Free Ride Europa Roadtrip

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Björn Köcher

Free Ride Europa Roadtrip

Free Ride Europa: Autor Björn Köcher vom Hamburger Bergsport-Blog "St.Bergweh" schnappte sich einen Van und reist in dem Camper durch Europas Bergregionen. In seinem Zwischenbericht gibt er Inspiration, in welchen Regionen ihr jetzt im Frühjahr den schneereichen Winter noch etwas ausdehnen könnt und das tun was wir lieben: Snowboarden.

Wären wir hier bei Instagram, würden wir diesen Artikel zuhashtaggen mit so was wie winterisnotoveryet oder noch besser (oder schlimmer) vanlife. Sind wir aber nicht. Wir wollen nur eine Idee raushauen für Alle, die in den nächsten Wochen den diesjährigen schneereichen Winter noch etwas ausdehnen und mit ein paar Freunden eine entspannte gemeinsame Zeit im Frühjahrschnee haben wollen.

Also warum nicht kurzfristig einen Campervan mieten und spontan dahin fahren, wo es noch Schnee hat – egal ob für ein paar Parksessions in ein Skiresort oder einfach auf den Parkplatz eines der dieser Tage öffnenden Bergstraßenpässe, um von da aus hochalpine Powderlines zu suchen oder Backcountry-Kicker zu bauen? Unser Autor Björn Köcher vom Hamburger Bergsport-Blog St. Bergweh macht es gerade vor: Den ganzen Februar und März ist er in einem Sunlight Camper Van durch Europas Bergregionen unterwegs. Holt Euch Inspiration in seinem Zwischenbericht. Kommende Wintersaison gibt es dann im Magazin die komplette Story – die Ihr übrigens ganz sicher nicht verpasst, wenn Ihr Euch hier für ein Pleasure Abo entscheidet.

Free Ride Europe - Ein "Once-in-a-Lifetime"-Projekt

Free Ride Europe ist eines dieser "Once-in-a-Lifetime"-Projekte. Einfach mal zwei Monate das tun, was man liebt: Snowboarden, neue Spots und Menschen kennenlernen und Abenteuer erleben. Am 3. Februar 2018 bin ich in Hamburg losgefahren, um mit einem Camper Van, Snow- und Splitboard sowie einigen Packungen Pasta und Pesto durch Europas Bergregionen zu reisen. Zunächst ins Erz- und Riesengebirge, dann in die Hohe und Niedere Tatra.

Weiter von Ost nach West durch die Alpen und zum Schluss in die Pyrenäen, bevor es Ende März wieder nach Hamburg geht. Der Van bietet mir dabei nicht nur die nötige Flexibilität, sondern auch die Gelegenheit, auf Teilstrecken immer wieder Leute mitzunehmen. Deshalb auch "Free Ride", statt "Freeride".

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Björn Köcher
Hohe Tatra
Erster Stopp: Das Erzgebirge

Im Erzgebirge, das mit gut 1.000 Metern Höhe nicht unbedingt ein Freeride Hotspot ist, aber trotzdem eine starke Snowboardszene hat, treffe ich unter anderem einen ganz Großen der Snowboardfilmzunft: René Eckert aka Blickinsfreie hat viele Jahre für zahlreiche Snowboardbrands, Medienhäuser und Filmproduktionen weltweit gearbeitet. Vor einiger Zeit kehrte er dem Snowboard-Business in gewisser Weise den Rücken und zurück nach Hause ins Vogtland.

In der von ihm renovierten Mundharmonikafabrik, in der er jetzt wohnt, sprach er mit mir über die Gründe. Weiter geht es in die neue Manufaktur von BuddyBuddy Boards ins erzgebirgische Gornau. Gründer Mike Gelbrich nimmt sich den ganzen Tag Zeit, um mir den Entstehungsprozess seiner möglichst nachhaltig produzierten Snow- und Longboards zu zeigen.

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Rene Eckert
Björn Köcher
Zwotental
Björn Köcher
BuddyBuddy Manufaktur
Julius Leuthold
Triglav Nationalpark
Björn Köcher
Zakopane
Björn Köcher
Niedere Tatra

Im Riesengebirge bin ich dann mit den Jungs von Gara Splitboards verabredet, die mir im tschechischen Spindlermühlen wirklich schöne Treeruns direkt vor ihrer Haustür zeigen und mich zu einem Abend in einer waschechten Holzofensauna inklusive abkühlendem Bad in der halb zugefrorenen Elbe, die unweit von Spindlermühlen entspringt und direkt am Saunafass vorbeifließt, überreden.

Während die anschließenden Tage im polnischen Teil der Hohen Tatra eher mit den Fragen zu tun haben "Wann hört es auf zu schneien und wo bekomme ich Gasflaschen für die Heizung des Campervans her?" geht es bei der kleinen Schwester Niedere Tatra ziemlich heftig ab – aber das kennt man ja von kleinen Schwestern, die sind meist deutlich wilder als angenommen. Jedenfalls komme ich irgendwann kurz vor Mitternacht im slowakischen Jasna an, suche mir einen Platz zum Schlafen und traue am nächsten Morgen meinen Augen kaum, als ich das von unverspurten Couloirs überzogene Nord Face des gut 2.000 Meter hohen Chopok sehe. Für mich eine totale Überraschung und ein weiterer Grund, um in Zukunft unbedingt noch mehr den wilden Osten zu erkunden.

