Dieser Artikel erschien am 06. November 2009 in der Ausgabe #82 des Pleasure Snowboard Magazins.Ihr könnt die gesamte Ausgabe übrigens online lesen. Direkt zu diesem Artikel geht es HIER.Media Mix: Absinthe FilmsVon Christian Öfner
Der europäische Markt wird von den USA aus gerne unterschätzt. Der US-Bürger übersieht nur zu gerne die Qualität europäischer Shredder und deren Videos. Absinthe Films kann seit vielen Jahren dagegen arbeiten. Anfangs noch als kleines Euro-Projekt abgetan, dauerte es nicht lange bis die Filme weit über die europäischen Grenzen hinaus beliebt waren und der Respekt der Staaten über den großen Teich bis nach Europa schwappte. Im 10-jährigen Jubiläumsjahr kommt an Absinthe keiner mehr vorbei. Sie trumpfen mit einem elitären Fahrerfeld auf, die Premieren werden weltweit mit Spannung erwartet und sind 2009 ohne Zweifel die größte Videoproduktion. Wer hätte das gedacht, von einem Schweizer Produzenten, der früher eigentlich mal Fotograf war, es dann aber allen gezeigt hat. Patrick „Brusti“ Armbruster steht uns Rede und Antwort.
PLSR: Hey Brusti. Alles Gute zum 10-jährigen Absinthe-Geburtstag! Ist Absinthe immer noch ein Teenager oder schon ein gereifter Herr?Patrick „Brusti“ Armbruster: Ich denke es ist beides. Wir versuchen ein breites Spektrum abzubilden, wobei Progression immer der erste Ansatz ist. Wir setzen auf Qualität in allen Belangen, weshalb wir fast ausschließlich 16mm-Footage verwenden. Wir versuchen aufwendig zu filmen, um diese Qualität und die Schönheit der Berge wiederzugeben und damit auch ältere, bergaffine Leute anzusprechen. Dazu kommen einige Streetparts und technische Tricks, die in erster Linie vom jüngeren Publikum geschätzt werden. Die Bilder sollen einen Traum vermitteln, Spaß zeigen und die Leute motivieren, in die Berge zu gehen.
Was hat sich seit dem Anfang geändert?Die ursprüngliche Motivation war es, dem europäischen Markt zu helfen. Es gab keine Plattform für Europa, um sich international in einem Video zu präsentieren. Es gibt in Europa die Fahrer, die Spots und die Szene, um einen Film zu machen, und wir wollten damit einen Gegenpol zu den US-Produktionen setzen. Aus einem Projekt, das aus Enthusiasmus entstanden ist, wurde letztendlich ein Beruf, der danach verlangt, sich auch über Vertrieb, Sponsoring und Finanzen Gedanken zu machen. Damals hatten wir davon keine Ahnung und sind einfach ins kalte Wasser gesprungen. Auch technisch hat sich viel getan. Wir haben mit VHS-Tapes begonnen und stehen jetzt davor, ins High-Definition-Business einzusteigen.
Wer genau steckt hinter Absinthe?Justin Hostynek und ich, wir sind die beiden Drahtzieher. Früher war es so, dass wir beide noch alles gemacht haben, mittlerweile beschränken wir uns auf unserer Kerngebiete. Justin sorgt für deutlich mehr Inhalt des Films, da er den Schnitt und große Teile des Filmes übernimmt. Ich hingegen kümmere ich mehr darum, dass die Show am Laufen bleibt und beschäftige mich mit Marketing, Sponsoring und ähnlichem. Wichtiger Teil der Crew ist auch Kelli, meine Assistentin, die ebenfalls einen sehr guten Einblick in die Firma hat. Dazu kommen noch einige Filmer wie Shayne, David und Paul, die über das ganze Jahr für uns unterwegs sind. Abgerundet wird die Absinthe Crew durch einige freie Mitarbeiter, die sich um Grafik, Logos, Werbung und etliche andere Dinge kümmern.
