John "Dreadhead" Jackson

Portrait
Christian Bach
Silvano Zeiter
Erschienen in
Powder Special 2016
Stefan Götschl

John "Dreadhead" Jackson

Man kann sie offen tragen, mit Haarband, vereist oder ein Beanie drüber ziehen: Dreadlocks sind ein Statement. Eines, das sowohl als auch sein kann. Stolzer Kämpfer für die Menschlichkeit zu sein ist ein Versprechen an die Mitmenschen. Eingeraucht mal lieber die anderen machen lassen, eines an sich selbst. Für manche ein Stolzer Löwe für andere ein hygienisches Risiko - das Spektrum, das man unter Dreadlocks findet ist so groß, wie der Haarschmuck selbst polarisiert.

John Jacksons Karrierestart als Imageträger des Snowboardings passierte zu einem Zeitpunkt, als Snowboarding noch global getaktet via VHS-Tapes verfolgt wurde. John erarbeitete sich als Tahoe-Kid auf den Rockschößen von Videographer Kurt Heine sitzend den Ruf, in Parks und auf Cheesewedges ziemlich zerstörerische Kraft zu entfalten. Ein Kickerwunderkind an der Seite von Aaron Bishop, mit seinem Bruder Eric im Gepäck und damals recht hippen Sponsoren um sich herum. Aus Planet Earth und Dragon wurden über die Jahre Forum, Special Blend und VonZipper. „Fuck It“ war Forum Snowboards Video - inzwischen schon via iTunes - in dem John absolut Maßstäbe setzte. Es folgten Abenteuer in Alaska zusammen mit Travis Rice und der Brainfarm-Crew. Alles hochgepowert mit Red Bull und in Ultra-HD-High-Tech um jemandes Leben darzustellen, der eigentlich eher den einfachen Dingen gewogen zu sein scheint. Fliegenfischen, Camping, Surfen, Schmuck aus Naturmaterialien – wer braucht dazu einen Adrenalinspiegel auf dem Niveau eines GI in Bagdad? Das Binden von Fliegen wird dadurch mit Sicherheit nicht leichter und bei 50 Meter weiten Doublecorks kommt man so oder so auf ein High. Irgendwie befand sich John zwischen den zwei Polen wie in der Einleitung beschrieben. Totale Öffentlichkeit und „in your face“, die ihn in einer Vorreiterrolle für Snowboarding sah. Gleichzeitig aber ein Freizeitverhalten, welches den Wunsch nach Rückzug, Ruhe und Einsamkeit offensichtlich werden ließ. Anders als bei Travis Rice und Mark Landvik, ist Johns Bild neben den lauten Tönen des brüllenden Backcountry-Löwen mit mindestens genauso vielen leisen Zwischentönen versehen. Ein Hippie, der die Natur durchwandert und dabei wahrscheinlich nicht an Snowboarden denkt, vor allem aber einen Scheiß auf die Snowboardindustrie gibt. Potenziell also der snowboardende Übermensch. Faktisch aber auch mit einer ordentlichen Ladung eingerauchter Wurschtigkeit versehen. Egal ob der Sponsor findet, dass man hier und jetzt zum x-ten Mal die Welt retten und ein Telefonat führen muss.