Gara Collective
Björn Köcher
Spindlermühlen
Osttirol und Slowenien: Insider-Tipps in den Alpen

Auch die ersten beiden Stopps in den Alpen haben eher Insider-Charakter: der Triglav-Nationalpark in Slowenien und das Defereggental in Osttirol. Mit der Besteigung des höchsten Bergs Sloweniens wird es aufgrund der Schneemassen und der damit einhergehenden Lawinengefahr zwar nichts, aber wir haben auch so Spaß in den Wäldern rund um Kranjska Gora.

Genauso ergeht es uns auch im Defereggental. Insbesondere vom Staller Sattel aus, dem im Winter geschlossenen Pass in Richtung Italien, kann man perfekt Hochtouren starten und Hänge aller Expositionen fahren – schließlich kommt man mit dem Auto schon auf bis ca. 2.000 Meter Höhe. Und das Beste: Man streitet sich nicht mit Hunderten Freeridern um die First-Line.

Jonel Fricke
Björn Köcher
Nordkette
Björn Köcher
St. Anton
Björn Köcher
Oberwald
Random Crew
Björn Köcher
Corvatsch
Ein Muss: Freeride City Innsbruck

Weiter geht es in die selbsternannte Freeride City Innsbruck, wo ich unter anderem mit Jonel Fricke einen entspannten Tag an der Nordkette und anschließender Sauna plus der besten Pizza der Stadt verbringen darf. Auf einem Roadtrip im Campervan weiß man derartigen Luxus gleich doppelt zu schätzen – die müden Muskeln und die Geschmacksnerven im Übrigen auch. Am Arlberg geht es dann aber wieder richtig zur Sache. Zum Einstieg nimmt mich eine Freundin aus Hamburg, die die Wintersaison in St. Anton verbringt, mit auf den Maroikopf – zusammen mit acht schwedischen Ski-Bums und Rap-Musik aus der Boombox im Rucksack.

Am nächsten Tag wird es etwas ruhiger, dafür aber fahrerisch anspruchsvoller. Mit Freunden aus Köln, die ihre Homebase im Winter in Bludenz haben, geht es hikend auf die Vallugaspitze, um dort die Westabfahrt zu machen. Genialer Abschluss für meinen Besuch in der "Wiege des alpinen Skilaufs".

Julius Leuthold
Defreggental
Julius Leuthold
Defreggental
Björn Köcher
Julius Leuthold
Defreggental
Über die Schweiz in die Pyrenäen

Meine Schweiz-Stopps sind geprägt von tollen Bekanntschaften: Zunächst treffe ich am Corvatsch mit Stefan Plattner einen alten Bekannten, der in den letzten Jahren beim legendären Positivity Camp für den Park verantwortlich war und mittlerweile zu einem guten Freund geworden ist. Mit den Snowboardern der ersten Stunde und Engadin-Locals Patrick Koller und Franco Furger geht es anschließend ins Furtschellas Couloir.

Einen Tag später übernachte ich bei einer weiteren Snowboardlegende: Paul Gruber bestellte 1980 als vermutlich erster Europäer bei Jake Burton Carpenter ein Snowboard – das lassen zumindest die handschriftlichen Briefe von Jake aus Pauls Archiv vermuten, der so versuchte, zu klären, wie man ein Snowboard durch den Zoll nach Europa bringt. Paul ist übrigens auch der Initiator des "Woodstocks des Snowboardens", der Longboard Classics in Stuben, die am 7. April 2018 zum mittlerweile 19. Mal stattfinden werden.

Und ganz genial ist auch der Zwischenstopp im wunderbaren Oberwald in Goms bei der Freshies.ch Crew, zwei Snowboarder und zwei Skifahrer, die ich via Instagram kennengelernt hatte. Ohne dass wir uns wirklich kannten, bieten sie mir Unterkunft und gemeinsames Shredden in ihrem Backyard an. Mit diesem positiven Spirit geht es weiter ins italienische „Freeride Paradise“ Alagna, wo ich gerade an einem klassischen Downday im wohlbeheizten Camper Van sitze und diese Zeilen schreibe. Der letzte Stopp in den Alpen ist La Grave. Dann geht es weiter in die Pyrenäen, bevor die zweimonatige Reise wieder in Hamburg endet. Und jetzt doch noch ein Hashtag: Unter FreeRideEurope gibt es bei Instagram tägliche Updates über diesen Trip.

Die Free Ride Europe-Route im Überblick

Mehr von Björn und Free Ride Europa gibt's auf seinem Blog st-bergweh.com. Dass man ihm auf Facebook und Instagram folgen sollte, versteht sich sowieso von selbst: Einfach hier, hier und hier klicken.

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Reisen ist Teil des Snowboard-Lifestyles. Jenem Lifestyle, den auch Pleasure seit gut zwei Jahrzehnten propagiert. Mit Boardbag in ein entferntes Land reisen, dort kurz vor Mitternacht das Mietauto abholen, bemerken, dass keine Schneeketten montiert sind, es irgendwie schaffen, in die Unterkunft zu kommen, nach einer dreistündigen Nacht aus dem Bett gerissen werden ... und trotzdem einen Wahnsinnstag im Schnee haben. Reisen ist unerlässlich. Pleasure 130 widmet sich genau diesem Thema.