Taking Laps: Maxi Preissinger

Interview
Tassilo Hager
Markus Rohrbacher
Absolut Park
Erschienen in
Pleasure 124/125
Stefan Götschl

Taking Laps: Maxi Preissinger

Vom Pleasure-Youngblood zum „Air + Style“-Fahrer. Mit gerade mal achtzehn Jahren legt Maximilian Preissinger ein Tempo vor, dass man in der deutschen Snowboard-Szene lange nicht gesehen hat. Doch waren es keine harten Trainingseinheiten, sondern die Lust am Snowboarden, die seinen Werdegang so beschleunigt hat. Neben dem zweifelsohne vorhandenen Talent, fällt vor allem Maxis Style auf. Mit knapp zwei Metern Körpergröße ist es wahrlich keine Selbstverständlichkeit, dass man sich so smooth durch den Park bewegt, dabei kein Obstacle auslässt und zum Spaß noch einen McTwist in der Pipe dranhängt. Wir haben mit Maxi ein paar Runs durch den Absolut Park gemacht und uns über seine letzte Saison und Snowboarden im Jahr 2017 unterhalten.

Maxi fährt für Ride Snowboards, Vans, Bonfire, Oakley, Love, Planet Sports und den Absolut Park.

Maxi, seit November bist du im Team vom Absolut Park und jetzt bekommst du mit diesem Taking Laps auch schon dein erstes großes Print-Feature im Pleasure. Hättest du damit gerechnet?
Überhaupt nicht, ich wusste aber von Anfang an, dass ich mit dem Bernd [Egger] einen extrem coolen Teammanager habe, der mir viel ermöglichen wird und dass ich nun das ganze Jahr in einem der geilsten Parks Europas fahren gehen werde. Hier gibt es einfach jede Art von Obstacle, die man sich vorstellen kann.

Und wie kommt man, wie in deinem Fall, ohne Auto in den Absolut Park?
Puh, da muss man sich was einfallen lassen. Ich bevorzuge die Anreise mit meiner Mutter, einem Filmer oder einem Fotografen, ansonsten fahr ich aber mit dem Zug. Allerdings fährt der Anschluss-Bus nur bis vier Uhr nachmittags, wenn man den verpasst, hängt man in Radstadt fest.

Maxi Preissinger
Markus Rohrbacher
Absolut Park

Zum ersten Mal gesehen hab ich dich auf einem Rookie-Contest von DC in Kitzbühel. Da warst du elf. Damals hat dich deine Mutter noch überall hingefahren.
Ja, den Contest hat sogar meine Mutter entdeckt und mich gefragt ob ich da nicht mitmachen wollen würde. Nach dem Event hatte ich dann ein kleines Sponsoring von DC und meine Eltern haben mich fortan überall hingefahren wo ich hinwollte. Mein Vater ist Hochtourenführer beim Deutschen Alpenverein, für ihn war meine Begeisterung also sehr einfach nachzuvollziehen.

Schule und Snowboarden ging sich dabei immer gut nebeneinander aus?
Für mich wurde Snowboarden ziemlich schnell deutlich wichtiger als die Schule. Ich war in der zwölften Klasse bisher genauso viele Tage in der Schule, wie ich auf Contests und Snowboard-Trips unterwegs war. Meine Mutter hatte daher berechtigter Weise auch immer ihre Zweifel, ob alles gut geht, und jetzt kurz vor dem Abitur hab ich nun tatsächlich Stress den ganzen Stoff nachzuholen, den ich aufgrund von Snowboarden verpasst habe (Anmerkung der Redaktion: mittlerweile hat Maxi sein Abi in der Tasche).

Dafür warst du letzte Saison auch bei drei Air & Style Events am Start! Wie bist du da reingerutscht?
Mein ehemaliger DC-Teammanager Benny Wetscher hatte mich spontan angerufen und gefragt, ob ich als Ersatzfahrer beim Air & Style in Peking dabei sein möchte. Natürlich hab ich sofort ja gesagt, bin hingeflogen und dank Benny durfte ich auch bereits das komplette Training mitfahren. Was er damals schon wusste, mir aber nicht gesagt hatte: zwei Fahrer waren bereits ausgefallen und ich somit fix am Start. Doch erst am Abend vor dem eigentlichen Event erfuhr ich dann, dass ich bei der Quali dabei sein werde. Den Cut ins Finale hab ich zwar nicht geschafft, aber es ist trotzdem verrückt, oben auf dieser Rampe stehen zu dürfen, umgeben von den weltbesten Big-Air-Fahrern.

