Influencers: JP Walker

Portrait
Christian Öfner
Daniel Tengs
Erschienen in
Pleasure 121
Stefan Götschl

Influencers: JP Walker

Jibben hat eine lange Tradition. Seit den Anfängen wurde über Picknick-Tische gerutscht, wurden Baumstämme gebonkt und Pistenbegrenzungen zweckentfremdet. Dann kam JP Walker. Und mit einem Mal war nichts mehr, wie es davor war. Die Gattung Street-Snowboarder war geboren und mit einem Schlag sah Snowboarden mehr als jemals zuvor wie Skateboarden aus. Rails, Ledges, Stufen ... als JP Walker sich seiner Skate-Wurzeln besann, veränderte er damit Snowboarden maßgeblich. Damit nicht genug. Der Salt-Lake-City-Local gab sich nicht damit zufrieden, das gängige Snowboardterrain um ein paar (urbane) Aspekte zu bereichern, sondern trieb bereits in den ersten Jahren die Trickprogression auf einen ganz anderen Level. Zu Beginn verging kaum eine Saison, nach der man nicht fassungslos vor dem VHS-Player saß und kaum glauben konnte, was Streetsnowboarding fortan erlaubte. Ein jährlicher Quantensprung. Auf Boardslides folgten Frontboards. Auf Frontboards Lipslides. Auf Lipslides Nosepresses. Auf Nosepresses 270s. Und so weiter.

JP Walker
Pasi Salminen
Helsinki

JP Walker war Sperrspitze dieser Bewegung und eines der Aushängeschilder von Forum Snowboards. Ein elitäres Team von acht Fahrern, das Freestyle-Snowboarding wie wohl kaum jemand zuvor den Stempel aufdrückte. Wenngleich es falsch wäre, JP dafür alleine verantwortlich zu machen oder ihn auf Rails zu reduzieren (wir erinnern mal eben an den ersten Double Cork, für den Herr Walker ebenfalls verantwortlich war), steht außer Frage, dass Bedeutung für die Snowboardwelt vor allem aus seiner Rolle als Wegweiser für Streetsnowboarding rührt.

Trotz seiner 39 Jahre hat JP Walker nichts von seiner Motivation eingebüßt. Füße hoch, zurücklehnen und auf den mittlerweile zentnerschweren Lorbeeren ausruhen? Für den Don keine Option. Er hat sich die jugendliche Motivation bewahrt und wird beim ersten Schneefall immer noch ähnlich nervös wie noch vor knapp 20 Jahren. JP hat gelernt, seine Erfahrung zu nutzen. Das heißt einerseits auf seinen Körper zu hören, der mehr Pausen als früher braucht und Slams nicht mehr so wegzustecken vermag. Das heißt andererseits aber auch, dass alles noch funktioniert, wenn er sich an die eigenen Regeln hält. Wo andere – jüngere – Fahrer in der Crew nervös werden, den Trick erzwingen wollen und Schmerzen in Kauf nehmen, kann JP auch mal warten. Auf den nächsten Spot, den nächsten Tag, den nächsten Trick. Er wird kommen. Auf jeden Fall.

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Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.