Burnzone: Ein Sommer-Snowboard-Trip

Experience
Shaun Daley
Shaun Daley
Oregon
Erschienen in
Pleasure 124/125
Stefan Götschl

Burnzone: Ein Sommer-Snowboard-Trip

Die meisten Menschen, die wenig Ahnung von Wintersport haben, denken bei dem Thema ausschließlich an beheizte Sessellifte, perfekt ausgestattete Bergrestaurants und natürlich an Après-Ski. Dieses Klischee will man bei Bonfire auf keinen Fall bestätigen und so hat sich das Team bestehend aus Ralph Kucharek, Justin Norman und Keaton Rogers letzte Saison dazu entschlossen, den Horizont der Ahnungslosen ein wenig zu erweitern.

An diesem Tag wachten wir früh auf. Die Sonne war zwar bereits aufgegangen, aber die Welt um uns herum verweilte noch immer in einem Dämmerschlaf. Unsere Autos quälten sich die steile Bergstraße nach oben. Jedes davon mit einem Schneemobil im Schlepptau, das wir an der Anhängerkupplung befestigt hatten. Schließlich braucht man nicht zwangsläufig einen Truck, wenn man sein Sled auch per Abschleppseil ins Backcountry schaffen kann.

Als wir das Ende der Straße und damit auch den Zugang zur Wildnis erreicht hatten, wurde uns klar, dass wir in den nächsten Tagen mit Sicherheit die einzige Crew sein würden, die hier draußen, abseits jeglicher Zivilisation, unterwegs wäre. Jetzt, im Frühling, stiegen die Temperaturen rasant an und der Schnee schmolz unter unseren Füßen davon. Trotzdem dachte keiner von uns daran umzukehren und das Snowboard bereits jetzt schon im Schrank zu verstauen.

Nach etwa drei Kilometern auf dem Sled erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Wenn man diese tatsächlich so bezeichnen kann. Ein Nomadenzelt mit Holzofen, ohne fließend Wasser oder Elektrizität sollte unserer Crew Unterschlupf für das Wochenende bieten. Back to Basics –  genau das, was wir gesucht hatten. Wir wollten keine Zeit verlieren, verstauten unser Gepäck im Zelt und machten uns noch am selben Tag auf die Suche nach Spots in der näheren Umgebung. Ein Teil von uns erkundete das Backcountry mit Splitboards, der andere durchforstete die Gegend auf dem Sled. Das Gelände versprach durchaus Potential, um unseren eigenen kleinen Park mitten im Nirgendwo aufzubauen. Wir blieben draußen, bis es Nacht wurde und machten uns erst an den Heimweg, als wir unsere Zehen kaum noch spürten. Zurück im Zelt feuerten wir den Ofen an und schon bald verwandelte sich unsere rustikale Unterkunft in ein behagliches Wohnzimmer. Als Justin dann auch noch ein paar Dosen Bier verteilte und Karten auf den Tisch legte, war der Abend perfekt.

Am nächsten Morgen weckte uns nicht die Sonne, sondern die Tatsache, dass der Ofen über Nacht ausgegangen und uns dementsprechend arschkalt war. Aber auch da hatte Justin ein Ass im Ärmel und lockte die Crew mit dem Geruch von knusprigem Bacon und  Bratkartoffeln aus den Schlafsäcken. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns auf in die Zone, die wir am Tag zuvor entdeckt hatten.

Die „Burnzone“, wie wir sie nannten, war ein riesengroßer Spielplatz aus verbrannten Bäumen. Ein Waldbrand hatte die Gegend vor ein paar Jahren ziemlich verwüstet. Für eine Company mit dem Namen „Bonfire“ kam diese Zone natürlich wie gerufen. Und das Potential war gigantisch. Justin funktionierte einen umgeknickten Baumstamm zu einem Pole-Jam um, Ralph baute einen Jump über einen alten Baumstumpf, und Keaton bahnte sich Lines durch das Labyrinth an verkohltem Holz, das über den gesamten Hang verteilt war. Das Bauen der Jumps und Präparieren der Obstacles hatte ein bisschen länger gedauert als geplant und so wurde es bereits langsam dunkel, als wir mit unserer Fotosession begannen. Die Sonne verabschiedete sich blutrot hinter unseren Rücken  und wir mussten die Session unter Sternenhimmel mit Stirnlampen beenden.

Auch den nächsten Tag widmeten wir unserem Waldbrandgebiet und filmten bis zum frühen Nachmittag. Eine Unwettermeldung für das Gebiet machte uns ein wenig Sorgen. Und kaum hatten wir darüber diskutiert, ob wir nicht noch am selben Tag zurück in die Zivilisation fahren sollten, brauten sich dunkle Wolken über unseren Köpfen zusammen. Es fing an zu donnern und blitzen. Einen weiteren Waldbrand wollten wir hier draußen nicht miterleben, also hetzten wir zurück zum Zelt, beluden unsere Sleds und machten uns auf den Heimweg.

Kurz bevor wie die Straße erreichten, an dem unsere Autos parkten, schüttete es wie aus Eimern. Und noch schlimmer: es hagelte! Wie beim Paintball prasselten Tischtennisballgroße Eisbrocken auf uns ein. Nur dass wir keine Knarren hatten, um uns zu verteidigen. Als wir am Parkplatz ankamen, sahen wir und sämtliches Equipment so aus, als wären wir von einer Schlammlawine durchgespült worden. Wir waren völlig erschöpft und freuten uns darauf wieder im eigenen Bett schlafen zu können. Und dennoch: dieser minimalistische Trip in die Burnzone war ein absolutes Highlight und ein Erlebnis, dass zum Nachmachen anregt. Packt eure Sachen, geht campen und erlebt die Natur vor eurer Haustüre.

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Dieser Artikel erschien original in der Pleasure Doppelausgabe 124/125. Habt ihr nicht? Skandal. Am besten direkt hier bestellen. Oder noch besser: Prämie absahnen, Geld sparen, nie mehr eine Ausgabe verpassen und Abo abschließen.

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