Pølse, Mitternachtssonne und Acht-Euro-Bier

Philipp Siefken

Pølse, Mitternachtssonne und Acht-Euro-Bier

Ende April wurde ich mit meinem Freund Daniel von adidas Snowboarding zum Riksgränsen Banked Slalom eingeladen. Verletzungsbedingt mussten wir ein paar Nächte darüber schlafen, haben dann jedoch schnell zugesagt. Wir waren beide schon mehrmals in Norwegen snowboarden, allerdings noch nie in Schweden. Und eine Einladung zum fünften Jubiläum des Riks Banked Slalom bekommt man nicht jeden Tag. Zudem wussten wir, was uns dort oben sonst noch erwartet: Unglaubliche Natur, freundliche Skandinavier und jede Menge unvergessliche Erlebnisse.

Text & Fotos: Philipp Siefken

Wir beschlossen, dass unsere Route ins schwedische Riksgränsen über Tromsø im Norden Norwegens verlaufen sollte. Über Nabobil, quasi das Airbnb für Autos, konnten wir uns einen modernen Kombi für eine Woche ausleihen. Dadurch wurde A) unser Travel-Budget geschont und B) konnte sich Daniel so während der Fahrt durch die Fjordlandschaften von dem Autositz seinen lädierten Rücken mit Massagen verwöhnen lassen.

Erster Stopp unseres Trips war Sommerøy. Eine kleine Insel, südwestlich von Tromsø gelegen. Türkisfarbenes Wasser, atemberaubende Bergpanoramen, kleine Inselchen … so weit das Auge reicht. Von dort ging es mit der Fähre nach Senja. Senja bietet ähnlich faszinierende Ausblicke und eine Vielzahl an Fjorden. Wer auf Splitboard-Touren steht, deren Runs direkt am Meer enden, ist hier genau richtig. Wir haben uns dort eine längere Pause zum Angeln gegönnt. Die Fjorde lassen sich gut vom Ufer aus befischen (da die Gewässer dort direkt ins Meer führen, ist das Angeln für jedermann erlaubt) und Angel-Equipment bekommt man dort in fast jedem Supermarkt.

Sommarøy - Der erste Stopp der Roadtrips liegt ca. 2 Std nördlich von Tromsø. Türkisfarbenes Wasser an der Antlantikküste und ein mega Panorama mit unzähligen Möglichkeiten für Splitboard-Touren.

Die Insel Håja auf Sommarøy. Sie gilt für die Locals als Wahrzeichen Tromsøs, da sie sehr stark der Arctic Church ähnelt.

Nach der entspannten Pause ging es weiter gen Süden in Richtung Narvik. Wer von dort Richtung Westen fährt, landet auf den Lofoten. Unsere Route führte jedoch nach Osten. Gegen 22:00 Uhr überquerten wir die schwedische Grenze und kurz danach standen wir auch schon in Riksgränsen. Dunkelheit? Fehlanzeige. Um diese Jahreszeit ist es auch noch spät Abends taghell, was dem ein oder anderen von uns ein leichtes Jetlag-Gefühl bescherte. Anders Neuman, Organisator des Riksgränsen Banked Slaloms, empfing uns freundlich, nach drei Bier für 21 Euro war jedoch auch bei uns Feierabend. Das Einschlafen fiel uns beiden nicht allzu leicht (die Sonne geht um 22:30 Uhr „unter“ und um 02:30 Uhr schon wieder auf), doch schlussendlich waren uns uns doch noch einige Stunden Schlaf vergönnt.

Die langen, skandinavischen Tage haben natürlich auch ihre Vorteile. Beispielsweise liefen die Lifte an einigen Tagen oftmals bis 18:00 Uhr. Wem das noch nicht ausreicht, der kann das Tageslicht für weitere Hikes nutzen. Weniger praktisch waren die Schneeverhältnisse. Wie uns voller Stolz mitgeteilt wurde, lag zwar deutlich mehr Schnee als in den letzten Jahren, doch die Temperaturen waren in den ersten Tage deutlich unter Null Grad. Statt Slush stand daher erst einmal Eis auf dem Programm. Wer jedoch sicher auf dem Brett stand, hatte sich nach einigen Runs an die Bedingungen gewöhnt. Wir besuchten das Denkmal von Craig Kelly und checkten den grenzüberschreitenden „Norwegian Run“, eine Line voller natürlicher Quarterpipes und Sidehits.

