Recap: Laax Open 2021

Erschienen in
Eileen Broadhead

Recap: Laax Open 2021

Ein Hoch auf die liberale Schweiz, denn während das öffentliche Leben in großen Teilen der Welt aktuell lahm liegt, geht es hier scheinbar seinen gewohnten Gang. Leise rieselt der Schnee, und zwar so sehr, dass zuerst nicht ganz klar ist, ob man rechtzeitig zur Quali überhaupt die höheren Bergregionen erreicht. Kurz versinkt das ganze Land in Panik, als ein Großteil der Schweizer Kantone auf der Übersichtskarte mit roter Lawinengefahr aufleuchten, sodass einem die Augen tränen. Doch wie durch ein Wunder reisst pünktlich zum ersten Laax-Open-Training am Montag die Wolkendecke auf und die Verhältnisse beruhigen sich. Gleichzeitig wird klar, dass sich dieses Jahr die Laax Open drastisch von den früheren Events unterscheiden. Die kollektive Indy-Eskalation nach jedem Tag auf dem Berg bleibt in diesem Jahr aus. Auch die jubelnden Zuschauer entlang den Courses fehlen, und die, die sich trotz strenger Regeln entlang der P60 aufstellen, werden gleich wieder aufgescheucht.
 

Dass der Event trotz teilweise schwierigen Wetterverhältnissen und vor allem trotz COVID-19 stattfinden konnte, grenzt dann doch an ein Wunder, liberale Schweiz hin oder her. Zum Teil ist diese Meisterleistung an Organisation und kollektiver Desinfektion Donald Nader zu verdanken, dem Event Direktor der Laax Open; „Die ständig neuen Ansagen/Richtlinien im Zuge der Entwicklung der Pandemie waren für uns wohl die größte Herausforderung“, erzählt er uns im Interview. „Immer wieder mussten Konzept oder Abläufe angepasst werden, wie etwa nach auftauchen der neuen Virus-Variante aus dem UK. Die Umsetzung war sehr aufwendig und logischerweise konnte niemand im Team den Faktor ‘Erfahrung’ einbringen. Die Möglichkeit, dass das Event spontan abgesagt werden kann, ist jedoch an sich nichts Neues – das Gefühl kennen wir, bisher einfach aus einem anderen Grund. Wetterkapriolen im Januar können einen Event in den Bergen immer kurzfristig zunichte machen, beeinflussen kann man das nicht. Ein COVID-Schutzkonzept hingegen kann man planen und weitgehend steuern/kontrollieren.“

Leider gab es trotzdem einige große Namen, die es dieses Jahr nicht ganz bis an den Drop-In geschafft haben. Ståle Sandbech wurde, seit die Powderglocke geläutet hat, nicht mehr auf dem Course gesichtet. Ein Covid-Test der Kanadier ist so positiv wie ihre famose Attitude und der sagenumwogene Stargast Shaun White hat den dichten Nebel der Einreisebeschränkungen nicht durchdringen können (an diesem Punkt möchte die gesamte Redaktion den Kanadiern von Herzen gute Besserung wünschen!).

Bevor wir uns nun unserem Korrespondenten Stefan Geissmann zuwenden, der sich intensiv mit den antretenden Athleten auseinandergesetzt hat, möchten wir, als primär deutsche Medienschaffende, noch kurz den diesjährigen zweitplatzierten im Slopestyle Leon Vockensperger (mit P!) ins Rampenlicht rücken. Wir sind natürlich sehr stolz und haben ihn kurz noch erwischt, um ihm ein paar Fragen zu stellen:
 

Ist dein Stoke-Level immer so hoch, oder hast du am Freitag einfach einen besonders guten Tag erwischt?
Das ist mein genereller State of Mind … das kommt von ganz tief drinnen (lacht).

Du hast auch nach dem zweiten Run schon Freudenschreie ausgestoßen, bevor die Jury überhaupt Zeit hatte, deinen Score auszurufen.
Ich war allgemein schon total happy, überhaupt im Finale mitfahren zu können – und dann gleich noch beide Runs zu landen! Vor allem so bald nach meiner Verletzung, das war für mich schon Gewinn genug. Es dann noch aufs Podest zu schaffen, war das Sahnehäubchen obendrauf.

Sind die lackierten Nägel Glücksbringer?
Nö, die sehen einfach fancy aus.

Welchen Song hattest du beim entscheidenden Run drinnen?
„Stuck in the Moment“ von Def Manic. Den gleichen wie bei den Qualis, Semis und beiden finalen Runs (lacht).

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Hinter Leon stand auf dem dritten Platz Marcus Kleveland aus Norwegen. Der erste Podestplatz ging an den Schweden Niklas Mattsson, der damit endlich mal den Norwegern gezeigt hat, was Sache ist. Drittplatzierte bei den Frauen wurde Tess Coady aus Australien. Jamie Anderson aus den USA und Zoi Sadowski Synott aus Neuseeland lieferten sich einen harten Kampf um den ersten Platz, den Jamie schlussendlich mit ihrem zweiten Run gewann und somit Zoi auf Platz zwei verdrängte.

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In der Superpipe holte sich Chloe Kim (USA) – nach einer zweijährigen Auszeit – mal eben locker den Titel und mit 89,75 Punkten gleich noch den höchsten Score des Abends. Die beiden Japanerinnen Mitsuki Ono und Sena Tomita schafften es auf Platz zwei und drei. Bei den Männern war die Frage des Abends: Scotty James (AUS) oder Yuto Totsuka (JAP)? Letzterer fegte die komplette Konkurrenz aus der Pipe mit einem Run, der sogar Kommentator Henry Jackson sprachlos hinterließ. Scotty musste sich somit mit dem zweiten Platz begnügen, dritter wurde der Japaner Ruka Hirano.

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Ihr wollt noch mehr von den Laax Open? Eine umfänglichere Zusammenfassung mit Infos über Scores und Tricks der jeweiligen Podestplatzierten könnt ihr euch hier und hier reinziehen. Eine rasiermesserscharfe Einzelkritik unseres Kollegen Stefan Geissmann gibt's hier zu lesen. Noch mehr? Dann checkt laax.com/open

Läuft aber auch. Kaum kommt der Winter in Fahrt, schließen – ein weiteres Mal – die Grenzen. Österreich macht dicht und will die Gebiete ab 24. Dezember öffnen – allerdings nur für Einheimische. In Deutschland sollen die Gebiete vorerst bis Ende Januar geschlossen bleiben, heißt es momentan. Ob all das richtig ist? Ich hab keine Ahnung. Wie auch – bei all dem undurchsichtigen Chaos, das uns 2020 mal wieder vor die Füße würgt.