Dann kam der Air + Style Innsbruck und danach der Stopp in Los Angeles.
In Innsbruck war ich wieder nur Ersatzfahrer und bin dann gar nicht zum Einsatz gekommen. Und für L.A. hatte ich dann meine erste offizielle Einladung im Email-Postfach. Das war dann schon nochmal was ganz Anderes. Der L.A.-Event ist auch total verrückt. Es hat 30 Grad, alle fahren im T-Shirt und du befindest dich mitten in dieser gigantischen Stadt. Die Air & Style-Kicker sind auch immer ziemlich gut und fahren sich fast wie ein normaler Park-Jump.

Ist dir eigentlich bewusst geworden, dass du der einzige Nicht-Pro auf diesen Events bist? Während alle anderen Jungs einen Porsche in der Garage stehen haben, hat dich ja wahrscheinlich deine Mutter zum Flughafen gefahren.
In China haben wir Fahrer die Umkleidekabine des Olympiastadions genutzt und da gab es schon kurz diesen Moment, an dem ich mir dachte: Krass jetzt bin ich hier mit all diesen Super-Pros. Einfach die komplette Snowboard-Elite ist ja bei so einem Event vor Ort und dann fangen die Ersten an mit einem zu quatschen, zu fragen wo man herkommt und was man so macht und man merkt, dass selbst die zwanzig besten Snowboarder der Welt ganz normale Typen sind.

Hat sich durch diese Erfahrung dein Blick auf die Snowboarder geändert, zu denen du aufschaust?
Meine Lieblingsfahrer – David Benedek und Eero Ettala – haben eigentlich schon aufgehört oder sind gerade dabei, ihre Karrieren nach und nach zu beenden. Heute gibt es einfach so viele gute, junge Rider, da wird es schwierig sich festzulegen. Aber Ståle Sandbech ist natürlich der Hammer und auch ein rundum sympathischer und bodenständiger Typ.

Maxi Preissinger
David Vorkauf
Absolut Park

Empfindest du es auch so, dass es früher noch ein paar echte Superstars im Snowboarden gab, während heute unendlich viele auf einem wahnsinnig hohen Level fahren, ohne aber irgendwie zu polarisieren? Verstehst du, warum manche der Top-Contest-Fahrer trotz ihres Könnens heute ohne Sponsoren dastehen?
Ich kann das schon nachvollziehen. Die finanziellen Mittel der Sponsoren werden seit Jahren knapper, die Auswahl an Fahrern hingegen immer größer. Man merkt manchen auch tatsächlich den Druck an. So jemandem wie Mark McMorris ist sicher bewusst, wenn er diesmal wieder seine Tricks im Contest nicht stehen kann, wird sich der Sponsor eventuell nach einer Alternative umsehen, oder aber einen anderen Fahrer aus dem Team bevorzugen. Ich bin ziemlich froh, dass ich für Firmen fahren darf, denen Contest-Ergebnisse nicht so wichtig sind. Klar wird von mir erwartet, dass ich meine Sponsoren gut repräsentiere, aber eben nicht, weil ich wahnsinnig viel Kohle von ihnen bekomme, sondern weil ich einfach gern für sie fahr. Bei mir gibt es überhaupt keinen Druck, vielmehr basieren meine Deals auf einem recht freundschaftlichen Verhältnis. Es gab mal ein Angebot von Chiemsee, da wäre auch etwas mehr Geld im Spiel gewesen, aber ganz ehrlich, warum sollte ich für eine Firma fahren, deren Produkte ich mir nicht selber kaufen würde. Mit Bonfire bekomm ich jetzt dafür Klamotten von einer richtigen Snowboardfirma, die einfach geiles Zeug machen und meinen Klamotten-Style auch treffen.

Wie stellst du dir die Zeit nach dem Abitur vor?
Es wird sich sicher einiges ändern. Ich hoffe, mich voll aufs Snowboarden konzentrieren zu können und nicht mehr zwei Sachen gleichzeitig machen zu müssen. Durch die Schule hatte ich schon immer diesen Druck, der mich einfach nicht völlig unbeschwert snowboarden lies.

Ich erinnere mich, bei den letzten Laax-Open bist du bis ins Semi-Finale gekommen und noch bevor die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, bist du schon auf der Piste an mir vorbeigefetzt und hast gerufen, dass du dich beeilen musst um deinen Zug zu erwischen, damit du morgen wieder rechtzeitig in der Schule bist.
Ja, das war echt hart.

