Alternative Living - Austin Smith

Interview
Michi Lehmann
Bob Plumb
Stefan Götschl

Alternative Living - Austin Smith

Wenig Platz, aber viel Freiraum. Alternative Lebensweisen sind ein Synonym für Ausbruch. Ausbruch aus der täglichen Routine und einem Lifestyle, der gewissermaßen vorgegeben ist. Eine Waschmaschine, die im Schleudergang durch das Leben holpert und ständig am Anschlag ist. Dabei geistert der Off-the-Grid-Gedanke stärker denn je durch unsere Köpfe. Aber nur die Mutigen schaffen es tatsächlich, die vermeintliche Comfort-Zone zu verlassen, um sich Spielraum für Kreativität zu schaffen. Selber Fußstapfen zu hinterlassen, anstatt in die der Anderen zu treten, verlangt einen ganz besonderen Mindset. Wir haben vier Snowboardpros getroffen, die diesen Weg gegangen sind. Los ging es mit Mike Basich, weiter mit Jason Robinson, Teil drei ging an Tim Eddy. Heute im Angebot: Austin Smith.

Dass sich Austin Smith mit einem nachhaltigen Lebensstil auseinandersetzt, beweist er unter anderem mit seinem Projekt „Drink Water“, das er zusammen mit Team-Kollege Brian Fox vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat. Und auch wenn Austin ein eher gemütlicher Zeitgenosse ist, der selten politische Statements nach draußen brüllt, holt er mit seiner Einstellung Saison für Saison mehr Gleichgesinnte ins Boot. Dass er sich diesen Winter ein umgebautes 1953er GMC-Feuerwehrauto auf den Parkplatz des Mount Bachelors in Oregon gestellt hat, um weniger pendeln zu müssen und näher am Berg zu sein, ist nur konsequent. Mit 17 Jahren hat Austin jeden Morgen den ersten Bus zum Berg genommen und ist mit dem letzten wieder runter. Jetzt hat er seinen eigenen ...

Austin, wo hast du dieses rote Monster aufgetrieben?
Ebay. Ein Typ in Michigan hat das Projekt „Firetruck“ vor Jahren ins Leben gerufen und angefangen, das alte Feuerwehrauto umzubauen. Irgendwann hatte er wohl keine Lust mehr und hat das Fahrzeug im Rohzustand auf Ebay gestellt. Mein Bruder hat es dann auf meinen Namen gekauft, mit der Intention, den Umbau selbst in die Hand zu nehmen. Auf dem Rückweg nach Oregon machte das Fahrzeug allerdings dermaßen viele Probleme, dass er keine Lust mehr auf Feuerwehr hatte und das Teil einfach im Garten meiner Eltern parkte. Letzten Herbst habe ich mich dann dazu entschlossen, das Projekt endlich anzugehen und dem Fahrzeug neues Leben einzuhauchen. Am Silvesterabend war es dann soweit und wir haben das rote Monster auf dem Parkplatz des Mount-Bachelor-Skigebiets abgestellt.

Austin Smith
Bob Plumb
Mount Bachelor

Was war das Schwierigste beim Umbau?
Naja, das Fahrzeug lag Jahre einfach nur brach. Und ich hatte immer irgendwelche andere Gründe, mich nicht um den Umbau zu kümmern. Nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr …Einmal angefangen lief es dann erstaunlich gut. Klar, es tauchten immer neue Probleme und Baustellen auf, aber wir sind drangeblieben und konnten alles reparieren und uns um den Ausbau kümmern. Brennen sollte es allerdings nicht. Denn mit gerade einmal 50 kmh komme ich wohl zu spät, um zu löschen.

Du wohnst allerdings noch immer in Bend. Warum hast du dich entschlossen, den Winter über in einem Feuerwehrauto zu hausen?
Ich muss zugeben, dass ich dabei nicht in erster Linie nachhaltige Gründe oder dergleichen im Kopf hatte. Oder mir oder irgendjemand anderem beweisen wollte, dass man auch mit weniger im Leben klar kommt. Ich wollte einfach nur jeden Tag Snowboarden, ohne ins Auto steigen zu müssen. Ich hab‘ quasi direkt am Sessellift auf drei Quadratmetern gelebt, und alles, was ich gebraucht habe, war da. Ein kleiner Ofen zum Heizen und Kochen. Solarbetriebene Batterien, und jede Menge Snowboards. Ich hab‘ mich dort mehr zuhause gefühlt, als überall anderswo.

Hier oben zu leben, war wie eine Flucht von all dem Kram, den ich gar nicht brauche.

Also ein Lifestyle, den du auch langfristig leben kannst?
Na klar. Je weniger Sachen man hat, desto glücklicher ist man. 99 Prozent der Dinge, mit denen wir uns täglich umgeben, braucht man nicht wirklich. Wenn ich mir meine Garage daheim in Bend anschaue, sieht das aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Hier oben zu leben, war wie eine Flucht von all dem Kram, den ich gar nicht brauche.

Was hat dir gefehlt?
Ein Hottub auf dem Dach, haha.

Austin Smith
Bob Plumb
Mount Bachelor

Wie geht es mit deinem Feuerwehrauto jetzt weiter?
Ich bin den restlichen Winter erst einmal wieder unterwegs, aber sobald ich zurückkomme, will ich auf jeden Fall wieder mit meinem roten Flitzer losziehen. Im Sommer werde ich auf dem Parkplatz am Mount Hood abhängen, und danach geht es ab an den Strand mit meinem Mobile-Home.

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