John Jackson
Silvano Zeiter
Fischeralp

Wer ist also John Jackson? Eine gesicherte Antwort darauf kann ich an dieser Stelle nicht geben. Die Fragen, die wir an Ihn gehabt hätten, sind bis zum Redaktionsschluss im transatlantischen Digi-Chaos verschwunden. Dafür hat er ESPNs Real Snow Event gewonnen. Mit einem Video Part, der Gold nicht nur rechtfertigt, sondern gleichzeitig ein Comeback nach einer fast zweijährigen Verletzungspause darstellt. Zuvor hatte John Jay mit viel Brimborium das tote Pferd Forum ab- und bei Burton wieder aufgesattelt. John Jackson kletterte wortwörtlich im AK-Outfit bei Burton aus der Kiste, der größte und mit Abstand stärkste Kommunikator im Snowboard-Biz schickte sich an, John als Jakes Gegenentwurf von Travis Rices in Position zu bringen. Damit war der vermeintlich letzte und größte Karriereschritt des Backcountry-Rastas gegangen. Nur wurde nach einem guten Start genau das Problem – „gehen“ ging nicht. Das Knie machte immer wieder Probleme, zuletzt nach einem Unfall bei Dreharbeiten für ein Burton-Teamvideo. John war insgesamt mehr als zwei Jahre raus aus dem Geschäft, sein Vertrag bei Burton wurde nicht verlängert. Wahrscheinlich auch, weil zwei Jahre Downtime höchstens durch eine Rolle als PR-Mann für alle backcountry-relevanten Themen zu kompensieren gewesen wären. Das diese wiederum nicht so im Spektrum liegt, dass musste man ja bereits feststellen. Die Karriere wurde in Frage und vor eine mögliches Ende gestellt. Von Team-Managern, Medienleuten, Kollegen – in dunklen Stunden vielleicht auch von John selbst. Und dann dieses Comeback 2015. Das höchste Level von Backcountry Freestyle, auf geschaufeltem und unbehandeltem Terrain gleichermaßen, direkt wieder erreicht. Immer gegen die Ungewissheit anfahrend, ob der Körper mitspielen und die Knie halten würden. Ein mutiger Löwe - der von seinem neuen Umfeld getragen wurde. Allen Zweifeln und Zweiflern ins Gesicht brüllend. Ziemlich beeindruckend.

John Jackson
Andy Wright
Alaska

Mammoth Mountain ist Johns snowboarderischer Heimathafen. Hier, nahe der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, ist er groß geworden. Eine spannende Umgebung, sowohl was die Natur als auch die Menschen dort angeht. Aus Kalifornien und der Tahoeregion kommt das liberale, teilweise hippiehafte. Aus Nevada schwappt Goldgräberstimmung und der Reiz des großen Glücksspiels Kapitalismus hinüber in die bergige Region zwischen Mammoth und dem Lake Tahoe. Dazwischen leben Menschen, die aus einer sehr großen Bandbreite an Philosophie und Ideologie ihre eigene Position bestimmen können. Vielleicht ein bisschen zu viel, für eine Marke, die klar geschnittene Helden braucht, die in Sportfachgeschäften als verkaufsförderliche Zugpferde funktionieren. Auch wenn dieser John Jackson über Jahre hinweg mit Travis Rice zusammen das absolute Nonplusultra im Backcountry-Freestyle war. Einmal im Backcountry die Querflöte ausgepackt und es stellt sich die Frage: Warum? Man muss sich nur einmal vorstellen, wie man auf einen flötenden John Jackson im Sessellift als Nebenmann reagieren würde? Irgendwie cool, aber doch auch schräg. Flöge dieser dann allerdings ein paar Minuten später über den Ziehweg hinweg, den man selber grade maximal side-hitted, dann wäre das krass. Krass cool.

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Inzwischen ist John Jackson bei Signal Snowboards angekommen und scheint mit Dave Lee einen vielseitig interessierten und immer mit Snowboarding verbundenen Gegenpart gefunden zu haben. Darüber hinaus hilft John Under Armour eine eindeutige Position in Snowboarding zu finden – irgendwo im Spektrum der Person John Jackson. Mal schauen, was das wird. Sicher ist, die blonden Locken auf dem Kopf des Teenagers aus Crowley Lake haben sich in den vergangenen Jahren zu einem stolzen Dread-Schopf entwickelt. Und vielleicht liegt darin auch die Erklärung, warum der Mann auf so einem hohen Niveau fahren kann, aber nie der Superstar wurde wie eben Travis Rice. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass er für den Mainstream nicht eindeutig genug zu positionieren war und sich gelegentlich wortwörtlich in Rauch auflöste.

Allen Menschen, die sich wirklich für Snowboarding interessieren, bietet John viele interessante Facetten, ohne diese zwanghaft zu machen. Schon deshalb, weil es dem Dreadlocks-Dude immer wieder mal scheißegal ist. Sollen halt die anderen schauen, was sie denken. In Verbindung mit Johns Snowboarding und seiner Verletzungsgeschichte kann man dafür nur eins haben – Respekt.

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