mehr Kompromisse und die sind mir irgendwann zu sehr auf den Sack gegangen.

Mit Fingern auf die anderen zu zeigen, ist sehr einfach. Welche Fehler habt ihr gemacht?

Was heißt Fehler. Wir hätten auf jeden Fall besser wirtschaften können. Hier Geld sparen und an Stellen investieren, wo es besser aufgehoben gewesen wäre. Außerdem hätten wir diverse gute Leute besser an uns binden müssen und Leute ins Produktions-Team holen müssen, die Bock auf uns haben. Dafür gibt’s im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder junge Typen, die mit uns wachsen, oder Leute, die bereits sehr gut sind. Aufgrund des Qualitätsanspruchs wollten wir im Grunde eher letzteres. Mit Tom Elliot haben wir uns auch etwas Supergutes aufgebaut – nur leider hat der nach drei Jahren eine Veränderung herbeigesehnt und macht jetzt kaum noch etwas im Snowboarden.
Zu guter Letzt muss ich mir auch auf die Finger hauen. Unterm Strich hab’ ich keine Motivation mehr, unter allen Umständen einen Film zu machen und noch fünf weitere Jahre von der Hand in den Mund leben zu müssen. Kompromisse sind in Ordnung – aber mit jedem Jahr wurden es noch mehr und die sind mir irgendwann zu sehr auf den Sack gegangen.

Ist eine DVD bzw. ein ganzer Film überhaupt noch zeitgemäß?

Ich persönlich finde schon. Es gibt nichts Geileres als etwas mit Gesamtkonzept. Man kann es wenig mit Hollywood vergleichen. In den letzten Jahren entstanden mehr und mehr hochwertige TV-Serien, die parallel zu Kinofilmen großen Anklang finden. Im Snowboarden können Full Movies und Webepisoden gleichermaßen bestehen. Ich hätte kein Problem damit, ein gutes Online-Projekt zu machen. Persönlich bevorzuge ich einen ganzen Film – aber es gilt halt auch mit der Zeit zu gehen.

Hat Isenseven den Wechsel ins „digitale Zeitalter“ verschlafen?

Kurze Antwort: Ja. Ausführliche Antwort: Trotz des jährlichen Films hätten wir – parallel dazu – verstärkt auf Online-Content setzen müssen. Was aufgrund der fehlenden Man Power allerdings nicht möglich war.
Als uns im Laufe dieser Saison klar wurde, dass wir auch über ein alternatives Web-Projekt nachdenken müssen, war es schon zu spät. Da reichen keine zwei Monate, sondern im Grunde gilt es, ein ganzes Jahr zu planen.

Es ist bereits März und normalerweise wärst du seit geraumer Zeit mit dem neuen Film beschäftigt. Wie sieht dein aktueller Arbeitstag?

Ich bin in ein neues Büro gezogen, wo viele andere kreative Köpfe und Filmemacher sitzen, was mir aufgrund des Austausches sehr wichtig ist. Mit Snowboarden habe ich zur Zeit leider recht wenig am Hut und auch wenn es mir ein wenig abgeht, habe ich Spaß an meinen neuen Projekten. Ich kümmere mich um die Regie und Schnitt von Werbung, Image- beziehungsweise Musikvideos und stehe ab und zu auch noch selber hinter der Kamera.

Etwas detaillierter bitte.

Ich habe die letzten beiden Musikvideos von OK Kid gemacht, bin verantwortlich für die Imagevideos der Chiemsee-Kollektionen und arbeite gerade an einem extrem interessanten Kickstarter-Projekt einer Firma namens Bragi, die neue Kopfhörer entwickeln. Eine völlig neue Welt für mich, aber sehr interessant und eine große Herausforderung.

Macht all das mehr Spaß?

Es macht nicht mehr Spaß. Es macht anders Spaß. Der Druck, zwölf Monate an einem Snowboard-Video zu arbeiten, ist weg. Die meisten Projekte jetzt haben einen Zeithorizont von meist nur ein paar Wochen. Aber ich kann mit einem guten Gewissen sagen, dass ich nie mehr Spaß hatte, als mit den Jungs im Schnee unterwegs zu sein und zu filmen.

Klingt als läuft es ganz gut für dich. Wie groß wird der Reiz noch sein, zurück zum Snowboarden zu kommen?

Der Reiz ist im Grunde jetzt schon groß. Ich möchte es aber nur machen, wenn ich Leute habe, die mit mir zusammen hinter dem Film stehen. Die richtigen Fahrer und die Filmemacher vorausgesetzt, schätze ich die Chancen aber sehr hoch ein. Dann spielt Geld auch keine Rolle.

Wie vertreiben sich die restlichen Isenseven-Fahrer die Saison?

Wojtek Pawlusiak filmt mit den Pirates, Ludde Lejkner verfolgt irgendein Projekt mit seinen Skandi-Freunden, DBK ist voll im Filmmodus und produziert eigene Sachen, Mu ist bei True Color und hat seine eigene Boardfirma gegründet und der Tank ... mei der Tank ... um den muss man sich keine Sorgen machen, der kommt schon irgendwo unter. Gerade ist er mit Adidas unterwegs und filmt für deren Projekte.

Es wird definitiv etwas von Isenseven geben.

Mit was kann ich als Isenseven-Fan in den nächsten Monaten rechnen?

Wir wollen uns keinen Druck machen, aber es wird – egal ob Budget oder nicht – definitiv etwas von Isenseven geben. Sei es ein konzeptionelles Park-Video, oder das Video zum „Stolen Paradise“-Projekt von Marco Smolla und den Straussen ... es wird noch ein paar Videos online geben. Wir werden sicher nicht von der Bildfläche verschwinden, wollen uns jetzt aber auf nichts festlegen, was wir dann nicht einhalten können. Aber es wird etwas geben. Zudem spielen wir mit dem Gedanken einer Partytour. Premierentour – nur ohne Film. Isenseven war immer schon mehr als nur der Film – und die Partys wichtiger Teil des großen Ganzen. Ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Leute Bock haben, mit uns zu feiern. Isenseven steht auch für gute Musik und eine gute Zeit mit guten Typen auf einer guten Party. Aber auch das ist momentan nur eine Idee.

Zum Abschluss: Das Interview war deine Idee. Warum bist du auf uns zugekommen?

Ich wollte das Interview machen, weil es mir extrem wichtig ist, den Fans zu sagen, was Sache ist. Es ist bereits März und irgendwann im April hätte man einen Trailer oder einen neuen Namen erwarte können. Für mich ist das Schlimmste, wenn man den Leuten nicht sagt, was abgeht. People und Standard waren irgendwann einfach weg, ohne dass man das recht mitbekommen hat. Isenseven lebt von den Fans und das Mindeste, das wir tun können, ist ehrlich zu sein.

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