RK1 Family Gathering

Interview
Stefan Götschl
Daniel Tengs
Stefan Götschl

RK1 Family Gathering

Die Geschichte hört sich eigentlich zu gut an, um wahr zu sein. Drei junge Norweger sind seit Kindestagen beste Freunde. Sie wachsen wenige Meter voneinander entfernt auf, gehen gemeinsam Snowboarden und machen auf sich aufmerksam. Jahre später zählen alle drei zu den weltweit besten Snowboardern, sind immer noch beste Freunde und, weil man ja keine halben Sachen macht, sind sie auch noch gemeinsam Pro auf Rome Snowboards. Der belesene Pleasure-Konsument weiß natürlich, von wem die Rede ist: Ståle Sandbech, Alek Oestreng und Len Roald Jørgensen. Auch bekannt als RK1. Für unsere „Awareness“-Ausgabe haben wir die drei zum Gespräch gebeten und sie gefragt, ob sie sich eigentlich bewusst sind, wie absurd ihre Geschichte eigentlich klingt. Ihre Antworten gibt’s im Interview.

RK1, mit welcher Frage sollen wir starten?
Len: Vielleicht mit der Frage, wie schwierig es eigentlich ist, die komplette RK1-Crew für ein Interview zusammenzutrommeln?

Gute Frage.
Ståle: Auf einer Skala von null bis zehn?

Eine glasklare zwölf.
Len: (lacht) Können wir dann jetzt endlich starten?

Ihr seid alle im gleichen Dorf aufgewachsen, richtig?
Alek: Richtig. In Rykkinn, ein kleiner Vorort von Oslo. Ich bin in der gleichen Straße und Ståle aufgewachsen. Len hat eine Straße weiter gewohnt.
Ståle: Ich kenne Alek schon so lange, wie ich denken kann. Len haben wir dann auf unserem Hausberg getroffen und uns direkt mit ihm angefreundet. Seitdem sind wir eine Shred-Family.

Wie darf man sich die Kindheit in Rykkinn vorstellen?
Len: Unsere Kindheit war relativ entspannt. Zur Schule gehen, essen, snowboarden, schlafen, am nächsten Tag genau das wiederholen. Unser Hausberg hatte zwar nur drei Lifte, aber eine ziemlich gute Snowboardszene. Wir waren dort jeden Tag und hatten immer jemanden zum shredden. Wenn alle Jungs am Start waren, bestand unsere Crew aus 50 Kindern. Es gab eine kleine Rail-Line, einen Jump und manchmal noch einen zweiten Jump. Außerdem gab es für kurze Zeit auch eine Mini-Pipe.

Eat. Sleep. Snowboard. Repeat.
Alek: Ganz genau. Schule am Tag, Snowboarden am Abend – und das jeden Tag!

Habt ihr damals schon über Themen wie Pros oder Sponsoring nachgedacht?
Alek: Ich denke nicht, dass wir das groß geplant haben. Aber natürlich war es von uns allen der große Traum …
Len: Naja. Zumindest wusste ich ziemlich schnell, dass ich für den Rest meines Lebens snowboarden will. Ein Job als Pro-Snowboarder wäre da schon hilfreich, dachte ich mir.
Ståle: Wir alle waren ziemlich schnell süchtig nach Snowboarden und haben schon früh davon geträumt, unser Hobby zum Beruf zu machen. Wir hatten zusammen einfach super viel Spaß und haben uns immer gegenseitig gepusht. Wahrscheinlich war es einfach nur natürlich, dass wir zusammen immer besser wurden.

RK1 ist ein Kürzel für Rykkinn. Was ist die Story dahinter? 
Ståle: Alek begann irgendwann damit, „RKN“ auf das Griptape seines Skateboards zu schreiben. Und da sich „N“ im Norwegischen genauso anhört wie „1“, wurde daraus kurze Zeit später RK1.
Len: RK1 sieht einfach auch wesentlich cooler an als „RKN“. In dieser Zeit entstand auch unser erster Edit …

Darin war schon zu sehen, dass euch Snowboarden mit Freunden ziemlich wichtig ist. Hat sich seitdem viel verändert?
Alek: Das Hauptziel von RK1 ist zu zeigen, dass Snowboarden mit Freunden das Größte ist. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Einfach nur gemeinsam cruisen und Spaß haben. Damit kann sich wohl auch jeder identifizieren.
Len: Absolut. Snowboarden genießt man am besten mit den Homies. Und jetzt stell dir mal vor, diese Homies zählen auch noch zu den besten Snowboardern der Welt? (lacht)
Ståle: Unser erster Edit war damals eigentlich nur eine natürliche Weiterentwicklung. Wir waren alle gemeinsam unterwegs und Olav hat uns währenddessen gefilmt. So hat es begonnen und so läuft es immer noch.

