Freeride World Tour 2019 - Travis Rice in Hakuba, Japan. Alle Infos zur Freeride World Tour.

Freeride World Tour 2019 - Behind the Scenes

Erschienen in
Anke Eberhardt

Freeride World Tour 2019 - Behind the Scenes

Der Start in die Powder-Saison bei der Freeride World Tour (FWT) in Hakuba (Japan) war mehr als gelungen – mit Travis Rice und Gigi Ruf standen zwei Snowboard Legenden ganz oben auf dem Treppchen. Vom 2. Bis 8. Februar 2019 steht für die weltbesten Freerider der zweite Stopp der FWT 2019 im legendären Gebiet Kicking Horse in den kanadischen Rockies an. Alle Termine und Infos im Überblick. Außerdem war Anke Eberhardt (anke_is_awesome) für uns beim ersten Tourstopp in Japan dabei. Behind the Scenes - mit Travis Rice und Gigi Rüf in Hakuba.
 

Freeride World Tour 2019
2. Stopp vom 2. bis 8. Februar 2019 - TIME TO GET ROWDY
Kicking Horse, 
CA
Freeride World Tour 2019
3. Stopp vom 22. bis 28. Februar 2019 - HOLD THE LINE
Fieberbrunn, 
AT
Freeride World Tour 2019
4. Stopp vom 2. bis 8. März 2019 - CRUNCH TIME
VALLNORD-ARCALÍS, 
AD
Freeride World Tour 2019
5. Stopp vom 23. bis 31. März - THE GRANDE FINALE
Verbier, 
CH

Normalerweise läuft ein Snowboard-Contest für Zuschauer ja ungefähr so ab: Gemütlich frühstücken, in die Gondel steigen, zum Park cruisen, Brett zur Sitzbank umfunktionieren, Sonnenbrille auf und anderen beim Spin to Win zuschauen. Yeah.

Beim ersten Stopp der Freeride World Tour 2019 im japanischen Hakuba lief es stattdessen so: in aller Hergottsfrüh um 4.30 Uhr aufstehen, wie immer auf den letzten Drücker zum Media-Shuttle rennen, auf einer Brücke mitten im Nirgendwo aussteigen, Splitboard umbauen, eine knappe Stunde über einen Cattrack ins Backcountry splitten (erste Erkenntnis: man war auch schon mal fitter) und dann schließlich: Brett zur Sitzbank umfunktionieren, die Sonnenbrille auf und anderen bei ihren Powder-Runs zuschauen. YEAH!

Freeride World Tour 2019 - Hakuba.
Freeride World Tour 2019 - Hakuba.
Freeride World Tour 2019 - Teilnehmer in Hakuba, Japan.

Das ist in mehrerlei Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen, weil es gar nicht so selbstverständlich ist, dass in Japan überhaupt die Sonne scheint - letztes Jahr konnte der Contest nicht stattfinden, weil es in 10 Tagen kein einziges Schönwetterfenster gab. Zum anderen ist es eine Leistung der Organisatoren, den nötigen technischen Schnickschnack für eine Live-Übertragung oder ein riesiges Start- und Zieltor ins japanischen Hinterland zu karren.
 

Earn Your Turns - um 4.30 Uhr aufstehen und das gesamte Contest-Face hiken

Selbst die Fahrer konnten nicht wie geplant mit dem Lift Höhenmeter machen und dann vom Skigebiet aus Richtung Drop-In hiken (was immerhin auch eine gute Stunde gedauert hätte). Wegen starken Windes mussten die rund 50 Snowboarder/innen und Skifahrer/innen ebenfalls von besagtem Tal aus starten und das G-E-S-A-M-T-E Contest-Face hiken. Gigi Rüf nahm’s gelassen: "Ich mag das eigentlich, weil man so näher ans Gelände rankommt und sich das Terrain nochmal vor seinem Run anschauen kann." Aufgewärmt waren die Herrschaften danach auf jeden Fall. Und wie.

Während die Tour in ihren frühen Jahren noch klar von Turns, Turns und nochmal Turns dominiert wurde, hat sich das Tricklevel inzwischen ebenso nach oben geschraubt wie die Drohnen, die über dem Contest-Face surrten. Ohnehin: dass überhaupt Fahrer wie Travis Rice oder Gigi Rüf an einem Event der Freeride World Tour teilnehmen, wäre noch bis vor kurzem undenkbar gewesen. Schließlich war der Coolnessfaktor von Freeride-Events gelinde gesagt im unteren Mittelfeld angesiedelt. Die Zeiten sind definitiv vorbei. Und das hat auch mit der Entwicklung der Freestyle-Events zu tun.

Freeride World Tour Hakuba Japan 2019 im Re-Live

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Freeriden ist das neue Freestyle-Snowboarden: Ohne Tricks geht nix
Um erfolgreich zu sein, braucht man inzwischen einen Gymnastik-Background und muss trainieren wie ein Olympionike – was kein essentieller Teil der Snowboardkultur ist.
Travis Rice

"Freestyle-Wettbewerbe werden immer technischer", fasst Travis Rice die Entwicklung nach seinem Run zusammen. "Wir befinden uns in einem Noch-eins-Stadium: Noch eine Rotation mehr, noch ein Spin mehr, noch ein Grab mehr. Seit drei Jahrzehnten hat sich der Sport so weiterentwickelt. Und das ist beeindruckend. Aber um erfolgreich zu sein, braucht man inzwischen einen Gymnastik-Background und muss trainieren wie ein Olympionike – was kein essentieller Teil der Snowboardkultur ist. Sich durch japanische Bäume und über einen Grat seinen Weg nach oben auf den Gipfel zu erschwitzen, sich von oben daran zu erinnern, ob das geplante Pillow da unten rechts oder links von der Baumgruppe war, und dann über 440-Höhenmeter hinunter einen flüssigen Run hinzulegen aber schon." 

