Trip Roulette: Pferde, Camping & Snowboarden in Griechenland

Travel Story
Stefan Götschl
Jerome Tanon
Griechenland
Erschienen in
Pleasure 134
Stefan Götschl

Trip Roulette: Pferde, Camping & Snowboarden in Griechenland

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„Pâmé Alladin ... Pamé! Pâmé Alladin!“ – dieses verfluchte Pferd will wirklich nicht weitergehen. Ein Klaps auf den Arsch? Kein Effekt. Fester. Wieder nichts. „Pâmé!“, brüllen wir ihn an. Alladin bewegt sich nicht. Nun gut, um fair zu sein: Gerade eben hat das arme Pferd einen amerikanischen Touristen inklusive schwerem Rucksack und Snowboard auf dem Rücken, der versucht, ihn einen kniffligen Bergpfad voller Gestein und Eis hinaufzuschicken. Die Gruppe von neun Pferden und genauso vielen Menschen wird bald in der nahegelegenen Hochebene ihr Camp einrichten. Die Zelte werden aufgeschlagen, das Lagerfeuer vorbereitet, die Pferde freigelassen, um sich am saftigen Gras satt zu fressen. Alladin weiß davon nichts. Alladin denkt vermutlich, dass diese verrückten Typen ihn auf den nächsten Gipfel jagen wollen. Alladin will jedoch weiterleben, weshalb er aktuell keinen Schritt weiter geht. Da kann noch so viel gekichert, gewackelt oder geklatscht werden. Die Kerle haben sowieso keinen Plan vom Reiten, das wusste Alladin schon in dem Moment, als er die mysteriöse Gruppe das erste Mal gesehen hat. Was zur Hölle wollen diese Jungs eigentlich, mit ihren Cowboy-Hüten und Snowboards?

Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece
Jerome Tanon
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Jerome Tanon
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Jerome Tanon
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Unser Trip nach Griechenland fing vielversprechend an. Einen kompletten Tag haben wir gebraucht, um mit den Pferden zu unserem Camp zu kommen. Victor Daviet und seine Partner Niels Schack, Phil Jacques sowie Nils Mindnich bereiteten kurz darauf ihre Zelte für die erste Nacht im fremden Land vor. Ein Land, das keine allzu große Snowboard-Historie hat – doch wer hätte gedacht, dass Griechenland so viele Berge und so viel Schnee hat? Und warum all diese Pferde?!

Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece
Jerome Tanon
Donnerstag, 7. März 2019

Nils Mindnich: Wir sind hier! Unser „Campingplatz“ ist tatsächlich ganz nett. Aktuell sind wir einige Kilometer vom nächstgelegenen Dorf entfernt. Es heißt Papingo. Ein kleines Örtchen, dessen Häuser ausschließlich aus Holz und Stein gebaut sind und das über der malerischen Vikos-Schlucht liegt. Wir haben es uns auf einer verlassenen Kuhweide gemütlich gemacht. Die Landschaft ist traumhaft. Über uns ragen gute 1.000 Höhenmeter hohe Cliffs, die mich an die Dolomiten erinnern. Bei guter Sicht kann man bis nach Albanien blicken, um uns herum sind zahlreiche kleine Dörfer, verstreut in der griechischen Landschaft. Blickt man zur einen Seite, sieht es so aus, als wäre man in den Hügeln von Utah; dreht man sich um, weiß man, dass diese Berge definitiv keine „Hügel“ sind. Draußen zwitschert ein Vogel, langsam werden wir schön von der Sonne geröstet. Es fühlt sich irgendwie wie Sommer-Snowboarden am Mount Hood an. Ein komisches Gefühl. Um uns ist aktuell nur Gras und vereinzelte Bäume. Nur wenige Meter weiter oben werden die Bäume von Felsen abgelöst und Schnee ersetzt das saftige Grün. Für diesen Trip bin ich ein ziemlicher Außenseiter. Die Muttersprache der anderen Jungs ist Französisch. Unsere Pferde-Guides sind Griechen. Dann gibt es noch mich, den Ami. Die Jungs sind jedoch cool. Wenn wir in uns in der Gruppe unterhalten, spricht jeder Englisch, oder erinnert die anderen zumindest daran, englisch zu sprechen. Trotzdem ist es natürlich etwas isolierend, aber damit komme ich klar. Ich mag es sogar ein bisschen. So fühlt es sich noch etwas mehr nach Abenteuer an.
 

Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece
Jerome Tanon
Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece Phil Jacques
Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece Victor Daviet

Jerome Tanon: Was für ein Abenteuer, meine Freunde. Jeder Grieche scheint hier entweder Yaniss oder Dimitri zu heißen. Das gilt auch für die Jungs von unserer Pferde-Ranch. Sie haben 15 Kilo Fleisch und eine große Flasche Tsipuro dabei, ein traditioneller Schnaps in dieser Region. Das Lagerfeuer knistert in der Nacht, während köstliche Hammelspieße die Runde machen. Essen ist ein wichtiger Bestandteil der griechischen Kultur. Es ist nicht nur abwechslungsreich, gesund und geschmackvoll, sondern auch ein Schlüssel zur sozialen Interaktion. Sharing is caring, sozusagen.

In den nächsten Tagen erforschen wir die umliegenden Berge, unter anderem das Tymfi, ein Bergmassiv, dessen höchster Gipfel auf 2.497 Metern liegt. Wir finden Spots für Jumps, carven durch Rinnen und erreichen unser Camp erst wieder im irren Licht des orange-glühenden Sonnenuntergangs. Snowboarden, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, jeden Tag mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Es ist Mitte März, die Hochzeit der Backcountry-Saison. Während andere Crews gerade in Whistler oder am Arlberg shooten, sind wir hier in Griechenland, campen mit Pferden, hiken durch Slush-Felder und springen durch die Gegend. Wir finden Hips, Quarter-Pipes und sogar einige Jibs. Victor, Nils, Phil und Niels pushen sich gegenseitig und ich habe die Möglichkeit, ein paar legendäre Fotos zu schießen. Die Stimmung ist ekstatisch, wir sind müde nach langen Tagen in den Bergen und haben gerade unsere letzten Vorräte verspeist. Ausgerüstet mit unseren Stirnlampen packen wir unsere Rucksäcke und starten den Hike hinunter ins Dorf.

Pleasure Jerome Tanon Trip Roulette Greece
Jerome Tanon
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Jerome Tanon
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Jerome Tanon

Niels Schack: Als wir endlich im Dorf ankommen, läuft ein gewaltiges Fest. Oder ein Karneval? Jeder ist verkleidet, trinkt und wirft kleine Feuerwerkskörper umher. Wie viel Glück haben wir eigentlich? Gerade eben haben wir sechs großartige Tage in den Bergen verbracht, jetzt sitzen wir an einem Tisch mit den Locals, werden mit Gemüse, gegrilltem Fleisch, Tzatziki, geröstetem Käse, Feta, Olivenöl, Salz und Brot verkostet. Was für ein Fest! Die Lebensmittel hier sind bemerkenswert unterschiedlich. Sie sind nicht zu 100 Prozent besser als an anderen Orten, aber es wird anders präsentiert, ja, anders geteilt. Man schätzt hier das Essen für seine Einfachheit, und ruft genau deshalb einen großen Respekt vor dem, was du isst, hervor. Das wird uns auch am nächsten Tag bewusst. Wir schwimmen im arschkalten Fluss. Anscheinend ist Nationalfeiertag und alle essen, lachen und baden. Die Leute lassen auch Drachen steigen, was nach Spaß aussieht. Als ich aus dem Fluss klettere, macht sich eine Gruppe über mich lustig ... es ist, naja, sehr ... kalt. Ich mache bei den Scherzen mit und versuche mich an der Drachen-Fliegerei. Plötzlich sind wir eingeladen, mit unseren neuen Freunden zu essen. Leider haben wir noch einen langen Weg vor uns, weshalb wir die Einladung ablehnen müssen. Man ist uns jedoch nicht böse. Stattdessen werden die nicht verspeisten Lebensmittel eingepackt und uns mit auf den Weg gegeben. Bier, Souvlaki-Fleisch am Spieß und gegrilltes Brot. Uns erwartet das Picknick unserer Träume.

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@victordaviet
@niels_schack
@nils_mindnich
@captainjacques

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Als wir „Upside / Downside“ zum Leitmotiv erkoren haben, hatten wir vielschichtige Ambivalenzen im Sinn, die sich aus unterschiedlichsten Blickwinkeln im Snowboarden eröffnen. Alltag und Alltagsflucht, Vergnügen und Verpflichtung, Spaß und Risiko, Freiheit und Gesellschaftszwang, Heimweh und Fernweh, Bedarf und Bedürfnis, Liftticketspreis und Kontostand, banal oder tiefschürfend. Das Heft war praktisch fertig, die Bretter für den Spring Shred gewachst – und plötzlich war die Welt aus den Fugen.