Apropos Olav. Kein RK1-Interview ohne eine Erwähnung von Olav Stubberud …
Len: Olav Stubberud, der Mann mit dem Auge …
Alek: Er war von Anfang an mit am Start, hat uns alle gefilmt und zählt zu unseren besten Freunden. RK1 wäre ohne Olav nicht das, was es heute ist.
Ståle: Außerdem steht er darauf, oben ohne durchs Bild zu fahren. Schon alleine das macht unsere Filme einzigartig (lacht). Olav ist ein absolutes Genie hinter der Kamera und wenn es ums Schneiden von Videos geht. Bisher habe ich mit keinem besseren Filmer zusammengearbeitet.

Len Jørgensen
Ståle Sandbech
Len Jørgensen

Okay. Aber nochmal fürs Protokoll: Drei Typen wachsen im gleichen Dorf auf, verbringen ihre Kindheit und Jugend gemeinsam auf dem Snowboard, schaffen zusammen den Durchbruch als Pro und haben sogar alle ein Promodell bei der gleichen Brand. Hört sich eigentlich zu gut um wahr zu sein an, oder?
Len: Ja, wenn du es so sagst, hört es sich absolut verrückt an. Ein bisschen nach Märchenfilm und so. Trotzdem sind wir natürlich über-stoked, dass es so ist, wie es ist!
Ståle: Len hat Recht. Das hört sich ja fast schon etwas unheimlich an. Aber ich glaube, dass es zu der Zeit, als wir mit unseren ersten Videos anfingen, auch einfach „neu“ war. Zumindest haben wir genau das als Feedback bekommen. In unseren Videos ist nichts gestellt. Wir waren einfach zusammen snowboarden und Olav war mit der Kamera dabei. Klar, für unseren Kurzfilm hatten wir auch ein paar „private“ Sessions, aber letztendlich kann jedes Kid diese Art von Edit machen.

Trotz der märchenhaften Geschichte hinter RK1 habt ihr mittlerweile einen ziemlich hektischen Terminkalender. Könnt ihr während der Saison noch viel gemeinsam snowboarden?
Len: Glücklicherweise hatten Alek und ich die Chance, in den letzten beiden Jahren viel gemeinsam fahren zu gehen …
Alek: Seit ich keine Contest mehr fahre, konnte ich viel mit Len zusammen filmen. Jetzt muss nur noch Ståle seine Goldmedaillen gewinnen, dann ist die Crew wieder vereint.
Ståle: Ich versuch’s ja. Diese Saison war aber erneut extrem hektisch. Im Winter vermisse ich die Jungs deshalb schon sehr. Allerdings ist es mittlerweile eine Art Tradition geworden, dass wir im Frühling alle gemeinsam nach Hause kommen und dort die Spring-Shred-Saison ausnützen.

Ståle Sandbech

Bestes Beispiel: Eure letztjährige Session in Hovden.
Len: Ja, dort haben wir unsere persönliche Spring-Session bekommen. Als mir Alek erstmals von seinen Plänen erzählte, hat es sich nach dem besten Feature überhaupt angehört.
Ståle: Und das war es auch!
Alek: Eine Woche vor der Session war ich mit Ståle auf einem Shoot, dort haben wir den Bully-Fahrer von Hovden getroffen. Während dem Abendessen haben wir ihn spontan gefragt, ob die Möglichkeit besteht, nächste Woche ein Shooting in Hovden zu organisieren. Er war direkt von der Idee begeistert und wir haben den ersten Entwurf des Obstacles auf einer Serviette gezeichnet. Einige Tage haben wir dann auch schon in Hovden mit dem Schaufeln begonnen.
Ståle: Wir wollten einfach etwas kreieren, auf dem man sich austoben kann. In den letzten Jahren haben wir einfach so viele krasse Tricks und Jumps gesehen … wir wollten das Ganze kreativer angehen. Das Feature sollte verspielt sein und verschiedene Optionen für verschiedene Tricks bieten. Und genau das ist es dann auch geworden.
Alek: Eine viertägige Session mit Snowboarden, Freunden, BBQ und Bier. Genau das, was eben RK1 ausmacht.

Perfekt. Damit seid ihr auch schon wieder entlassen. Gibt’s zum Abschluss noch einen Tipp für all jene Kids, die in die RK1-Fußstapfen treten wollen?
Len: Geht Snowboarden. Geht Snowboarden. Geht Snowboarden. Filmt euch gegenseitig. Geht Snowboarden. Und am wichtigsten: Habt Spaß dabei.

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Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.