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Der Kern der Dinge - von Simon Reichel

Eine Kolumne, um meine Meinung auf öffentlich-wirksamer Bühne freien Lauf zu lassen: eine verlockende Vorstellung! Aber nicht ganz so einfach, wie es klingt. Was, wenn ich bei meiner Argumentation so große Schritte mache, dass der Großteil der Leser nach zwei Sätzen aussteigt und ich am Ende als elitärer Intellekto-Penner ignoriert werde? Oder ist das nicht sowieso schon längst der Fall? Was, wenn ich dem Durchschnittsboarder zu viel Hirnkarenz unterstelle und jeden mit meinen Erklärungen unterfordere und langweile? Was, wenn ich mich aus Rücksicht auf Sponsorenrechte und persönliche Streicheleinheiten so sehr verrenken muss, dass ich am Ende ungefähr so glaubwürdig bin wie der Depp mit blaugelber Krawatte im Außenministerium...

Vielleicht sollte ich, bevor ich mich in meine Hasstiraden stürze, ein Konzept klären, um das es mir bei fast jedem Disput letzten Endes geht. Zu diesem Konzept gehört ein Wort. Zusammen mit seinen Geschwistern „Fun“, „Creativity“, und wie sie alle heißen, ist es aus dem Englischen über die Sprachgrenze geschmuggelt und als Wortnutte an die Werbung verkauft worden: „Core“ ist nur eine von vielen, aber um sie tut es mir besonders leid. Denn auch ich werde nicht umhin kommen, ab und zu ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.

Was meine ich, wenn ich von „Core“ rede? Nach allem, was in Anzeigen und Magazinen mit der Bedeutung dieses Wortes angestellt worden ist, könnte ich euch einen neongelben Carvingski damit verkaufen. Aber für mich heißt „Core“ vor allem das, was seine Übersetzung suggeriert: Wenn eine Firma „Core Snowboarding“ ist, dann liegt Snowboarden in ihrem Kern. Dann ist sie für Snowboarden entstanden, mit Snowboarden gewachsen und ohne Snowboarden könnte es sie nicht geben. Diese Definition mag manchen Leuten nicht gefallen, denn sie beinhaltet einige Firmen, z. B. die, die mit dem Buchstaben nach dem A beginnt, denen man ungern das Prädikat „Core“ geben möchte. Sie schließt auch Firmen aus, die man gerne mögen würde, zum Beispiel weil sie mit den ganzen coolen Videograss-Fahrern gerade eins der besten Rail-Teams der Welt besitzen.
Trotzdem ist diese Definition, so wie sie ist, richtig und wichtig. Warum? Weil sie einen ganz entscheidenden Unterschied beschreibt. Nämlich den, welche Firma Snowboarden braucht und welche damit nur Geld verdient. Kaum einer arbeitet für Luft und Liebe, das ist klar. Alle wollen ihre Miete bezahlen. Manchmal geht jemand Pleite, ein anderer wächst dafür. So ist der Lauf der kapitalistischen Welt. Und solange es unserer Industrie gut geht, werden die Leute so eklige Pessimisten wie mich immer als unnötigen Störenfried betrachten. Aber auf jeden Boom folgt eine Talfahrt, so wie nach jedem Winter der Sommer folgt. Und wenn die Umsätze schmelzen, dann werden zwei Arten von Firmen zwei verschiedene Dinge tun.

Die einen werden ganz schnell wieder auf die Produktion von Skiern oder Turnschuhen, auf neue Extremsportarten und auf neue Trends umspringen. Sie werden ihr Team und ihre Snowboard-Abteilung mit einem großen, schwungvollen Arschtritt auf die harte Straße der Realität befördern. Diesen Firmen geht es einzig und allein um Geld. Ob sie das mit Snowboards oder Golfschlägern verdienen, ist ihnen egal.

