René Eckert - der Anti-Künstler

Interview
Björn Köcher
Adrian Keidel
Erschienen in
Pleasure 131
Eileen Broadhead

René Eckert - der Anti-Künstler

Um dieses Interview mit Deutschlands kontroversestem Snowboardfilmemacher zuführen, musste unser Autor Björn Köcher in ein Bundesland fahren, dessen Image inpuncto Weltoffenheit derzeit kaum schlechter sein könnte: Sachsen – oder genauer; das Vogtland. Treffen wollte er mit dem Mann hinter „Blickinsfreie“ einen Menschen, der dem professionellen Snowboarden vor einigen Jahren bewusst den Rücken kehrte. Alles in allem also keine guten Voraussetzungen. Zurückgekommen ist erjedoch mit Antworten, in denen mehr ehrliche Liebe zum Snowboarden und Respekt gegenüber der Gesellschaft stecken, als wir das für möglich gehalten hätten. Und mit einer Message an die großen Persönlichkeiten des Snowboardens, die durchaus das Potenzial hat, in der Szene für einigen Wirbel zu sorgen.

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Rene Eckert
Jannik Saunus
Harry Putz/ René Eckert
Marcel Laemmerhirt

René, du bist jetzt 38 und mit etwas Pech säße ich jetzt in der Küche eines pensionierten Skispringers. 

Als Kind war ich zu DDR-Zeiten tatsächlich mal in einer Arbeitsgemeinschaft Skispringen. Für einen Tag. Der Trainer sagte zu mir: Lern erstmal den Berg runterzufahren. Das tat ich dann auch – und fuhr direkt in einen Zaun. Da war Wintersport für mich erst einmal gegessen.

 

Trotzdem bist du zum Glück irgendwann auf einem Snowboard gelandet.

1999 hat mir ein Freund sein altes Board gegeben und gesagt: Fahr doch einfachmal mit. Plötzlich stand ich also mit uralten Klamotten und einem gebrauchten Brett auf dem Hintertuxer Gletscher und nach etwas Üben direkt an der Gefrorenen Wand. An dem Tag hat es Klick gemacht und wir sind eigentlich alle zwei Wochen hier aus dem Vogtland in die Alpen gefahren. Manchmal auch nur für einen Tag, wenn es guten Schnee hatte. Früh morgens um vier Uhr los und nachmittags zurück. Bald war ich so gut, dass ich Materialsponsorings von Atomic, Nitro und Ripzone bekommen habe, für die es zum Glück absolut okay war, dass mich Wettbewerbe oder Snowparks nie interessiert haben. So konnte ich meine Kreativität ausleben, indem ich mit Freunden abseits der Piste die Landschaft für mein Riding genutzt habe.

 

Und dann kam die Filmerei ins Spiel?

Die war schon vorher da: Ich hatte immer die Videokamera von meinen Eltern dabei, um meine Freunde beim Snowboarden zu filmen. Allerdings war es damals illusorisch, mir einen Computer zum Filme schneiden zu kaufen. Also habe ich zwei Videorekorder mit VHS-Kassetten genommen und mit Play auf dem einen und Record auf dem anderen Gerät meine ersten Filme geschnitten. Aber warte, es kommt noch besser. Um Ton auf die Filme zu bekommen, habe ich mein Zimmer komplett abgedunkelt und auf der Stereoanlage die Musik abgespielt, die ich aufdem Film haben wollte. Parallel lief der Film auf meinem Fernseher und ich habe das dann wieder mit der Kamera abgefilmt. So hatte ich am Ende einen Film in – nach heutigem Standard – mieser Bildqualität, aber eben geschnitten und mit guter Musik versehen.

 

Wann hast du gemerkt, hast Du mit dem Filmen auch Geld verdienenkönntest?

Im Jahr 2004 hat mich der damalige Asshall Skate-Crew Manager Mirko Holzmüller gefragt, ob ich nicht mit ein paar Skateboardern ein cooles Video machen wollte, das nicht nur ein plattes Action-Video ist. Das war damals nämlich der Standard, so wie beim Snowboarden ja auch. Mir ging es dagegen – und geht es auch immer noch – vor allem um Geschichten. Ich wollte, dass man die Protagonisten meiner Filmeauch kennen lernt. So entstand mit „Keep On Rolling“ mein erster wirklicher Film, der dann auch als DVD dem Playboard Magazin beilag. Der Film war in der Skateboard-Szene echt umstritten. Einige waren eher so drauf: Keine Fisheye-Aufnahmen, kaum Follow-Cams – was soll das? Andere wiederum haben den Film als den bis dato besten deutschen Skateboardfilm gefeiert. So gingen die Meinungen auseinander und das fand ich cool – schließlich wollte ich bewusst was anderes machen und das schien funktioniert zu haben.

Adrian Keidel
Adrian Keidel
Adrian Keidel

Den Rest der Story über René's Anfänge und wo er heute steht, lest ihr in der Ausgabe 131. Habt ihr nicht? Skandal! Dann besser direkt hier bestellen oder – noch viel besser – Abo abschließen oder Online abonnieren, Prämie absahnen und nie mehr eine Ausgabe verpassen.

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