Ästhetiker: In Search Of ...

Travel Story
Bernd Egger
Mone Monsberger
Lofoten
Erschienen in
Powder Special 2017
Stefan Götschl

Ästhetiker: In Search Of ...

„Wer suchet, der findet“ lautet ein bekanntes Zitat. Die Frage ist nur, was man findet, wenn man erst mal sucht. Wir haben es gewagt und uns auf die Reise begeben. Wir, das ist eine kleine Fraktion der Ästhetiker: Wolle Nyvelt – Pro-Snowboarder und Äsmo-Ikone, Steve Gruber – Pro-Snowboarder und Biersommelier, Mone Monsberger – Snowboarder, Koch und der Stanley Kubrik des Snowboard-Business, und meine Wenigkeit – Snowboarder, passionierter Gelegenheits-Fotograf und Chronist dieser Suche. Die Suche nach Powder in Norwegen, genauer gesagt auf den Lofoten. Unser Ziel war definiert, nun hieß es nur noch, sich auf den Weg zu begeben. Die Mission klingt nicht übel: ein Wohnmobil, drei Wochen Zeit, vier Freunde und Powder ohne Ende in einer der schönsten Regionen dieser Welt.

Da wir unser Wohnmobil in Frankfurt abholen mussten, lautete die erste Mission: Verstauung unseres nicht gerade spärlichen Gepäcks. Acht Snowboards, vier Surfboards, sechs Äsmos und unzählige Klamotten. Dazu ein paar Nahrungsmittel und etwas mehr Bier. All das aufgeteilt in zwei Autos. Was zunächst unmöglich erschien oder eher an einen „Wetten Dass“-Beitrag erinnerte, wurde mit viel Strategie und noch viel mehr Krafteinsatz wider Erwarten doch irgendwie bewältigt, und unsere Reise konnte beginnen. „Norwegen – wir kommen“!

Von Mayrhofen über Frankfurt und Kopenhagen gelangten wir innerhalb von drei Tagen nach Hoddevik, einem bekannten Surfspot in Norwegen und der ersten Station unserer Reise. Da der Wetterbericht für den Norden nicht gerade Neuschnee prognostizierte, entschlossen wir uns, einige Tage hier zu verbringen, um zu Surfen. Wenn schon kein Pow, dann bitte Wellen. Und diese Entscheidung war mehr als richtig, da sich genau zu dieser Zeit ein guter Swell anbahnte. Auch wenn die Bedingungen nicht gerade an einen Bali-Urlaub erinnerten. Außentemperatur: arschkalt. Wasser: noch viel kälter. Dementsprechend ähnelte auch die Anzahl der anwesenden Surfern Bali nicht. Alles andere selbstverständlich auch nicht. Doch das war uns eigentlich alles egal, da diese Umstände einen bedeutenden Vorteil mit sich brachten. Nämlich keine Hektik. Weder an Land, noch im Wasser.

Dafür auf der Straße. Unser eigentliches Ziel hieß schließlich immer noch Lofoten, die gut 1000 Kilometer nördlich entfernt auf uns warten sollten. Keine Autobahnen, sondern kleinste, kurvige Straßen, welche immer wieder durch das Meer getrennt und nur durch Fähren miteinander verbunden wurden, galt es zu bewältigen. Also hieß es keine Zeit zu verlieren und sich wieder auf den Weg zu begeben. Und dieser Weg hatte es in sich. Überwältigt von den einzigartigen Naturschauspielen kamen wir schließlich doch irgendwann in Unstad an, unserem Ziel dieser Reise. Doch was war mit Powder? Wir sahen zwar Schnee, aber dieser war nicht frisch, sondern eher slushy!

„Was soll's“, dachten wir uns, in einer vielleicht etwas gespielten, stoischen Ruhe. Uns blieb ohnehin nichts Anderes übrig, als das Beste aus den vorhandenen Verhältnissen zu machen. Wir hatten immerhin noch unsere Surfboards dabei. Und zumindest damit waren wir hier genau am richtigen Ort. Gilt Unstad doch als einer der besten und bekanntesten Surfspots in Norwegen. Hinsichtlich des Zeitpunktes waren wir auch absolut richtig, denn es kündigte sich erneut ein vielversprechender Swell an. Alles mitzunehmen, was diese Reise bietet und nicht mit der Brechstange und Scheuklappen auf den Augen dem alleinigen Ziel „Powder“ hinterherzujagen, lautete unsere unausgesprochene, aber in jedem von uns verankerte Devise.

