Interview: Blake Paul

Interview
Gabor Abonyi
Matt Georges
Erschienen in
Powder Special 2020
PLSR-Online

Interview: Blake Paul

Das folgende Interview wurde im Powder Special 2020 gedruckt. Dieses kann man hier direkt bestellen und nach Hause geliefert bekommen, oder die Online-Version lesen. Wem das nicht genug ist, der sollte am besten ein Abo abschließen und dabei bares Geld sparen und eine feine Abo-Prämie einsacken!

In einer Snowboard-Welt, in der die Individualität - sei es was Technik und Style oder Persönlichkeit angeht - immer mehr verloren geht, ist es erfrischend jemanden wie Blake Paul zu sehen. Er verbindet das Beste beider Welten und weiß es zu schätzen, woher er kommt und welche Möglichkeiten ihm eröffnet wurden und hat darüber hinaus sehr interessante und vor allem respektable Ansichten.

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Mit „Landline“, „Pulp“ und einigen anderen größeren Videos warst du über die letzten Jahre in eine ganze Menge von Film-Projekten involviert. Für welches Projekt hat es am meisten Spaß gemacht zu arbeiten und welches hat für dich persönlich den größten Erfolg dargestellt?

Landline - Dieser Film ist mit Sicherheit etwas, worauf ich für immer stolz zurückblicken kann. Ich bin natürlich immer motiviert, wenn es darum geht für ein Projekt zu filmen, aber für Landline zu filmen war eine wahre Ehre. Das Team bei Vans hat sich wirklich gut um uns gekümmert und einiges in Bewegung gesetzt, einfach um einen Film in voller Länge zu produzieren. Danke an Kevin Casillo und Tanner Pendelton an dieser Stelle!
Auf kaum einem anderen Film-Trip hatte ich mehr Spaß als auf unserem Trip nach Japan für Pulp. Es hat jede Nacht geschneit, wir hatten all die guten Zones und Spots am Start und zeitgleich war noch eine andere Crew mit einigen Freunden in der Nähe, mit denen wir abhängen konnten. Es fühlte sich an, als wären wir einfach am Blödsinn machen gewesen, nicht im Geringsten als würde es um irgendwas gehen. Am Ende waren wir wirklich produktiv und die Footage war obendrauf noch mit die Beste im Film.

 

Wer hatte den größten Einfluss auf dich als Fahrer damals und heute?

Als ich richtig jung war, waren es mein älterer Bruder und meine Familie, die den größten Einfluss darauf hatten, dass ich dem Snowboarden verfallen bin. Ich habe einfach schon immer zu meinem Bruder aufgeschaut, der eben Skateboard und Snowboard gefahren ist. Meine Familie ist dann nach Jackson gezogen und schlussendlich habe ich dort dann Travis Rice und Bryan Iguchi getroffen. Die waren wahre Local Heroes, das war eine große Sache für mich. Am Ende war es Bryan Iguchi, der mich unter seine Fittiche nahm und mir zeigte, was es brauchte um es zu schaffen. Daraufhin traf lernte ich Aaron Robinson kennen, der mich einlud in seinem Video-Projekt dabei zu sein und mir tonnenweise Möglichkeiten eröffnete. Aarons Art war ansteckend. Mit ihm sah ich jemanden, der seine Träume auslebte - und das nach seinen eigenen Regeln.
Heutzutage ist es einfach sich von überall her inspirieren zu lassen. Skateboarden und Surfen ergänzen Snowboarden natürlich gut in der Off-Season, daher bin ich sehr interessiert, was in diesen Welten so passiert. Meine Freunde spielen eine zentrale Rolle, wenn es um Inspiration geht - sie beeinflussen das, was in meinem Kopf geschieht gleichermaßen wie das Geschehen um mich herum.

 

Was ist deine Sicht auf Snowboarding dieser Tage - im Backcountry oder Contests?

Was Snowboarden allgemein angeht, gibt des derzeit einfach eine Menge zu verarbeiten. Auch wenn die Snowboard-Industrie derzeit nicht in der besten Verfassung ist, habe ich das Gefühl, dass Snowboarding an sich immer noch wächst. Nie hat es mehr Pro-Snowboarder gegeben, nie mehr Video-Projekte, mehr Contests und so weiter. Und all das trägt sich weiter. Das in Verbindung mit der einfach verrückten Menge an Content, den das Ganze produziert, ist es unmöglich alles gut zu finden oder überhaupt zu verarbeiten. Ich habe keinen Bezug zum derzeitigen Constest-Snowboarding, noch habe ich eine wirkliche Meinung dazu. Nichtsdestotrotz ist es Wahnsinn, Danny Davis Pipe fahren zu sehen und ich habe Respekt für jeden, der sein Ziel in der Snowboard-Welt verfolgt, was auch immer das sein mag.
Im Backcountry-Snowboarding wird es immer um die persönliche Entwicklung und das finden des richtigen Terrains gehen, denke ich. Ich habe das Gefühl, dass Snowboarder heutzutage dabei sind, die Grenzen dessen zu erreichen, was möglich ist, angesichts der Größe der Jumps und Anzahl der Flips.
Wie dem auch sei - ein gut in Szene gesetzter Shot von einem dicken Trick in natürlicher Landschaft trifft immer ins Schwarze. Hoffentlich ist es die künstlerische Seite, die den Leuten schlussendlich mehr geben kann als die „Stunt-Seite“.
Ich sage mal, dass derzeit eine Menge Leute vom Snowboard-Lifestyle und dessen Vibe leben, ohne dabei Videos, Fotos oder sonst etwas raus zu bringen, das „legit“ ist. Die Industrie füttert Leute durch, die auf dem Influencer-Vibe mitschwimmen und das ist einfach traurig. Man muss einfach diejenigen respektieren, die draußen sind, sich selbst und den Sport pushen um Projekte zu realisieren auf Basis dessen, was Snowboarden ihnen ermöglicht. Diese Leute, die mit ganzem Herzen dabei sind und nicht wegen ihrem Ego, sind es, die es richtig machen.

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Blake Paul
Matt Georges
Chamonix

Das ganze Interview gibt es im Powder Special 2020 nachzulesen oder digital in der Online-Version und mehr von Blake Paul gibt's auf Instagram.

Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.