Interview: Matteo Ferraris

Erschienen in
Eileen Broadhead

Interview: Matteo Ferraris

Der Skatepark in Zermatt liegt mitten im Dorf, neben Tennis-, Hockey- und Volleyballplätzen. Jeden Nachmittag kann man hier dieselben paar Kids beobachten, die schon auf dem Skate oder (noch) mit dem Scooter unterwegs sind. Auf der Treppe Richtung Hauptstraße trifft man nicht selten auch die Shape-Crew des 2200 Meter höher gelegenen Snowparks, mit Feierabendbier versteht sich. Während unserer Woche dort haben wir uns den Head-Shaper für ein Interview geschnappt. Matteo Ferraris fährt seit 26 Jahren Snowboard und wurde vor seiner Zeit als Shaper unter Anderem von Thirtytwo, Horsefeathers und Forum gesponsert. Nun ist er Head-Shaper im Snowpark Zermatt und beantwortet uns ein paar Fragen zum Shapen auf dem Gletscher.

Matteo Ferraris
Anna Plocinska
Zermatt

Mal ganz von Anfang: Wie bist du zum Shapen gekommen?

Ich fuhr schon eine ganze Weile Snowboard, als sie in meinem Heimat-Resort Bardonecchia in Italien einen Snowpark aufgemacht haben. Ich wurde angefragt, dort als Shaper zu arbeiten und blieb schlussendlich neun Jahre lang dort agestellt.

 

Seit wann bist du Teil der Shape-Crew im Snowpark Zermatt?

Ich kam im Sommer 2016 hier her, um drei Tage auf Probe zu arbeiten. Ich hatte einen Deal bei dem ich fürs Shapen die Liftpässe gratis bekommen habe, also dachte ich mir: Warum nicht? Im darauffolgenden Winter wurde die Stelle des Head-Shapers frei, und ich habe die Position übernommen.

Worin liegen die Schwierigkeiten, im Sommer einen Park zu shapen, der auf einem Gletscher liegt?

Der Schnee schmilzt auf jeden Fall viel schneller im Sommer, also hat man nur eine begrenzte Zeit, um seine Arbeit zu erledigen. Zudem muss man flexibler beim Ändern oder Verschieben der Features sein. Außerdem gibt es die Gletscherspalten, die vor allem beim Aufbau des Parks am Anfang des Sommers eine Herausforderung sind. Auch das Wetter ist im Sommer wechselhafter und kommt uns beim Shapen oft in die Quere.

 

Du hast das wechslahfte Wetter schon angesprochen. Aber hast du in den letzten Jahren auch große Veränderungen das Klimas beobachten können?

Klar, in den drei Sommern, die ich hier arbeite, habe ich eine Veränderung gesehen. Aber im Vergleich zu vor vielleicht 15 Jahren, als ich noch zum Snowboarden hier her kam, hat sich der Gletscher total verändert. Es ist fucked...

 

Allerdings... Aber zurück zum Park, auf was achtest du bei einem Snowpark? Was ist dir am wichtigsten, wenn du den Park Anfang Sommer entwirfst?

Ich versuche alles so klar wie möglich aufzubauen. Man soll sich das Set-Up anschauen und sofort wissen, wo die Easy-, Medium- und Pro-Lines sind. Freestyle ist Freestyle, klar, aber ich denke eine gewisse Ordnung ist wichtig für die Leute, die den Park fahren. Außerdem muss zum Beispiel der Heli genau wissen, wo er landen kann, wenn sich jemand verletzt.
Im Allgemeinen versuche ich einen Park für jedermann zu bauen. Ob Anfänger oder Pro, es spielt keine Rolle, es ist schließlich ein öffentlicher Park. Trotzdem sollen die Lines gegen Ende des Parks schwieriger werden, auch die für Anfänger. Man braucht schliesslich auch ein bisschen Herausforderung.

 

Du hast nie geplant, Shaper zu werden. Wirst du weiterhin dabei bleiben, auch nach all den Jahren?

Ja, ich plane das noch etwa fünf Jahre durchzuziehen. Danach will ich mal was Neues ausprobieren. Mich nicht mehr nur aufs Snowboarden fokussieren, sondern verschiedene Dinge gleichzeitig machen.

Anna Plocinska
Zermatt

Der Snowpark Zermatt hat definitiv einiges zu Bieten, Features wie das Franken-Rail findet ihr sonst nicht so schnell wieder. 

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