Maxi Preissinger
Markus Rohrbacher
Absolut Park

Gibt es bei dir auch schon Gedanken darüber, wie man den Absprung schafft? Also raus aus dem reinen Snowboarder-Leben und rein in den Alltag?
Mein Snowboarden kann und wird hoffentlich noch lang gehen, aber natürlich ist mir bewusst, dass man irgendwann einen ganz normalen Job machen muss, um für sein Leben aufzukommen. Auch die Chance, dass man nach der Karriere als gesponserter Fahrer irgendwo in der Snowboard-Branche unterkommt, ist leider gering, dafür gibt es einfach zu viele mit diesem Wunsch. Daher werde ich auf jeden Fall mit einem Studium anfangen.

Hast du das Gefühl, dass es Fahrer gibt, die Tricks machen, obwohl sie keinen Bock drauf haben, nur damit sie im Contest weiterkommen?
Die Frage ist eher, wieviel Spaß es generell macht, wenn man nur noch Contests fährt. Also über mehrere Jahre. Aber generell gehe ich davon aus, dass die Fahrer ihre Tricks gerne machen. Jemand wie Peetu Piiroinen zum Beispiel macht halt einfach keine Triples, sondern bombt lieber seinen Cab 12er bis ganz unten in die Landung rein. Am wichtigsten ist tatsächlich Konsistenz. Bei den Laax Open hab’ ich das besonders gemerkt, da bin ich ins Semi-Finale gefahren und dann ging es vom fahrerischen Niveau eigentlich erst richtig los. Der Run, mit dem ich mich ganz gut fürs Semi qualifizieren konnte, war dann plötzlich nichts mehr wert und durchschummeln funktioniert hier halt leider nicht.

Dann also vielleicht doch besser eine Karriere als Video-Fahrer?
Als ich mit dem Snowboarden angefangen habe, hab ich mir hundertmal den gleichen Isenseven-Film angesehen und kannte jeden Part auswendig. Heute gibt es die Filme ja gar nicht mehr auf DVD, sondern man schaut sie einmal online an und hat sie am nächsten Tag vergessen. Eine ganze Saison für einen Video-Part zu filmen, hat dadurch leider nicht mehr den Stellenwert, den es mal hatte. In meinen Augen liegt es aber auch an falschen Marketing-Entscheidungen der Industrie. Contestfahren ist extrem präsent und hier wird dann oft der professionelle Sportler und Athlet beworben und weniger der coole Snowboarder der Party macht, Scheiße baut und dazwischen halt snowboarden geht. Ich denke aber, viele Leute hätten genau auf diesen Typen Bock.

Video Embed Media

Müsste Snowboarden also wieder als etwas „rougher“ und unkonventioneller beworben werden, um das generelle Interesse auf sich zu ziehen?
Bei mir war es damals so, wenn man mit dem Snowboarden anfing, dann fühlte man sich als richtig cooler Typ und keiner hätte einen als ernsthaften Sportler wahrgenommen. Man wollte in erster Linie den Lifestyle verkörpern, der Snowboarden ausmacht. Da ging es auch darum, dass man Snowboarden gemeinsam mit seinen Kumpels macht. Wenn man diesen Aspekt wieder stärker in den Vordergrund stellen würde, dann hätten gerade auch jüngere Kids wieder mehr Lust drauf. Snowboarder sollten nicht dauernd als harte Athleten dargestellt werden, die ins Fitnessstudio gehen und sich permanent Gedanken über eine gesunde Ernährung machen, wenn sich nicht gerade krasse Tricks auf einem Contest zeigen.

Die Firmen erhoffen sich wahrscheinlich durch eine möglichst seriöse und professionelle Darstellung von Snowboarden, dass es für den Mainstream interessanter wird, erreichen dadurch aber das Gegenteil?
Genau, für Kids, die auf diese Art von Professionalität aus sind, konkurriert Snowboarden mit Sportarten wie Fußball oder Leichtathletik. Kann es da gewinnen? Eero Ettala hat sich Junk Food reingeschoben, jede Menge Quatsch gemacht in seinen Videos, war lustig und gleichzeitig ein saukrasser Snowboarder, dem man den Spaß an dem was er macht angesehen hat. Heutige Videos bestehen oft nur aus super Slow-Mo-Aufnahmen und Clips aus dem Gym. Mir ist Snowboarden in der Marketing-Darstellung teilweise zu ernst geworden. Man muss sich ja nicht zum Affen machen, aber man kann ruhig wieder mehr Ecken und Kanten zeigen, den Snowboard-Lifestyle leben und nicht in dieselbe Richtung gehen wie alle anderen Sportarten auch. Ich wünsche mir, dass die nächste Generation Snowboarden wieder so kennenlernt wie ich damals. Mit Fahrern, die einen Lifestyle leben und nicht einfach nur Profisportler sind.

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Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.