Am nächsten Tag standen die ersten Practice- und Quali-Runs auf dem Programm. Zugegeben: Der Banked Slalom hatte aufgrund der harten Schneeverhältnisse seine Tücken, da die Shaper jedoch sensationelle Arbeit geleistet hatten, musste man zwar an seiner Technik feilen, aber dies minderte nicht den Spaß. Zwischendurch wurde man außerdem mit massiven Jumps von Len Roald Jørgensen, Møns Roisland oder Terje Håkonsen verwöhnt.

Bei der abendlichen Siegerehrung inklusive Abschlussbankett wurde erneut klar, wie freundlich und familiär die skandinavische Snowboardszene ist. Eine Aura, in der man sich direkt willkommen und wohl fühlt. An unserem Abreisetag fanden noch die Orange Open statt: ein Quarterpipe-Contest, bei dem es schlicht und einfach darum geht, sich über die massive Quarterpipe zum Mond zu schießen. Leider konnten wir die Session nicht mehr bis zum Schluss verfolgen, alles in allem hatten wir jedoch eine unglaublich gute Zeit beim Riks Banked Slalom 2017. Die Crew um Anders Neuman und adidas Snowboardings Ted Lindgren haben ein familiäres Event geschaffen, das jedem einzelnen Teilnehmer eine geile Zeit beschert. Danke dafür, Jungs!
 

Für uns ging es nun wieder auf die Straße nach Norden. Vorbei an unzähligen Fjorden, Rentieren und Angelspots. Und einer Husky-Farm, wo wir – natürlich! – halten mussten. Einige Stunden später hatten wir uns dann auch schon durch die 350 Huskies zum Welpengehege geknuddelt. Dort wurde es zwar noch einmal extrem, aber die gute Nachricht ist: kein Husky wurde zu Tode gestreichelt, kein Hund wurde aus dem hohen Norden entführt.

Am vorletzten Tag des Trips hatten wir dank einer Freundin vor Ort die Möglichkeit, einen Rundflug in einer einmotorigen Cesna zu machen. Wir besprachen mit dem Pilot die Route und ab ging es. Aufgeregter war ich vermutlich nur vor meinem ersten Tinder-Date. Nach dem erstaunlich sanftem und eigentlich unspektakulärem Start konnten wir unseren Augen nicht trauen: Die unglaubliche Natur Nordnorwegens aus einer völlig neuen Perspektive. Die Fjorde und Berge um Senja sowie Kvaloya und die Ausläufer der berüchtigten Lyngenalpen ließen unsere Münder offen stehen und fast wüstenähnlich austrocknen. Bis zu dem Zeitpunkt, als mir unser Pilot Kristian erklärt, wie man ein Flugzeug lenkt. Dann überlies er mir das Steuer. Daniel, der vermutlich nicht wusste, ob er lachen, heulen oder in Panik verfallen soll, erwähnte, dass ich nicht einmal im Besitz eines PKW-Führerscheins bin. Anschließend hält er brav (und etwas zitternd) die GoPro. Trotzdem: Kein Anwesender hat in diesem Moment wohl mehr geschwitzt, als ich selbst. Und das lag nicht an der prallen Sonne oder dem strahlend blauem Himmel. Nach kurzer Zeit habe ich aber jede Sekunde genossen … für die restliche Besatzung möchte ich allerdings lieber nicht sprechen.

Zurück am Flughafen konnten wir die vergangenen acht Tage noch einmal reflektieren und feststellen, wie wichtig doch snowboarden und die damit verbundenen Reisen sind. Durch Snowboarden erleben wir einzigartige Situationen, treffen etliche tolle Menschen und lernen so einiges über uns selbst. Außerdem: Powder. Oder eben anspruchsvolle und verdammt spaßige Banked Slaloms. Es gibt noch sehr viel zu entdecken und bereisen … selbstverständlich mit Snowboard.

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