Interview: Gigi Rüf

Interview
Michi Lehmann
Mike Yoshida
Eileen Broadhead

Interview: Gigi Rüf

Gigi Rüf ist etwas Besonderes. Für mich persönlich und mit Sicherheit auch für die gesamte Snowboardwelt. Wo sein Name auftaucht, hat es fast schon etwas Heroisches. Und gleichzeitig ist das Vorarlberger Urgestein für jedermann nahbar, wie ein guter Freund. Er ist nicht beliebig austauschbar, wie viele junge Talente oder ein neues Produkt, das vielleicht nur eine bestimmte Zeit überzeugt. Wenn man im Regal nach der Marke „Gigi“ greift, weiß man, was man bekommt. Das ist beruhigend und gibt unserer sich rasant verändernden Branche einen gewissen Halt. Was er selbst über den Wandel im Snowboarden und seinen ganz persönlichen Weg denkt, erzählt er im Interview.

Gigi, was assoziierst du mit dem Begriff „Transitions“, dem inhaltlichen Raster dieser Ausgabe?

Ich denke da an Wellen. An die Möglichkeit, hoch abzuheben, aber auch an die Kunst, „geschmeidig“ wieder zu landen. Die Geschwindigkeit mit perfekten Übergängen im Fluss zu halten ...


Hört sich nach einer Kurzbeschreibung deiner Art zu Snowboarden an. Hattest du schon immer ein Auge für Transitions oder hast du das mit der Zeit gelernt?

Im Boardsport geht es ja auch um nichts anderes, als Transitions richtig zu nutzen. Ich bin in den Bergen aufgewachsen und meine beide Elternteile stammen aus der Landwirtschaft. Da war es für mich als Kind normal, die Hügel rauf und wieder runter zu rennen. Von dem her interessiere mich wahrscheinlich schon immer unterbewusst für diese Facetten des Snowboardens.

 

Gigi Rüf
Mike Yoshida

Wie ordnest du dein Riding der letzten Jahre ein und was hat sich verändert?

Ich habe „spielerisch“ erfahren, was Snowboarden wirklich für mich bedeutet. Es ging immer darum, gemeinsam mit Freunden im offenen Gelände nach Möglichkeiten zu suchen, sich auszutoben. Und es war mir eine Genugtuung, meine Line selbst zu wählen und mich auszuprobieren. All die Einflüsse, die dann der große Boom mit sich gebracht hat - also Snowparks, Big Airs und all das, haben mich zum Filmen geführt. Im Jahr 2000 gab es noch keine europäischen Snowboardvideos und ich war der erste Mitteleuropäer, der einen Videopart mit einer amerikanischen Produktion gefilmt hat. Im Nachhinein betrachtet war ich wohl oftmals einfach am Puls der Zeit. Das hat mir erlaubt, ständig über mich selbst hinauszuwachsen und ganz natürlich besser werden zu werden. Heutzutage ist es mehr oder weniger eine konstante Leistung, die ich abliefern will. 


Vermisst du etwas, wenn du an die „Golden Days“ im Snowboarden zurückdenkst?

Überhaupt nicht. Für mich ist es heute besser als damals. Durch die Tour habe ich sogar noch mehr Freunde dazu gewonnen. Es gibt vieles, was heute besser ist: die Parks, Bindungen, die Boards, die Ungezwungenheit an Styles. Und es gibt Powder-Surfer, die die Berge von Neuem in den Himmel wachsen lassen (lacht).


Letzte Frage: Hast du das Gefühl mit ein paar anderen großen Namen im Snowboarden, die „letzten Ihrer Art“ zu sein?

Überhaupt nicht. Und was sind schon große Namen? Als ich das erste Mal auf dem Brett gestanden bin, konnte ich mit den „großen Namen“ auch nichts anfangen. Entweder man findet einen Charakter cool – oder eben nicht. Das soll jemanden aber nicht davon abhalten, Snowboarden zu gehen. Heute gibt es für mich immer noch Vorbilder: Terje, Jamie, Iguchi oder sogar Tom Burt und Chris Roach. Und ich habe vor, ebenfalls beim Snowboarden zu bleiben. Bis ins hohe Alter ...

Gigi Rüf
Mike Yoshida

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Transitions – das sind die Übergänge zwischen Zuständen und Momenten, die sich aneinanderreihen zu Eindrücken und Ereignissen, die zu Erinnerungen werden und zu Erfahrungen kumulieren. Transitions – das sind die Wege, auf denen sich Veränderungen abspielen. Pleasure Ausgabe 132 widmet sich eben jenen Transitions. Viel Spaß damit.