Wer immer noch meint, Freeriden wäre das, was man selbst unter der Gondel am Hausberg macht, bitte hier kurz das Video anschauen, wie Travis seinen Run (und sein spontanes Umdisponieren während der Line) erklärt:
 

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"Das sind unfassbare Leistungen, die die Fahrer in den Parks bringen", so Travis, "aber für mich geht es eher darum, die Freestyle-Tricks in die großen Berge zu bringen. Das ist mein heiliger Gral des Snowboardens."

Freeriden ist das neue Freestyle-Snowboarden: Ohne Tricks geht nix

Auch dieses Mal gab es für Travis Schampus aus dem Gral, denn er holte sich wenig überraschend den Sieg in Hakuba. Dicht gefolgt von Gigi Rüf, dessen zweiter Platz ebenfalls bestätigt, dass sich die Freerider einer neuen Konkurrenz stellen müssen. "Der Run von Travis war einer der härtesten, die wir je bei einem Freeride World Tour Event gesehen haben", bestätigt auch Lolo Besse, Head Judge der Tour. So massive 720s sieht er schließlich nicht oft. Sein Judge-Kollege Dion Newport bestätigt: "So wie sich die Freeride-Events in den letzten Jahren entwickelt haben, sind Tricks wichtiger denn je." Und so befeuert Travis – durchaus ein bisschen absurd also – die Trickprogression bei der Tour.

Am Wichtigsten ist aber tatsächlich, dass am Ende alle Fahrer heil wieder im Tal sind und die Rettungscrew mit dem unbenutzten Akia einen letzten Powderrun macht. Über Lawinen muss man sich im Park schließlich keine Gedanken machen. Hier aber schon. Deswegen wird die Schneebeschaffenheit des Hangs am Big Triangle schon lange vor dem Event regelmäßig gecheckt und das finale GO erst dann gegeben, wenn die Sicherheit der Fahrer garantiert ist.

Kurz gesagt: Welch ein Aufwand, der da betrieben wird, um mitten im japanischen Hinterland einen Contest auf die Beine zu stellen, der mit dem Output von In-Resort-Events mithalten kann. Und was für eine Entwicklung, die die Freeride World Tour in den letzten Jahren hingelegt hat.

"Die Tour hat gerade definitiv ein Momentum“, fasst es Travis am Tag nach seinem Sieg zusammen. Er muss dann aber jetzt auch los. Filmen, ein paar Täler weiter. Auch Gigi ist in der Zwischenzeit auch schon längst wieder auf dem Weg nach Hokkaido, wo die Pirate Crew wartet. Denn: Nur Freeride-Contests fahren? So weit sind die Big Names schließlich noch nicht. Aber nächstes Mal sind sie auf jeden Fall wieder dabei im Japow.
 

Results in Hakuba Japan

Snowboard Men

    1.    Travis Rice (USA)
    2.    Gig Rüf (AT)
    3.    Davey Baird

Snowboard Women
 
    1.    Anna Orlova (RUS)
    2.    Manuela Mandl (AUT)
    3.    Marion Haerty (FRA)

Die kompletten Ergebnisse gibts hier 

2. Stopp: Kicking Horse in den kanadischen Rockies

Weiter geht die Freeride World Tour vom 2.2. bis 8.2.2019 in Kanada. Dann machen die besten Freerider der Welt halt im legendären Resort "Kicking Horse". Und nach den spektakulären Performances in Hakuba steigt die Spannung vor dem zweiten Stopp nun natürlich umso mehr. Nach dem Saisonauftakt wollen Gigi Rüf und Manuela Mandl (AUT) den Schwung ihrer zweiten Plätze in Japan mitnehmen und sich an der Spitze der Rangliste festsetzen. Die Sieger aus Hakuba Travis Rice und Anna Orlova (RUS) waren Wildcard Starter und sind deshalb nicht im FWT-Ranking gelistet. 
Thomas Feurstein (AUT), in Japan erkrankt und deswegen nicht am Start, gibt in Kanada sein Debüt 2019. 

Die gesamte Riders-Liste der Freeride World Tour im Überblick 

Der Contest wird live im Webstream auf www.freerideworldtour.com übertragen, wo man ebenso wie auf den Social-Media-Kanälen der FWT aktuelle Updates erhält, an welchem Tag genau die Schnee- und Wetterbedingungen geeignet sind und der Wettbewerb gestartet werden kann.

DIE WEITEREN STOPPS DER FREERIDE WORLD TOUR 2019 im Überblick
  • KICKING HORSE, GOLDEN, BC, KANADA – TIME TO GET ROWDY
    02.-08. FEBRUAR 2019
  • FIEBERBRUNN, ÖSTERREICH – HOLD THE LINE
    22.-28. FEBRUAR 2019
  • VALLNORD-ARCALÍS, ANDORRA – CRUNCH TIME
    02.-08. MÄRZ 2019
  • VERBIER, SCHWEIZ – THE GRANDE FINALE
    23.-31. MÄRZ 2019

Transitions – das sind die Übergänge zwischen Zuständen und Momenten, die sich aneinanderreihen zu Eindrücken und Ereignissen, die zu Erinnerungen werden und zu Erfahrungen kumulieren. Transitions – das sind die Wege, auf denen sich Veränderungen abspielen. Pleasure Ausgabe 132 widmet sich eben jenen Transitions. Viel Spaß damit.