Alternative Living - Mike Basich

Interview
Michi Lehmann
Ben Gavelda
Stefan Götschl

Alternative Living - Mike Basich

Wenig Platz, aber viel Freiraum. Alternative Lebensweisen sind ein Synonym für Ausbruch. Ausbruch aus der täglichen Routine und einem Lifestyle, der gewissermaßen vorgegeben ist. Eine Waschmaschine, die im Schleudergang durch das Leben holpert und ständig am Anschlag ist. Dabei geistert der Off-the-Grid-Gedanke stärker denn je durch unsere Köpfe. Aber nur die Mutigen schaffen es tatsächlich, die vermeintliche Comfort-Zone zu verlassen, um sich Spielraum für Kreativität zu schaffen. Selber Fußstapfen zu hinterlassen, anstatt in die der Anderen zu treten, verlangt einen ganz besonderen Mindset. Wir haben vier Snowboardpros getroffen, die diesen Weg gegangen sind. Los geht es mit keinem Geringeren als Mike Basich.

Mike ist das Paradebeispiel eines wahren Aussteigers. Schon als Jugendlicher kann sich Mike nicht wirklich mit dem System anfreunden und vergräbt sich schlichtweg in seiner eignen Welt. Mitte der 80er entdeckt er zusammen mit seiner Schwester Tina das Snowboarden und mausert sich bald zum gesponserten Pro. In den 90ern fliegt er um den halben Erdball, um an etlichen Contests teilzunehmen. Irgendwann wird ihm das aber alles zu viel und er entschließt sich dafür, sich neu zu sortieren. Er entwickelt eine enorme Do-it-Yourself-Mentalität und werkelt sich durch sein Leben. Angefangen von den ersten POV-Cams, mit denen sich Mike im Backcountry selbst fotografiert und filmt, über Schneeschuhe aus alten Straßenschildern, bis hin zu seinem bis dato größten Projekt, einer selbstgebauten Cabin aus Granit und Holz, die er sich auf den Donner Summit im kalifornischen Outback stellt. Aber damit noch lange nicht genug ...

Mike, deine Cabin am Donnerpass hat jetzt Zuwachs in Form eines selbstgebauten Sessellifts bekommen. Außerdem hast du einen Truck zum Mobile-Home umgebaut. Was bedeutet es dir, etwas mit eigenen Händen zu erschaffen?
Es hat mich schon immer interessiert, wie gewisse Dinge funktionieren. Nur wenn man etwas selbst herstellt und mit eigenen Händen herstellt, hat man eine engere Verbindung dazu. Die Wertschätzung ist eine andere. Zudem gibt es mir eine Art inneren Frieden und Zufriedenheit, wenn ich etwas selbst gebaut habe.

Was verstehst du persönlich unter einem alternativen Lebensstil?
Darunter verstehe ich, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und aus der Form auszubrechen, in die wir hineingeboren sind. Einen Weg zu pflastern, der den eigenen Bedürfnissen entspricht, egal was die anderen machen.

Wie wichtig ist dabei der Gedanke der „Nachhaltigkeit“?
Naja, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, so gut es geht, mich selbst zu versorgen und auf lokale Ressourcen zurückzugreifen. Was nicht gerade einfach ist, wenn man sein Geld zu einem Großteil damit verdient, ständig unterwegs zu sein. Ich setze mich sehr intensiv mit dem Thema auseinander, aber je tiefer man gräbt, umso deutlicher wird, dass man kaum leben kann, ohne irgendwelche Fußstapfen zu hinterlassen. Ich habe mein Haus zwar selbst gebaut und dafür Materialien aus der Umgebung verwendet, aber woher der Hammer stammt, mit dem ich eine meine Bretter vernagelt habe, kann ich nicht nachprüfen. Es ist also ein sehr schmaler Grat, den wir in Bezug auf Nachhaltigkeit gehen.

Ben Gavelda

Für deinen „Chasing Pow Truck“ mit dem du diesen Winter durch die Lande ziehst, gab es in den vergangenen Jahren bereits einige Prototypen. Ist dieser hier die finale Version?
Ich denke der Truck ist ein guter Mix aus allen vorherigen Fahrzeugen, die ich bisher gebaut habe. Bei jedem neuen Projekt lernt man etwas dazu und ich hoffe, dass dieses Mobile-Home eine Weile überlebt. Mit dem Truck kann ich aufgrund des kurzen Radstandes überall einparken und ohne Probleme wenden. Das Teil ist kürzer als ein handelsüblicher Sprinter und trotzdem bietet mir das kleine Häuschen genügend Platz für alles, was ich zum Leben brauche. Und das ist nicht unbedingt viel, haha.

Unter einem alternativen Lebensstil verstehe ich, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und aus der Form auszubrechen, in die wir hineingeboren sind.

Wirst du jemals wieder in einem „normalen“ Haus leben?
Ich werde irgendwann mit Sicherheit in einer etwas größeren Cabin wohnen. Aber noch gefällt mir der Gedanke, zeitweise in meinem Truck und zeitweise in einer kleinen Hütte zu leben. Eine „normale“ Wohnung, oder ein Haus, das jemand anderes für mich gebaut hat, kommt allerdings nicht in Frage.

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