Alternative Living - Jason Robinson

Interview
Michi Lehmann
Darcy Bacha
Stefan Götschl

Alternative Living - Jason Robinson

Wenig Platz, aber viel Freiraum. Alternative Lebensweisen sind ein Synonym für Ausbruch. Ausbruch aus der täglichen Routine und einem Lifestyle, der gewissermaßen vorgegeben ist. Eine Waschmaschine, die im Schleudergang durch das Leben holpert und ständig am Anschlag ist. Dabei geistert der Off-the-Grid-Gedanke stärker denn je durch unsere Köpfe. Aber nur die Mutigen schaffen es tatsächlich, die vermeintliche Comfort-Zone zu verlassen, um sich Spielraum für Kreativität zu schaffen. Selber Fußstapfen zu hinterlassen, anstatt in die der Anderen zu treten, verlangt einen ganz besonderen Mindset. Wir haben vier Snowboardpros getroffen, die diesen Weg gegangen sind. Gestartet wurde mit Mike Basich, weiter geht es mit Jason Robinson. 

Seit über zwei Jahren bezahlt Jason Robinson schon keine Miete mehr. Auf das „Rat Race“ der modernen Gesellschaft hat er keine Lust, wie er es selbst ausdrückt. Ständig damit beschäftigt zu sein, Geld zu verdienen, um sich Dinge zu kaufen, die man überhaupt nicht braucht – das ist nicht das Leben, das er sich vorstellt. Vor ein paar Jahren ist Jasons Bruder Aaron, der ebenfalls anerkannter Pro-Snowboarder war, bei einem Unfall in Südamerika tödlich verunglückt. Für Jason war diese Tragödie ein weiterer Grund, das „Rat Race“ zu stoppen und sich Gedanken darüber zu machen, wie er sein Leben gestalten möchte. Und genau das hat er getan. Er hat sich einen alten Dodge Ram aus den 90ern gekauft, den er mit pflanzlichem Öl betreibt. Dazu einen Trailer mit einem 2,50 Meter mal 5 Meter großem Alu-Container, der ihm als Zuhause dient …

Jason, wie kommt man darauf in einer Alu-Box zu leben?
Naja, ich habe den Sommer über in einem Zelt gelebt, was im Herbst dann ziemlich schnell ungemütlich wurde. Hätte ich mir dann allerdings eine Wohnung gemietet, wäre ich im Winter wohl keine Woche lang dort gewesen. Also habe ich mir das Geld für Heli-Flüge in Alaska gespart und bin stattdessen in eine rollende Alu-Box gezogen.

Also lebst du nur vorübergehend in deinem Container?
So war das geplant. Zumindest den Winter über, da ich da ja ohnehin pausenlos unterwegs bin. Allerdings arbeite ich jetzt den Sommer über als Park Ranger in einem isolierten Gebiet in den Wäldern von Montana. Ich denke, ich werde also auch den Sommer in einem „Tiny Home“ verbringen.

Wenn man „Outside the Box“ denken will, muss man erst mal in einer gelebt haben.

Was hat dir dein neuer Lifestyle gelehrt?
Jede Menge. Alleine schon was den Ausbau der Box mit Elektrik,- Holz,- und Gas-Installationen betrifft. Als ich dann eingezogen bin, habe ich gemerkt, dass ich mehr als die Hälfte der Dinge, dich ich besitze, im täglichen Leben eigentlich überhaupt nicht brauche. Ich habe ausgemistet. Sowohl in meinem Container, als auch in meinem Kopf. Downsizing ist ein sehr befreiendes Gefühl. Das Leben in meiner Box hat mir gezeigt, dass man auch einfach leben kann, ohne dabei unglücklich oder unproduktiv zu werden.

Jason Robinson
Darcy Bacha
Jason Robinson
Darcy Bacha

Du hast bereits letzte Saison als Ranger in einer der entlegentsten Ranger-Station Nordamerikas verbracht. Wie kann man sich das vorstellen?
Man ist völlig auf sich alleine gestellt. Durch diese Erfahrung habe ich sehr viel gelernt und ich glaube, ich bin gerade immer noch dabei, das alles zu verarbeiten. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem dauerhaft einfachen und natürlicheren Lebensstil, den ich auch mit meiner Karriere als professioneller Snowboarder verbinden kann. In den letzten Jahren war ich pausenlos unterwegs. Das hat mich müde gemacht, deshalb will ich jetzt versuchen, alles etwas ruhiger angehen zu lassen. Nach der Saison werde ich meinen Trailer erst einmal in Port Angeles/Washington abstellen und ein bisschen entspannen, bevor ich mich im Sommer in Richtung Bob-Marshall-Wilderness aufmache. Über 50 Kilometer mit dem Pferd müssen wir zurücklegen, bis wir unsere Ranger Station dort draußen erreichen.

Was fehlt dir am meisten in deiner Box?
Eine Familie. Das ist nicht einfach zu handeln …

Video Embed Media

Folgt Jason Robinson auf Instagram

Folgt Fotograf Darcy Bacha auf Instagram

Dieser Artikel erschien original in der Pleasure „Awareness“-Ausgabe. Habt ihr nicht? Skandal. Am besten direkt hier bestellen. Oder noch besser: Prämie absahnen, Geld sparen, nie mehr eine Ausgabe verpassen und Abo abschließen.

Weitere Artikel zum Thema

Auf das Pleasure Product Special 2020 sollte man sich als Angebot zum Streifzug durch die kulturellen Identifikations-Möglichkeiten als Snowboarder einlassen. Nehmt euch die Zeit und findet jede Menge Inspiration auf den insgesamt 178 Seiten. Denn eines ist sicher: Ein Tag auf dem idealen Snowboard verspricht mehr Kontemplation, Glück und Seelenheil als jede Meditations-App.