Die anderen werden für Snowboarden kämpfen, weiter Contests organisieren, Teams unterstützen, obwohl es sich nicht mehr rentiert. Vielleicht müssen sie ein paar Stellen streichen, aber sie werden alles dafür tun, dass Snowboarden weiter existiert. Diesen Firmen geht es genauso ums Geld, aber es geht ihnen auch ums Snowboarden, weil sie es brauchen, weil sie „Core“ sind.

am 21. Dezember 2011 - 18:49 schrieb
Ein gelungener beitrag wie Ich finde. Mit viel engagement fürs kleingedruckte.Dabei ist denke ich auch die Frage zu klären wie viele Leute die dieses Wissen teilen es auch fördern und wie viele leute existieren die davon keinen plan haben aber sich trotz dessen damit befassen würden... Naja darüber zu Philosopieren ist grenzenlos... Big Up aufjedenfall an dich Simon! Die Gute-Welt Lebt von denen die sich dessen zuwenden was für den Otto-Normal verbraucher nicht sichtbar ist.
am 21. Dezember 2011 - 19:00 schrieb
Gut geschriebener Artikel, aber was willst du uns damit sagen?
am 22. Dezember 2011 - 14:09 schrieb
@marc: dass burton core ist und nike nicht du seggl
am 22. Dezember 2011 - 16:36 schrieb
Max
burton kann man aber auch nicht mehr unbedingt unter core zählen obwohl es in die definition passt. ausserdem... es kann doch jeder machen was er will, 6.0 is meiner meinung nach geil, weil ich die fahrer mag und mich ihr motto irgendwie motiviert hat. sollen sie doch ein gutes marketing konzept haben... wenn es mich anspricht ist das eben so. wenn wir alle auf das gleiche abgehen würden wäre es doch irgendwie auch langweilig... zeiten ändern sich und das ist auch gut so.
am 22. Dezember 2011 - 17:54 schrieb
immer dieses thema dass man darüber noch streitet.....wer gibt denn ein fick auf sowas geht einfach snowboarden
am 22. Dezember 2011 - 18:01 schrieb
Ich finde die Argumentation schlüssig, allerdings würde ich bei der Definition von Core gerne eine Änderung vorschlagen. Es gibt auch einige Labels, die sind mit Snowboarden entstanden, mit Snowboarden gewachsen, es könnte sie aber auch ohne Snowboarden mittlerweile geben, weil mehr Standbeine diese eben im Falle einer Krise nicht so schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Dies bedeutet dann zwangsweise nicht, dass sich diese Firmen dann von Snowboarden abwenden würden. Vielmehr ist es ihnen möglich durch den geschaffenen Puffer Snowboarden auch durch eine Krise hinweg zu unterstützen, indem man auf Ressourcen an anderer Stelle zurück greifen kann. In meinen Augen eine kluge Idee! Ähnliches sieht man auch im Skateboardbereich. Ein Laden z.B., welcher nur auf Skateboard setzt, hat bei einem nachlassenendem Boom (wie es in meinen Augen in den letzten Jahren gab), ernsthafte Probleme zu überleben. Hat dieser aber noch im Fashionbereich weitere Einnahmequellen, so kann er darüber in Krisenzeiten weiterhin Contest und Fahrer unterstützen, wodurch wieder Kids animiert werden selber aufs Brett zu steigen, was der Krise entgegenwirkt.
am 24. Dezember 2011 - 11:30 schrieb
Tom
@max bitte die kolumne noch 100mal durchlesen vielleicht verstehst du es dann, obwohl es hat keinen sinn denke ich spar es dir und zieh dir ein paar nike chosen videos rein.
am 24. Dezember 2011 - 16:48 schrieb
Yeah - genau das was wir alle brauchen. Noch n klugscheißer der alles checkt und uns auf den richtigen weg bringt! Um was gehts eigentlich? Um spaß mit den guten freunden beim shredden. Und denkst du dass jemand der bei z.B. Atomic oder Elan in der Snowboardabteilung arbeitet, Snowboarden selbst weniger liebt als du, lieber Vollpfosten? Ohne alle wär Snowboarden nicht das was es heute ist. Und wenn du findest, dass snowboarden heute eh scheiße ist, dann lass dir doch n schönen Spruch auf n Arm ritzen, kämm den scheitel noch n wenig strammer nach hinten und erzähls jemand auf ner 50's rockabilly convention. Wenn dann "pseudo intellekto penner"
am 24. Dezember 2011 - 18:44 schrieb
Was für ein BLÖDSINN! Burton ist CORE? BIST DU BESCHEUERT??? Ohne die ganzen Opfer die mit Burton Tees und Rücksäcken rumlaufen, aber nichts mit Snowboarden zu tun haben, hätte Jake sich schon längst nen anderen Job suchen müssen... A Gnackfotzn schaut a weng anders aus!
am 30. Dezember 2011 - 14:39 schrieb
aber irgendwie hat er doch schon recht der alte hater simon!
am 30. Dezember 2011 - 15:29 schrieb
Max
thumps up for eddy!

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