Unstad liegt über dem Polarkreis. Das hieß Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dazu waren wir derart isoliert, dass es dort weder einen Lebensmittelladen noch eine Bar gab. Von Internet ganz zu schweigen. Jegliche Annehmlichkeiten befanden sich etwa eine Autostunde entfernt. Von der üblichen Reizüberflutung, die unseren Alltag normalerweise bestimmt, keine Spur. Und genau das entpuppte sich für uns als wahres Paradies. Je unwirtlicher die Umgebung und je größer die Entbehrung, desto bereichernder sind schließlich die Erlebnisse.

Drei Tage und einige guten Wellen später wussten wir aber auch – obwohl noch immer kein Neuschnee in Aussicht war – dass wir jetzt unbedingt einen dieser unzähligen Berge um uns herum erklimmen mussten, um vielleicht wenigstens ein bis zwei gute Runs zu finden. Und nach längerem Scouten mit unserem Wohnmobil  wurden wir tatsächlich fündig. Unser Ziel: der Rundfjellet. Vom Tal aus sah die Schneelage dort oben sogar durchaus erwartungsvoll aus. Es schien Lines zu geben  und sogar ein größeres, offenes Feld für Jumps. Langer Rede kurzer Sinn: Wir parkten unser Gefährt gleich neben der Straße und begaben uns auf den langen, steilen Weg. Es war bereits 10 Uhr Abends und es regnete stark. Um Mitternacht gelangten wir dann völlig durchnässt auf eine Art Plateau, von welchem aus die Schneelage und das Gelände am Besten zu beurteilen war. Wie erwartet, nicht perfekt, aber auch nicht schlecht. Und getreu unserem Reisemotto galt es ohnehin wieder, das Beste aus der Situation zu machen. Aber für heute war es bereits zu spät. Wir kehrten also um, aßen noch etwas und hofften auf den nächsten Tag. Um ehrlich zu sein, gingen wir an diesem Abend mit wenig Hoffnung ins Bett. Den ganzen Trip über hatten wir keinen einzigen schönen Tag. Regen, Wind und Kälte war bis dato unser ständiger Begleiter. Die Aussichten auf eine perfekte Session waren also eher bescheiden. Dazu blieben uns nur noch zwei Tage, bevor wir den Rückweg antreten mussten.

Wie erwartet begrüßte uns das Murmeltier am nächsten Tag mit dem gleichen Bild, das wir seit zwei Wochen zu sehen bekamen. Regen und Wind. Trotzdem versuchten wir es und zogen los. Und als wir dann auf unser Ausgangsplateau gelangten, trauten wir unseren Augen nicht. Die Wolken verzogen sich und ganz langsam kam die Sonne zum Vorschein und verwandelte die Landschaft in ein Szenario, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Die Belohnung all unserer Mühen und Entbehrungen! Mit neuer Energie machten wir uns voll motiviert ans Werk und fanden auch schnell eine optimale Stelle für eine kleine Quarterpipe. Gleich daneben einen Felsen für Jibs. Aber natürlich wollten wir auch noch zum Gipfel, um unser eigentliches Ziel zu finden: Powderruns!

Drei Stunden später war es dann soweit. Vier Freunde und Shreddbuddies seit Jugendtagen standen zusammen im Abendlicht auf dem Rundfjellet. 1000 Meter über dem Meer, umgeben von Gipfeln und Fjorden. Alleine für diesem Moment hatte sich unsere Suche gelohnt. Und es sollte noch besser kommen. Der gemeinsame Run zurück ins Tal war in diesem Moment wohl der Beste, den wir jemals hatten. Zumindest fühlte es sich so an. Und auch im Nachhinein kann ich nur sagen, dass sich unsere Suche absolut gelohnt hatte ... Wir fanden zwar nicht unser eigentliches Ziel – Unmengen an Powder – dafür aber etwas viel Wichtigeres. Die Bedeutung wahrer Freundschaft.

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