Auf was bist du bei Absinthe besonders stolz? Was ist an Absinthe besser als an anderen Videos?Es gibt viele gute Produktionen. Ich bin stolz darauf, wie weit wir gekommen sind. Als wir zum ersten Mal eigene Aufnahmen gesehen, Filme vertont, Premieren organisiert haben, war das schon etwas ganz Besonderes. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir diesen letzten Schritt auch noch gehen. Etwas mehr Aufwand betreiben als die Anderen, um immer neue Gebiete zu finden und neue Spots zu erreichen. Wir versuchen auch bei der Shotauswahl eine hohe Messlatte zu setzen. Diese Selektion führt letztendlich zum sprichwörtlichen Tüpfelchen auf dem I. Wenn ich zurückdenke an unsere Filme, gefällt mir Vivid, Pop und der neue Neverland wohl am besten. Wir haben bewiesen, dass wir keine Eintagsfliege sind und darum sind die Fahrer sehr loyal zu uns. Fahrer wie Nicolas Müller, Romain de Marchi, Wolle Nyvelt und Gigi Rüf sind seit dem ersten Movie mit dabei und halten uns seit dem die Stange. Auch Travis Rice kam als No-Name zu uns und zählt jetzt zu den Superstars überhaupt.
Wer ist der nächste Superstar aus eurer Crew?Bode Merril und Werni Stock sind im Moment meine heißesten Eisen. Bode hat das heuer ja schon gezeigt. Mit Werni konnten wir leider nur wenig filmen gehen, versuchen das aber in der kommenden Saison zu ändern und ihn mehr einzubinden.
Eure Premierentour war heuer ja sehr ausgedehnt. Unterscheidet sich das Publikum von Ort zu Ort?Lustigerweise ja. In Zürich haben wir sowieso Heimspiel, in Italien wird geklatscht, in Wien wurden gute Tricks mit Pfiffen belohnt, anderswo gerufen. Generell kam der Film überall gut an und wir werden die Tour in den nächsten Jahren sicher noch ausbauen. Wir wollen damit nicht nur Promo machen, sondern den Leuten die Berge und das Snowboarden vor die Haustüre liefern und sie dafür motivieren.
Ich gehe davon aus, dass das Intro mitunter am besten ankommt. Das macht so Spaß auf Snowboarden!Das Intro wird vor allem von Leuten wertgeschätzt, die selbst viel fahren. Außerdem können sich viele mit dem schlechten Wetter, dem Wald, dem Tiefschnee identifizieren, weil man es selbst schon erlebt hat.
Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?Besser geht immer. Nachdem wir ständig in der Natur sind, ist „perfekt“ kaum möglich. Dazu müsste man ins Studio gehen. Auch die Wahl des Soundtracks überdenkt man jedes Mal aufs Neue. Letztendlich bin ich aber sehr happy mit Neverland und es gefällt mir, was für ein breites Spektrum wir abdecken konnten. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Nicolas Müller wieder mehr auf Backcountry-Kickern zu sehen ist. Aber auch das bekommen wir noch hin.
Wie sieht die Absinthe-Zukunft aus?Es wird sicher wieder einen Film geben. Das steht fest. Wieder mit großer Tour. Außerdem arbeiten wir gerade an unserem zweiten Videospiel. „Stoked“ kommt in Europa gerade auf den Markt und wir sind schon am Nachfolger dran. Auch das war eine sehr gute Erfahrung und das Spiel macht wirklich Lust auf Snowboarden. Außerdem wollen wir uns vermehrt um Rider-Filme kümmern. Ein Nicolas-Müller-Projekt ist schon länger in Planung, mal schauen was da passiert. Und zu guter Letzt werden wir unsere Website und das Internet generell mehr mit einbinden. In ein paar Wochen kann man alle unsere Filme im iTunes-Store kaufen (leider nicht in der Schweiz) und wir bieten unsere Filme auf der Website zum Streamen an. Dort werden wir dann auch HD-Versionen anbieten.
Das klingt nach einem ambitionierten Plan. Wir sind gespannt. Danke für das Interview.