Contraddiction - Elias Elhardt

Interview
Michi Lehmann
Carlos Blanchard
Erschienen in
Pleasure 131
Eileen Broadhead

Contraddiction - Elias Elhardt

Elias Elhardt ist anders. Anders als der Großteil seiner Mitstreiter, die mit ihrem Können auf dem Brett ihre Brötchen verdienen. Er ist kein Snowboarder, der als „Role Model“ auf dem internationalen Parkett gängige Formationen tanzt sondern einer, der lieber seinen ganz eigenen Takt vorgibt – auch wenn andere bei diesem Rhythmus durchaus mal ins Stolpern geraten. Er reflektiert, analysiert und agiert. Dabei geht es ihm um eine „ehrliche Auseinandersetzung mit den Dingen“ – erst recht, wenn damit Snowboarden gemeint ist. Denn das liegt ihm „nun mal so am Herzen, wie kaum etwas anderes.“ Warum er trotzdem Widersprüche in seiner großen Liebe sieht, erklärt er im Interview.

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Elias, wenn du ein Superheld sein könntest, welcher wäre das und warum?

Mit Superhelden kenne ich mich leider nicht so gut aus. Von daher finde ich meine Helden eher im wahren Leben. Da fallen mir zum Beispiel meine Eltern ein. In Bezug auf Snowboarden würde ich vielleicht Travis Rice so bezeichnen. Er war vor kurzem bei mir zu Besuch - wenn ich darüber nachdenke, passt diese Bezeichnung ganz gut zu ihm. Letztendlich sind aber Superhelden immer nur das, was die Leute aus ihnen machen: Projektionsflächen der eigenen Wünsche. So sind die meisten Superhelden für mich zu einfachen Menschen geworden, mit ihren ganz eigenen Wünschen und Unsicherheiten. Das gilt für meine Eltern ebenso wie für Travis Rice.

 

Du selbst würdest dich nie als Superheld bezeichnen, obwohl du der beste deutsche Snowboarder bist?

Um ehrlich zu sein, vergesse ich zwischen all den kleinen Unsicherheiten die der Alltag so mit sich bringt meist, dass ich etwas besonders gut kann. Dann bewundere ich eher andere, wie sie mit absolutem Selbstverständnis das tun, was sie am besten können.

 

Über deine „Rolle“ als Snowboardprofi sprichst du übergreifende Themen an.

Ja, ich glaube der Zugang zu den meisten großen Themen gelingt am besten durch ein relativ kleines Fenster der Aufmerksamkeit. Snowboarden ist dafür eine gute Platform. Es lassen sich tolle Geschichten erzählen, die weit über die reine Ästhetik und Leistung hinaus gehen.

Was du mit deinem eigenen Filmprojekt, das nächste Saison veröffentlicht werden soll, auch machen möchtest, richtig?

Auf jeden Fall. Ich habe zusammen mit den Filmemachern „A common Future“ seit gut einem Jahr an „Contraddiction“, meinem ersten eigenen Film gearbeitet. Das war definitiv schwerer als alle anderen Projekte, in die ich bisher involviert war. Dafür aber auch extrem spannend und schön, da wir an etwas gearbeitet haben, das unserer Idealvorstellungen von einem Snowboardfilm möglichst nahe kommt. Ich glaube Snowboarden hat bereits genügend reine Action-Streifen und vielleicht etwas zu wenige Filme mit mehr Substanz.

 

In deinem Film tauchen Fahrer wie Gigi Rüf, Arthur Longo aber auch alte Freunde wie zum Beispiel Marco Smolla auf, der mittlerweile keine aktive Profikarriere mehr verfolgt.

 

Um Snowboarden so beeindruckend und schön wie möglich darzustellen, hilft es natürlich ungemein herausragende Fahrer wie Arthur Longo oder auch Gigi Rüf dabei zu haben. Zusammen mit Marco sind das alles gute Freunde die sich auch außerhalb des Snowboardens Gedanken machen. Gigi ist zum Beispiel jemand der diesen verspielten, kindlichen Teil in sich bewahrt hat und trotzdem ein verantwortungsvoller Mensch und toller Vater ist. Ich selbst bin jetzt seit knapp 10 Jahren beruflich Profisnowboarder und dankbar, dass so viele Träume für mich in Erfüllung gegangen sind. Seien es Contesterfolge, Videoparts oder auch unglaubliche Reisen, von denen ich immer geträumt habe. Und trotzdem begleiten mich da auch generelle Fragen über die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, die ich immer wieder aufs Neue beantworten muss. Auf eine Art ist dieser Film der schönste Liebesbrief, den ich an Snowboarden habe schreiben können. Schließlich geht es um Aufrichtigkeit und um die Wertschätzung die da ist obwohl, oder gerade weil nicht alles perfekt ist.

 

Machst du dir Gedanken, was nach deiner Karriere kommt?

Die Snowboardwelt macht einen so wichtigen und großen Teil meines Lebens aus, dass ich ihr auf jeden Fall immer verbunden sein werde. Mir ist bewusst, dass ich nicht ewig Snowboardprofi sein kann. Abgesehen von der körperlichen Komponente die irgendwann eine Rolle spielen wird, brauche ich auch selbst immer wieder neue Ziele. Im Moment bin ich absolut begeistert mein Snowboarden in den nächsten Jahren mit dem Filmemachen zu verbinden. Ich glaube, es gibt in dem Zusammenhang noch ganz tolle Geschichten zu erzählen. Snowboarden hat mich gelehrt, mich immer wieder spielerisch an Veränderungen anzupassen und damit voller Zuversicht ins Ungewisse zu starten.

Mehr von Elias über Nachhaltigkeit und seinen Film "Contraddiction", lest ihr in der Ausgabe 131. Habt ihr nicht? Skandal! Dann besser direkt hier bestellen oder – noch besser – Abo abschließenOnline abonnieren, Prämie absahnen und nie mehr eine Ausgabe verpassen.

Transitions – das sind die Übergänge zwischen Zuständen und Momenten, die sich aneinanderreihen zu Eindrücken und Ereignissen, die zu Erinnerungen werden und zu Erfahrungen kumulieren. Transitions – das sind die Wege, auf denen sich Veränderungen abspielen. Pleasure Ausgabe 132 widmet sich eben jenen Transitions. Viel Spaß damit.