Influencers: Nicolas Müller

Portrait
Christian Öfner
Erschienen in
Pleasure 121
Stefan Götschl

Influencers: Nicolas Müller

Nicolas Müller nur als einen der besten Fahrer unserer Zeit abzutun, wird dem Schweizer nicht gerecht. Wenngleich es nicht zur Debatte steht, dass der Eidgenosse mit seinem Style und dem spielerischen Umgang des Geländes Snowboarding nachhaltig geprägt hat, steckt hinter der Fassade mehr als Powder, Butters, Methods und Pillow Lines. Nicolas Müller hat sich als Fahrer immer wieder neuerfunden, ist seit knapp 20 Jahren fester Bestandteil der Snowboardwelt und hat schon allein deshalb sehr viel erlebt. Erlebnisse, die ihn verändert und geprägt haben und ihn zum interessanten Gesprächspartner werden ließen. Jemand, der eine Meinung vertritt und sich nicht scheut, diese kundzutun. Der Gnu-Fahrer fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle des Gurus, der für Snowboarden nur das Beste will.

Holt Nicolas Müller aus, klingt das meist tiefenentspannt. In langsamen – schließlich ist man Schweizer – wohlbedachten Worten erhält man Einblick in die müller’sche Welt. In Rage gerät er dabei selten. Dafür ist er zu höflich und zu positiv gestimmt. Ein Blatt vor den Mund nehmen muss der Laax-Local dennoch schon längst nicht mehr. Wer seit 16 Jahren Pro ist und zu den Besten der Zunft zählt, muss niemandem etwas beweisen und kann es sich erlauben, ehrlich zu sein. Auch – und vor allem gerade wenn – das niemand hören möchte. So geschehen während eines Interviews mit Nicolas Müller und Fredi Kalbermatten für Ausgabe 120, als er sein Bild einer funktionierenden Sponsoring-Zusammenarbeit klarstellte und wenig Gutes an Fredis ehemaligen Sponsoren ließ. Da war er. Einer der wenigen Momente, während denen der freundliche Zeitgenosse auch mal laut werden kann. Die Norm sieht anders aus und hat auch mal etwas Hippie-esques. Snowboarden ist schön, wir retten die Welt, lasst uns die Arme reichen ... „it’s all about having fun“ ... Man hat es bestimmt schon mal gehört.

Nicolas Müller
Scott Serfas

Seine Liebe zu Snowboarden ergibt sich binnen weniger Sekunden. Nicolas hat in Snowboarden etwas gefunden, dass ihn als Lebensmittelpunkt erfreut und ihm deshalb so schützenswert scheint. Es ist sein Snowboarding. Und davon hat der 34-Jährige ein ziemlich konkretes Bild. Zwar lässt er andere Meinung gleichermaßen zu und schreibt niemandem vor, wie man Snowboard zu fahren hat ... dennoch stellt er auch klar, wie seine Variante von Snowboarding auszusehen hat, damit er sich darin wohl fühlt.

Man muss nicht immer seiner Meinung sein. Ihm zugute halten, dass er eine hat und diese vertritt, allerdings schon. Nicolas Müller macht sich Gedanken. Jeder davon zählt. Erst recht in einer Welt, in der zu viele Argumente zu oft einfach nachgeplappert werden, ohne sie auf deren Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Es tut gut, jemanden zu Wort kommen zu lassen, der in der Lage ist, eine eigene Meinung zu konstruieren. Kann der dann auch noch Methods vom anderen Stern, macht es das noch etwas angenehmer.

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Die Idee zum Titel-Thema dieser Ausgabe, „Generations“, entstand vor dem Hintergrund, dass die jüngsten Pleasure-Mitarbeiter bei Erscheinen der ersten Ausgaben noch nicht einmal gezeugt waren. „Never Grow Up“ ist in diesem Fall aber nicht nur ein schlechter Spruch für einen Bumper-Sticker, sondern der wunderbare Vorsatz, jugendlichem Enthusiasmus und positiver Unbeschwertheit für immer einen festen Platz im Leben zu geben. Snowboarden hilft dabei ungemein. Viel Spaß mit Pleasure Ausgabe 133.