Simons Gnackfotzn - Maul auf!
10. Januar 2012 - 18:39 von Mugl
Maul auf! -
von Simon ReichelSnowboarden an sich ist ja schon ein einziger Schmalztopf an Klischees und kopfbefreiten Sprüchen. Aber es gibt einen Klassiker, der sticht hervor wie ein Ölfleck im Delphinbecken. Er ist beliebt. Und die Scheuklappenmentalität, die dahinter steckt, lässt mir regelmäßig die Haare zu Berge stehen. Ich rede von der Aussage, die man in Magazinen, Videos, Interviews und Werbungen immer und immer wieder liest: „Das Beste ist immer, einfach Snowboarden zu gehen.“ Im Ernst jetzt?! Wenn Wettkampf langsam der wichtigste Teil im Snowboarding wird, und ich damit überhaupt nicht einverstanden bin, dann soll ich einfach Snowboarden gehen? Wenn eine Firma sich breit macht, die meiner Meinung nach auf lange Sicht viel kaputt machen wird, dann soll ich einfach Snowboarden gehen? Wenn mein Lieblingsmagazin nicht die Eier hat, endlich öffentlich Propaganda gegen die FIS zu betreiben, dann soll ich einfach Snowboarden gehen?
Bei allem Respekt, ich lebe in einer demokratischen Gesellschaft. Ich bin demokratisch erzogen worden, und ich hoffe, dass für euch das Gleiche gilt. Das höchste Gut in dieser Gesellschaft ist, dass jeder das Recht hat, mitzureden und mitzubestimmen. Hab ich etwas verpasst? Ist dieses Recht umgewandelt worden in das Recht, einfach den Schwanz einzuziehen?

Ich sag Euch, für wen es das Beste ist, wenn ihr einfach Snowboarden geht. Ganz sicher nicht für Euch. Sondern für Energy-Drink-Konzerne, die mit Wettkampf und Extreme-ness ihr Produkt verkaufen. Für Firmen, die euch weiterhin jedes Jahr aufs Neue Scheißprodukte zu Preisen verkaufen wollen, für die man im Drogenhandel erschossen wird. Für Snowboard-„Journalisten“, die Angst davor haben, endlich wahren Journalismus zu machen.
Einfach Snowboarden zu gehen ist weder cool, noch „core“, noch „gegen den Strom schwimmen“, noch sonst etwas. „Einfach Snowboarden gehen“ ist in solchen Fällen das gleiche wie „ein dummes, stummes Schaf in der Herde zu bleiben“. Macht endlich euer Maul auf! Seid keiner in der Konsumzombiehorde, mit dem man alles machen kann! Redet über die Dinge! Redet laut darüber, anstatt nur ein bisschen im Lift zu lästern. Macht von eurem demokratischen Recht Gebrauch! Beschwert euch, auch wenn man euch dann einen „Hater“ oder „Wutbürger“ schimpft. Lieber bin ich so einer, als ein Feigling…
Simon Reichel ist ein Vollzeit-Hater und Teilzeit-Shredder aus dem schönen Oberbayern. Seine sonstigen Verbalattacken und Snowboardveranstaltungen kann man auf www.rippendales.com und www.thenecessaryhate.de verfolgen. Foto: Leo Kern.